So klappt es mit der Jobsuche in Dänemark
117.000 Stellenangebote im Nachbarland – Experte der Arbeitsagentur über die Vor- und Nachteile im Hygge-Land

Handwerker werden auch im Nachbarland dringend gesucht. Weniger Kündigungsschutz macht diese Branche allerdings vergleichsweise unsicher.Foto: Tim Riediger / nordpool
Ostholstein/Lübeck. Mehr Gehalt, weniger Stress und alle duzen sich: So schön ist das Arbeiten in Dänemark – oder? Markus Spieckermann von der Agentur für Arbeit Lübeck weiß mehr. Als Eures-Berater steht er Menschen zur Seite, die einen Job bei unseren nördlichen Nachbarn suchen. Die Abkürzung Eures steht für „European Employment Services“, übersetzt: Europäische Arbeitsvermittlungsdienste.Es gebe viele Menschen, die von Deutschland nach Dänemark wechseln möchten. „Doch das bietet nicht nur Vorteile“, betont Markus Spieckermann. Ostholsteiner, die eine Eures-Beratung wünschen, landen bei ihm für ein erstes Gespräch. „Ich zeige ihnen zunächst das Eures-Portal“, sagt er. Auf der Internetseite www.eures.europa.eu sind alle Stellenangebote von allen Arbeitsagenturen in Europa gelistet. Dort stehen erste Informationen über die Lebensbedingungen in den einzelnen Ländern. Potenzielle Auswanderer können über die Europass-Funktion einen Bewerber-Account anlegen sowie Lebenslauf, Zeugnisse und Zertifikate hochladen. „In dem Portal kann man gefunden werden – von Arbeitgebern oder von Eures-Beratern, die geeignete Kandidaten für Unternehmen suchen“, erklärt Markus Spieckermann.

Interessenten für Dänemark lasse er mit dem Portal bewusst „relativ allein“ – weil das eine erste Hürde sei. „Dänemark ist sehr digitalisiert. Wer sich in der digitalen Welt nicht zurechtfindet, der sollte überlegen, ob er oder sie in diesem Land richtig ist.“ Die Organisation des dänischen Alltages laufe hauptsächlich über E-Boks: eine Art elektronisches Postfach für den Austausch mit Behörden, Banken, Versicherungen oder der Krankenkasse.

Die zweite Hürde ist die Sprache. „Wer in Dänemark arbeiten möchte, sollte mindestens gutes Englisch sprechen.“ Noch besser sei natürlich Dänisch, wenigstens einige Grundlagen. „Die mögen für den Start ausreichen, aber vor Ort sollte man richtig Dänisch lernen.“

Doch welche Arbeitskräftewerden in Dänemark überhaupt gesucht? „Die Arbeitsmärkte ähneln sich“, hat Markus Spieckermann festgestellt. „Dänemark hat vielleicht etwas mehr Industrie und wir hier in Lübeck und Ostholstein haben etwas mehr Medizintechnik.“ Ansonsten gebe es freie Stellen vor allem im Bau- und Metallgewerbe, in der Logistik (begehrt sind Lkw-Fahrer), im Ingenieurwesen, im Handwerk und im Gesundheitswesen. Auch die Tourismusbranche sei im Kommen.Vor der jeweiligen Bewerbung versucht Markus Spieckermann, „ein realitätsnahes Bild von den Bedingungen in Dänemark zu zeichnen“. So seien Löhne und Gehälter im Nachbarland zwar in gewissen Branchen, aber keineswegs überall, höher als in Deutschland. „Es gibt auch keinen gesetzlichen Mindestlohn.“ Zudem liege der Spitzensteuersatz in Dänemark bei 52 Prozent (in Deutschland beträgt er 42 Prozent – beziehungsweise 45 Prozent ab einem Jahreseinkommen von 278.000 Euro).

Der deutschen 40-Stunden-Vollzeitwoche stehe die dänische 37-Stunden-Woche gegenüber. „Während es in Deutschland eher sechs Wochen Urlaub gibt, sind es in Dänemark fünf Wochen – allerdings werden diese nicht immer komplett bezahlt.“

Wer einen Job in Dänemark antritt, müsse sich darüber im Klaren sein, dass es weniger Kündigungsschutz gebe als in Deutschland. „Gerade im Handwerk kann das bedeuten, dass man von heute auf morgen entlassen wird, wenn ein Auftrag wegfällt“, erläutert der Eures-Berater. Arbeitslosengeld bekomme nur, wer freiwillig eine Arbeitslosenversicherung abgeschlossen und Beiträge an eine sogenannte A-Kasse gezahlt hat. „Nur damit hat man zudem bei einer Rückkehr nach Deutschland Ansprüche.“

Weitere Info im Internet: www.workindenmark.dk

Markus Spieckermann ist unter der E-Mail-Adresse Markus.Spieckermann@arbeitsagentur.de zu erreichen.

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