Frenz kennt die Diskussionen genau. Er leitet beim zuständigen Fachverband, dem Deutschen Verein des Gas- und Wasserfaches, den Bereich Wasserversorgungssysteme. Er beruhigt: „Der Betrieb der alten Leitungen ist unbedenklich. Die Weltgesundheitsorganisation und etwa das Bundesumweltamt haben dies bestätigt.“ Deswegen gäbe es in Deutschland keine Grenzwerte. Nur falls es zu einer Leckage käme oder Rohre durch Umwelteinflüsse im Laufe der Zeit beschädigt würden, könnten Asbest-Fasern ins Trinkwasser gelangen. Der Filter in der Hauseingangsleitung hielte diese bei ordnungsgemäßer Wartung auf. Auch dafür gäbe es entsprechende Normen und Kontrollen.
Die Aufnahme über das Trinkwasser gilt jedoch als unbedenklich. „Gefährlich ist das Einatmen der Fasern, für Personen, die an AZ-Rohren arbeiten, alte Leitungen austauschen und entsorgen müssen.“ Es müsse dabei die technische Regel für Gefahrstoffe TRGS 519 beachtet werden, sagt Frenz.Arbeitsmedizinerin
über Krebsrisiko
Die strengen Vorschriften wirken offenbar. „Mir sind weder konkrete Fälle noch entsprechende Studien bekannt, dass es nach dem Austausch von Asbestzement-Leitungen bei Arbeitern zu Krebserkrankungen gekommen ist“, sagt Alexandra Preisser. Die Internistin und Pneumologin arbeitet am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf als Oberärztin, ist Professorin für Arbeitsmedizin. Auch ein mögliches Krebsrisiko durch die Aufnahme von Fasern über das Trinkwasser hält sie für unwahrscheinlich. „Ganz ausschließen kann man es aber nicht“, sagt Preisser.
Für wie viele Leitungen in der Region gilt überhaupt erhöhte Vorsicht, und welche Gespräche laufen dazu zwischen der Kreisverwaltung in Eutin und den Versorgern? Der Zweckverband Ostholstein (ZVO) betreibt sechs Wasserwerke. Sein Netz umfasst nach eigenen Angaben 1200 Kilometer Hauptleitungen und 1100 Kilometer Hausanschlüsse im Landkreis. Alle gängigen Materialien seien verbaut. Heißt: Guss, Stahl, Polyethylen (PE), Polyvinylchlorid (PVC) sowie Asbestzement.
Nur im Hauptnetz seien noch AZ-Rohre vorhanden. Ihre Länge und wo genau sie liegen, will der ZVO nicht verraten − mit dem generellen Verweis auf „kritische Infrastruktur“.
Es gebe aber, laut Sprecherin Katharina Mangelsen, eine regelmäßige Überwachung, „insbesondere im Hinblick auf Schadenshäufigkeit und Wasserqualität“ und einen „langfristigen Sanierungsplan“. Gremien, in denen über das Thema informiert werde, seien der Wasserwirtschaftsausschuss, der Beirat Energie und weitere Arbeitskreise.AZ-Leitungen werden
nicht überwacht
Das Trinkwassernetz des benachbarten Zweckverbands Karkbrook in Grömitz umfasst 342 Kilometer. Und die bestehen, teilt Verbandsvorsteherin Uta Sablowski mit, „noch zum überwiegenden Teil aus Asbestzementrohrleitungen, aber auch aus Materialien wie PVC und PE“. Letztgenanntes Material werde seit Mitte der 1990er Jahre für Hauptleitungen genutzt. Sablowski sagt zudem: „Die AZ-Leitungen werden nicht überwacht.“ Bei Rohrbrüchen würden die Abschnitte außer Betrieb genommen und der betroffene Bereich umgehend ausgebessert. In den letzten Jahren sei man nun verstärkt dabei, so Uta Sablowski, das Netz „massiv zu erneuern“. Gerade das ist für viele Versorger teuer.Auch im 100 Kilometer langen Rohrnetz der Gemeindewerke Malente gibt es noch einzelne AZ-Altbestände aus „früheren Ausbaustufen“. Sie seien in einem „technisch stabilen Zustand“, sagt Vorstandsvorsitzender Mario Lüdemann und würden „sukzessive“ durch moderne PE-Leitungen ausgetauscht. Auch Guss- oder Stahlaltbestände würden fortlaufend bewertet und bei Sanierungen „gezielt ersetzt“.
Schrittweise erneuert wird ebenfalls das 65 Kilometer lange Trinkwassernetz der Lensahn Wasserbetriebe, sagt Dirk Bruhse. Und der Rohrbruch im November? „War in einer PVC-Leitung“, sagt der Büroleitende Beamte. Wie viel Asbestzement noch unter Lensahn versteckt, verrät Bruhse aber nicht.