Erneute Robbensichtung an der Trave in Lübeck
Nachdem ein Tier tot aufgefunden wurde, sorgt eine neue Sichtung für Rätselraten.

Lübeck. Eine weitere Kegelrobbe in der Trave? Nachdem am Donnerstag, 12. Februar, eine Kegelrobbe tot am Ufer des Stadtgrabens auf Höhe des Buniamshofes gefunden wurde, haben Spaziergänger ein weiteres Tier entdeckt. Am Freitag, 13. Februar, fotografierte eine Spaziergängerin eine Robbe am Geniner Ufer.

„Damit hätte ich nicht gerechnet, das ist spannend“, sagt Seehundjäger Eckhard Kasten und identifiziert das Tier ebenfalls als Kegelrobbe. Seit mehr als drei Wochen ist also mindestens eine, vielleicht aber auch eine zweite Kegelrobbe in der Trave unterwegs. Unter diesen Umständen könne man auch nicht genau sagen, welche Robbe nun bis nach Bad Oldesloe geschwommen ist, erklärt Kasten.

Eine Option sei, dass das neue Tier dem Nahrungsangebot gefolgt ist und wirklich erst seit ein paar Tagen in der Trave ist. Es sei aber genauso möglich, dass die noch lebende Robbe das reisefreudige Tier sei, das in den vergangenen Wochen die Region bis nach Stormarn erkundet habe, und die verstorbene Robbe erst kürzlich zum Sterben bis nach Lübeck geschwommen sei.

Sicher ist aber: „Das haben wir so noch nicht gehabt. Zwei Tiere in so kurzer Zeit“, sagt Kasten. Normalerweise seien Rügen, Travemünde oder Großenbrode Hotspots für die Tiere. Der Weg bis nach Lübeck sei da eher ungewöhnlich. Sonst sehe man alle paar Jahre mal ein Tier in der Trave. „Vermutlich finden die Robben aktuell in der Trave einfach genug Fisch und auch genügend sichere Plätze zum Ausruhen.“ Für den Seehundjäger wären weitere Bilder von dem neuen Tier an Land spannend, um die Robben auseinanderhalten zu können. Sollte es sich bewahrheiten, dass hier zwei unterschiedliche Tiere unterwegs sind, wolle er auch mit Forschern sprechen. „Falls Gelder da sind, wäre eine DNA-Analyse sicherlich interessant“, sagt Kasten.

Deutschlands
größtes Raubtier

In Lübeck wurden über das Wochenende bereits Schilder aufgehängt, um Spaziergänger zu warnen und das Tier zu schützen. Zu nah kommen sollte man dem Tier aber keinesfalls, warnt Eckhard Kasten. Neugierige Spaziergänger sollten das Tier in Ruhe lassen und Abstand halten, wenn sie eine Robbe entdecken. „Das ist das größte Raubtier, das wir hier in Deutschland haben“, sagt er.

Laut der Deutschen Wildtierstiftung können Kegelrobben bis zu 300 Kilogramm wiegen. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts jagten die Menschen Kegelrobben, wodurch die Art beinahe ausgerottet wurde. Erst seit rund 40 Jahren sind Kegelrobben wieder an Deutschlands Küsten anzutreffen.

Wer eine Kegelrobbe oder ein anderes Meerestier entdeckt, das augenscheinlich Hilfe braucht, kann die Beobachtung über die Robben-App des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein melden. Das kann sinnvoll sein, wenn die Robbe sich an ungewöhnlichen Orten an Land aufhält oder sichtbar verletzt ist. Seehundjäger kümmern sich dann um die Tiere, damit diese wieder aufgepäppelt werden. und PAM/RIL

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