„Es gibt kein Interesse der
Behörden, dagegen vorzugehen“
Illegale Ferienwohnungen in Niendorf? – Ehemalige Mieter fühlen sich von Kreis und Gemeinde im Stich gelassen.

Die Häuser in der Strandstraße in Niendorf bilden die erste und zweite Gebäudereihe zur Küstenlinie. Rolf Heffner (v.li.), Helmut Betsch und Eberhard Franke müssen oder mussten ihre Wohnungen verlassen. Sie kritisieren, dass daraus illegale Ferienwohnungen gemacht wurden.Fotos: Sven Wehde
Timmendorfer Strand. Helmut Betsch, Eberhard Franke und Rolf Heffner stehen vor dem großen Mehrparteienhaus an der Niendorfer Strandstraße. Das Haus war mal ihr Zuhause. Betsch und Franke mussten schon ausziehen, bei Heffner rückt der Umzugswagen im Juni an. „Sieben Jahre habe ich hier in Niendorf gelebt, dann wurde ich wegen Eigenbedarfs gekündigt. Doch das war ein Vorwand. Aus meiner Wohnung ist eine Ferienwohnung gemacht worden“, sagt Betsch mit leiser Stimme.

Er zeigt auf die Klingelschilder. Auf fünf der zwölf Schilder steht „Apartment“, jeweils mit den Nummern 1, 2, 4, 7 und 11. „Das waren alles mal normale Mietwohnungen“, sagen die drei Männer. „Nach und nach werden es Ferienwohnungen. Hier wird ein Mietshaus entmietet, um eine illegale Ferienanlage daraus zu machen“, beklagt Heffner, „zumal die bereits genutzten Ferienwohnungen eine entsprechende Nummerierung bis Apartment 11 haben.“

„Was uns passiert ist, lässt sich nicht rückgängig machen“, sagt Heffner. Doch er möchte den Menschen die Augen öffnen. „Die Gemeinde sagt, sie will alles dafür tun, dass den Bürgern Wohnraum erhalten bleibt und keine illegalen Ferienwohnungen entstehen. Doch in Wahrheit wird von der Gemeinde und dem zuständigen Kreis nichts gemacht, es gibt kein echtes Interesse, uns zu helfen und gegen illegale Ferienwohnungen vorzugehen. Das ist nur Show.“

Ehemaligen Mietern bleibt nur eine teure Zivilklage

„Der absolute Knaller ist, dass wir als Mieter keine Rechte haben, Auskünfte zu erhalten oder Überprüfungen durchführen zu lassen. Wir müssten zivilrechtlich dagegen vorgehen und die hohen Kosten selbst tragen“, sagt Heffner weiter. „So wurden wir durch Androhung von erheblichen Kosten dazu gebracht, unseren Antrag auf eine baurechtliche Überprüfung zurückzuziehen.“ Dabei seien die Ferienwohnungen eindeutig illegal. Betsch zuckt mit den Schultern. „Deshalb konnte ich mich nicht wehren. Ich bin Rentner und konnte das Risiko nicht eingehen, mehrere Tausend Euro in einen Prozess zu investieren.“

Tatsächlich werden im Internet derzeit vier der Wohnungen in dem Haus als Ferienapartments angeboten. Der Kreis bestätigt auf LN-Anfrage, dass Ferienwohnungen dort nur ausnahmsweise zulässig seien. Doch diese Ausnahmegenehmigung gibt es offenbar nicht. „Eine Baugenehmigung für Ferienwohnungen für das Gebäude existiert nicht. Die Ferienvermietung ist formell und materiell illegal“, erklärt Kreissprecherin Annika Sommerfeld.

Die Gemeinde kann

nicht tätig werden

Die Kritik, dass man die Mieter ihrem Schicksal überlassen habe, weisen sowohl der Kreis als auch die Gemeinde zurück. „Als Mieter besteht kein Rechtsanspruch auf bauaufsichtliches Einschreiten. Mieter haben ihre Rechte auf dem Zivilrechtsweg geltend zu machen“, klärt Sommerfeld auf. Auch habe es keine Androhung gegeben. „Niemand wurde zu der Rücknahme ‚gebracht‘, sondern es wurde auf die gesetzliche Kostenfolge hingewiesen.“

In diese Kerbe schlägt auch die Gemeinde: „Hinsichtlich der Wohnungskündigung auf Eigenbedarf handelt es sich um eine rein privatrechtliche Angelegenheit. Hier ist eine zivilrechtliche Klärung erforderlich. Die Gemeinde kann und darf hier nicht tätig werden“, teilt die Bauverwaltung mit. Ein Einschreiten bei einer illegalen Ferienvermietung obliege dem Kreis als Unterer Bauaufsichtsbehörde, und dieser Hinweis sei bereits erfolgt.

Offenbar hätte der Kreis weitere Kündigungen und ein Ausweiten der Ferienwohnungen in dem Haus wohl verhindern können. Denn bereits im August 2023 hatten die Mieter den Kreis über eine erste Kündigung und die Vermietung der ersten Ferienwohnung informiert und um Hilfe gebeten. In den zweieinhalb Jahren, die seitdem vergangen sind, sind allerdings nur neue Ferienwohnungen dazugekommen.

Auf die Frage, was der Kreis bisher gegen die illegalen Ferienwohnungen in dem Haus in Niendorf unternommen habe, bekommen die LN auf wiederholte Nachfrage keine Antwort. Stattdessen nur eine allgemeine Auskunft: „Der Kreis Ostholstein geht Hinweisen von Gemeinden, Nachbarn und der Bevölkerung nach und stellt aufgrund dieser Hinweise Ermittlungen an. Er reagiert durch bauaufsichtliches Einschreiten und die Einleitung eines Bußgeldverfahrens. Der Kreis Ostholstein entscheidet stets einzelfallabhängig.“

Vermieter zahlt sogar

Tourismusabgabe

Der Vermieter weist gegenüber den LN alle Vorwürfe zurück. „Die wegen Eigenbedarfs meiner Eltern gekündigte Wohnung wird nicht als Ferienwohnung vermietet. Bei den Ferienwohnungen handelt es sich um Wohnungen, aus denen die Mieter aus freien Stücken ausgezogen sind“, erklärt er. Das Haus sei in den 1970er-Jahren sogar extra als Ferienwohnanlage genehmigt und gebaut worden.

Die Ferienwohnungen würden ganz transparent vermarktet, und „wir zahlen ja für die Ferienwohnungen auch Tourismusabgabe an die Gemeinde“. Weder Gemeinde noch Kreis hätten sich aber je bei ihm gemeldet und auf fehlende Genehmigungen hingewiesen. „Nein. Wir haben nie Post bekommen.“ swe

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