Denn wo heute Umkleiden für Mitarbeiter sind, lagen früher die Kinderzimmer von ihr und ihrem Bruder Robert. Die Erlebniswelt mit Manufakturen, Spielplatz, Kartoffelsackrutsche und Restaurant war damals ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb, den Großvater Karl führte und auf dem er Erdbeeren anbaute.
Die Früchte wurden lange Zeit an die Schwartauer Werke geliefert – bis die junge Ulrike Dahl aus England zurückkam und die Idee von den Erdbeer-Verkaufshäuschen zur Direktvermarktung mitbrachte. Ihr Vater, der den Betrieb bereits übernommen hatte, war begeistert. „Es hat zwei Tage gedauert, da hatten wir so ein Häuschen hier“, erzählt die 57-Jährige lachend.
„Wir durften als Kinder
viele Ideen haben“
Wenn sie an ihre Kindheit denkt, dann schwingt viel Dankbarkeit mit. „Wir durften viele Ideen haben, wurden nie gebremst“, erzählt sie. „Und in unserer Familie wurde immer an die Kraft der Frauen geglaubt.“ Als ihr Vater starb, war es für Ulrike Dahl schwer. „Es war wie eine schützende Hand, die immer da war“, sagt sie. „Wenn ich umgefallen wäre, hätte er mich gehalten.“
Heute ist sie Personalchefin im Unternehmen. Doch dass ihr jüngerer Bruder irgendwann den Betrieb übernimmt und die 57-Jährige einsteigt, war längst nicht immer klar. „Unsere Eltern haben nie Druck auf uns ausgeübt“, sagt Ulrike Dahl. Der Gang aufs Erdbeerfeld gehörte trotzdem früh dazu. Mit 14 Jahren verdiente sie sich Taschengeld als Einweiserin dazu. „Und Körbe zum Pflücken habe ich im Akkord gefaltet, das weiß ich noch.“
Trotzdem schlug sie erst einmal einen anderen Weg ein. Ulrike Dahl wollte Deutschlands jüngste Hoteldirektorin werden. Das Selbstbewusstsein dafür erarbeitete sie sich im „Hotel Seeschlösschen“ in Timmendorf. „Als Kind war ich sehr schüchtern“, sagt sie. „Aber als ich dort meine Ausbildung gemacht habe, wurde mir viel zugetraut, und da wurde ich selbstsicher.“ Es folgten viele Aufenthalte im Ausland, doch am Ende führte der Weg nach der Wende doch zurück nach Warnsdorf.
Heute ist sie glücklich in Ostholstein, wo ihr Lebensmittelpunkt liegt. Und trotzdem ist die zweifache Mutter viel unterwegs, braucht immer mal wieder das trubelige Stadtleben. Vor ein paar Monaten war sie mit ihren beiden Söhnen in Kalifornien. „Wir haben uns angeschaut, wo Amerikas erstes Karls Erlebnis-Dorf entsteht“, sagt sie.
Personalchefin packt
auch selbst mit an
Dann zeigt Dahl begeistert ein Video von Seelöwen. „Die liegen direkt davor auf dem Steg, das ist doch einmalig“, sagt sie mit kindlicher Freude in der Stimme. Wer Ulrike Dahl kennenlernt, merkt ohnehin schnell ihre Begeisterung für Menschen, Projekte und Produkte. Sie bietet jedem das Du an, baut kurzerhand selbst ein Zelt für eine Feier mit auf oder schnappt sich einen Tritt, um den Zustand der Regenrinne zu checken. „Ich kann anpacken“, sagt sie.
Doch trotz aller Arbeit versucht sie auch, die privaten Kontakte zu pflegen. Was dabei hilft, ist ihre Leidenschaft, Feiern auszurichten. „Ich bin eine richtige Partynudel“, erzählt Dahl. „Früher habe ich immer gesagt: Mein ganzes Leben ist eine Party.“
Zu Hause wurde nicht einfach der Tannenbaum geschmückt. Nein: Es fand eine Tannenbaum-Schmück-Party statt. „Oder eine Wir-essen-Abendbrot-in-der-Badewanne-Party“, sagt sie lachend. Heute wird am Tisch gefeiert – aber mit nicht weniger Spaß. „Meine Freunde sind scheckheftgepflegt“, sagt die 57-Jährige. „Die habe ich alle seit über 30 Jahren.“
Apropos Alter: Dem wirkt Ulrike Dahl entgegen. Nicht nur mit viel Trinken, Sport und gesunder Ernährung. Zu Hause hat sie auch eine Eiswanne, in die sie täglich geht. Und natürlich setzt sie auf eine tägliche Erdbeer-Ration. „Ich esse sie noch immer richtig gerne“, sagt sie.Und ein wenig hält sicher auch der Job sie jung. Die tägliche Arbeit mit Menschen aus 50 Nationen, die Schulungen, die neuen Impulse. Konkurrenz gibt es in der Familie nicht, sagt Ulrike Dahl. „Das ist ein Geschenk“, findet sie und beschreibt das Verhältnis zu ihrem Bruder sehr vertrauensvoll. „Wenn der Wind richtig von vorn kommt, dann weiß ich, dass er da ist.“
Wie wichtig Familie ist, zeigt auch die Beziehung zu ihren Söhnen. Obwohl sie 17 und 21 Jahre alt sind, freuen sie sich auf den gemeinsamen Urlaub mit ihrer Mutter. Und die ist mächtig stolz auf ihre beiden: „Sie sind innen und außen wunderschön“, sagt sie.
Da scheint etwas in den Genen zu liegen. Denn ihre Mutter beschreibt Ulrike Dahl mit den Worten: „Sie besteht aus einem riesengroßen Herzen mit einem Körper drumherum.“