Wie aus alten Dörfern junge Zukunftsorte werden können
Angehende Stadtplaner der TU Lübeck diskutieren mit Fehmaranern – Ideen für Petersdorf und Landkirchen vorgestellt

An den Präsentationstischen in der Alten Schule Petersdorf wurde engagiert diskutiert. Fotos: Scheper
Fehmarn. „Das Haus steht nicht leer, da wohnt noch jemand.“ Der Kommentar kommt direkt aus dem Zuhörerkreis, als eine angehende Stadtplanerin auf die Karte von Petersdorf zeigt. Wird fix notiert, ein Klebezettel wandert, mit entsprechendem Hinweis, aufs bunt bedruckte Papier. Nicken bei den Anwohnern, die am und um den Tisch sitzen. Weiter geht’s mit einer Debatte über mögliche verkehrsberuhigte Zonen. Draußen ist es dunkel und ungemütlich. Drinnen, im Veranstaltungszentrum Alte Schule, wird munter diskutiert.24 Studentinnen und Studenten der Technische Hochschule Lübeck haben überlegt, wie sich zwei Dörfer im Westen Fehmarns weiterentwickeln können: attraktiv bleiben und werden, gerade auch für junge Menschen − als Orte zum Leben und Arbeiten. Im Fokus sind Petersdorf und Landkirchen. Warum die beiden?

Weil der Inselwesten, im Vergleich zu den Touri-Hotspots − Burg und den direkten Küstendörfern − eben seltener Aufmerksamkeit bei neuen Projekten bekäme, heißt es. Jeweils eine Konzeptidee, insgesamt zwei für jedes Dorf, werden von vier Gruppen vorgestellt. Die Feedbackrunden dauern zwischen 20 und 30 Minuten.

Das Treffen auf Fehmarn ist ein wichtiger Zwischenschritt für die Bachelor-Studierenden im dritten Semester. Das erste Mal Praxis. Ihr Hochschullehrer Frank Schwartze hatte zu Beginn der Veranstaltung bereits den rund 50 interessierten, meist Ü-50-Fehmaranern freundlich zugerufen: „Sie machen unsere Ausbildung jetzt.“

Schwartze ist seit 2013 mit werdenden Stadtplanern in Schleswig-Holstein unterwegs. Auf der Sonneninsel ist er mit seinem Studi-Team das erste Mal. „Es ist eine perfekte Lehrveranstaltung“, sagt er. Das Format sei von hohem Nutzen für alle Beteiligten, es helfe als „Beschleuniger“ bei politischen Diskussionen, stoße wichtige Gespräche an.

An den vier Tischen merkt man, was Frank Schwartze meint, wenn er davon spricht, „mit den Menschen Lösungen zu finden“. Theorie prallt aufs Leben, auf Alltägliches − und manch feine Überlegung wird hinfällig. Andere, wie günstige, neue Reihenhäuser, finden Anklang. Die schon konzeptionell eingeplante Sporthalle in Landkirchen wird erstmal nicht berücksichtigt, „weil Geld fehlt“.

Auch im alten Bahnhofshotel ein „zweites Wohnzimmer“ für alle im Dorf einzurichten, klingt gut. „Hatten wir schon an anderer Stelle, wurde eher ein Prä-Seniorentreff.“ Abgelehnt. Das Kopfsteinpflaster in Petersdorf ist zwar „ortsbildprägend“, aber gerade bei Verkehr „richtig laut“. Verhandelt wird dann eine Zwischenlösung mit eingebrachten asphaltierten Streifen.

Wie kommen die Ideen an? „Die meisten sind gut“, finden zwei Teilnehmer aus Petersdorf. „Allerdings“, sagt einer pessimistisch, seien sie „kaum umsetzbar, Fehmarn hat kein Geld“. Das beste Heilmittel gegen Überalterung − „die Jungen ziehen weg“ − seien vor allem feste und nicht nur saisonale Arbeitsplätze.

Monika Niermann wohnt in Münster, kommt aber mit ihrer Familie „seit 45 Jahren“ auf die Insel, oft nach Petersdorf. Dieses Dorf habe es verdient, „dass ein kleiner Teil der Ideen umgesetzt werden kann“. Die finalen Konzepte sollen im Januar fertig sein und eine Broschüre erstellt werden. Für Studentin Kim Schwärzel hat der Realitätscheck „viel Mehrwert gehabt“.

Ihre Kommilitonin Anna Lambach findet spannend, wie viele „unterschiedliche Meinungen“ zu den einzelnen Aspekten existieren. Allerdings liefern die beiden und ihre Kollegen keine Finanzierungsansätze mit. Das bestätigt auch Organisatorin Steffi Breuer von der Stadt Fehmarn. Es gehe zunächst nur um „reine Entwicklungskonzepte“. und jsch
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