So kommt der Sauerstoff
zum Atmen in den Belttunnel
Die Luftqualität in Unterführung wird laufend überwacht.

Die Visualisierung zeigt die zukünftige Tunneleinfahrt auf Fehmarn.Foto: Femern A/s
Fehmarn/Lolland. Der fertige Fehmarnbelttunnel wird 18 Kilometer lang sein. An seiner tiefsten Stelle sind Reisende dann rund 40 Meter unter der Ostsee unterwegs. Läuft der Verkehr, dauert die Fahrt von Deutschland nach Dänemark zehn Minuten – mit der Bahn sieben. Bemerkenswert ist, wie jedes einzelne Fahrzeug dafür sorgt, dass zum Atmen benötigter Sauerstoff in die Tunnelröhren gelangt.

Anne Feindt ist Sprecherin von Femern A/S. Das Unternehmen ist für den Bau des Tunnels verantwortlich. Sie erklärt: „Wenn Fahrzeuge oder Züge in den Tunnel einfahren, schieben sie Luft vor sich her und verdrängen sie. Es entsteht ein leichter Überdruck. Hinter den Fahrzeugen und Zügen herrscht dagegen ein Unterdruck.“

Das ist der Kolbeneffekt

Dadurch werde auf natürliche Weise frische Luft in den Tunnel gezogen und verbrauchte Luft in Fahrtrichtung aus dem Tunnel gedrückt. Feindt: „Man spricht von einem Kolbeneffekt. Da in jeder Röhre des Fehmarnbelt-Tunnels Fahrzeuge und Züge nur in eine Richtung fahren, findet so ein natürlicher Luftaustausch in den einzelnen Röhren statt.“

Was aber passiert, wenn nur wenige Fahrzeuge unterwegs sind – zum Beispiel um 3 Uhr morgens? Laut Anne Feindt sei der Kolbeneffekt bei Zügen stark ausgeprägt, sodass die durchfahrenden Bahnen ausreichen würden, um die beiden Zug-Röhren zu belüften.

Anders sieht es bei den zwei Röhren für Autos, Busse und Lkw aus. Wie viel Luft von außerhalb hineingelange, hänge von der Zahl der Fahrzeuge sowie der Geschwindigkeit und Größe dieser ab, erklärt Feindt. Ist zu wenig Sauerstoff vorhanden, sollen Belüftungsanlagen zugeschaltet werden.

Um herauszufinden, wann das der Fall ist, sollen im fertigen Tunnel Sensoren genutzt werden. Diese – so der Plan – werden die Luftqualität kontinuierlich messen. Anne Feindt führt aus: „Es werden im gesamten Tunnel etwa alle 150 Meter sowohl Strömungs- als auch Sichttrübungsmessungen vorgenommen. Außerdem werden etwa alle 1800 Meter die CO-Werte (Kohlenmonoxid) und die NOx-Werte (Stickoxide) gemessen.“

All diese Daten würden genutzt, um die automatische Belüftung des Tunnels zu steuern. Die eigentliche Belüftung laufe dann über große, leistungsstarke Deckenventilatoren. Vorgesehen ist, dass etwa alle 400 Meter maximal drei Ventilatoren angebracht werden.

So oft gibt es Notausgänge

Somit sorgen sowohl die durchfahrenden Fahrzeuge als auch die Ventilatoren dafür, dass permanent Luft und Abgase aus dem Tunnel herausgeleitet und frische Luft hineingeleitet werden.

Losgelöst davon stellt sich die Frage, was geschieht, wenn es einmal zu einem Brand im Tunnelinneren kommen sollte? Anne Feindt erklärt, dass der Straßenverkehr rund um die Uhr überwacht werde. Sollte also ein Auto brennen, könne der nachfolgende Verkehr umgehend gestoppt werden. Die Femern A/S-Sprecherin ergänzt: „Fahrzeuge, die sich hinter dem brennenden Fahrzeug befinden, können durch die Wechselverkehrszeichen angehalten werden, um das Risiko für die Fahrzeuginsassen zu minimieren.“ Personen könnten sich dann über die circa alle 110 Meter vorgesehenen Notausgänge in die benachbarte, nicht betroffene Straßenröhre retten.

Währenddessen würde die Belüftungsanlage dafür sorgen, dass der Rauch in Fahrtrichtung aus der betroffenen Röhre geleitet werde. „Außerdem wird die Belüftungsanlage im Brandfall für Luftdruckunterschiede zwischen der betroffenen Röhre und der nicht betroffenen Röhre sorgen“, stellt Anne Feindt klar. „Durch den so geschaffenen Überdruck in der Röhre, die nicht betroffen ist, wird beim Öffnen der Notausgangstüren der Übertritt von Rauch verhindert.“ und SER
Druckansicht