Kampf gegen Hinterlandanbindung: Protestmarsch durch Bad Schwartau
Bürgerinitiative will Menschen wachrütteln – Bahn plant Offenlegung der Planungsunterlagen erst im Frühjahr 2026

Die Pläne zur Hinterlandanbindung treiben die Menschen in Bad Schwartau auf die Straße. Beim ersten Protestmarsch Mitte Juli 2025 zogen rund 400 Personen durch die Markttwiete. Am 30. August folgt der nächste.Foto: hfr
Bad Schwartau. Die Schienenhinterlandanbindung ist seit fast zehn Jahren ein Dauerbrenner-Thema in Bad Schwartau. Viele Menschen in der Stadt hat die lange Zeit mürbe gemacht. Und nun kommt es erneut zu Verzögerungen. Laut Bahn werden die Planfeststellungsunterlagen erst deutlich später ausgelegt. Die Bürgerinitiative (BI) Kaltenhof will mit einem Protestmarsch wachrütteln. „Unser Ziel ist es, Aufmerksamkeit zu generieren“, sagt Volker Haverkamp von der BI. „Und zwar nicht nur die Aufmerksamkeit in Kaltenhof, denn die ganze Stadt und die Region sind von den Plänen der Bahn betroffen.“ Haverkamp ist einer der Initiatoren des Protestmarsches an diesem Samstag, 30. August, in der Innenstadt.Treffen um 10 Uhr auf
dem Europaplatz

Start ist um 10 Uhr auf dem Europaplatz. Von dort werden Haverkamp und seine BI-Mitstreiter gemeinsam mit den anderen Teilnehmern über die Auguststraße und Lübecker Straße in Richtung Markt und Geibelstraße vor das Rathaus ziehen. Haverkamp wird am Rathaus eine kleine Rede halten und über die gewaltigen Auswirkungen der geplanten Hinterlandanbindung durch Bad Schwartau berichten.

Aus Sicht der Bürgerinitiative gibt es eine Reihe von Gründen, im Rahmen des Planfeststellungsverfahren mit Einwendungen aktiv zu werden. „Kaltenhof wird für Jahre von der Stadt abgeschnitten“, sagt BI-Mitglied Beate Korf. „Insbesondere die vielen älteren Menschen im Stadtteil bekommen Panik, weil sie nicht mehr wissen, wie sie in die Stadt kommen sollen.“ Volker Haverkamp warnt: „Die ganze Stadt wird ihr Gesicht verändern und das hat auch Auswirkungen auf die Wirtschaft.“ Zudem würden durch die Planungen und Bauarbeiten der Kurbadestatus der Stadt gefährdet.

So plant die Bahn Teile des Mönchkamps und des Kuhbruchs abzuholzen, um eine neue Straße von der Elisabethstraße zu bauen, eine neue Querung an der Kaltenhöfer Straße zu schaffen und um einen Bauplatz zu errichten. Anwohner Joachim Gebauer ist entsetzt: „Der ökologische Wert des Waldes findet bei den Planungen überhaupt keine Beachtung.“

Nicht nur um den Verlust von mehr als zehn Hektar Stadtwald verhindern, macht sich die BI weiter für die Umfahrung Bad Schwartaus über die X-Trasse stark. Planungen der Bahn sehen vor, die Strecke von Lübeck nach Kiel und auch die Strecke nach Neustadt während der Bauzeit für mindestens vier Jahre komplett stillzulegen. Haverkamp: „Bei bis zu 600 Pendlern in der Stunde ist das mit dem Schienenersatzverkehr nicht zu schaffen.“ Er sieht hier das Land Schleswig-Holstein in der Pflicht, sich bei den Planungen mit einzuschalten und nicht nur an Bund und Bahn zu verweisen. „Für den Betrieb des ÖPNV ist das Land zuständig.“ Eine entsprechende Petition auf Landesebene hat die BI unlängst gestartet.Auch Bürgermeisterin Katrin Engeln (Bündnis 90/Die Grünen) wird an dem Protestmarsch am Samstag teilnehmen. Fest steht, dass es noch weitere Protestaktionen geben wird. BI-Mitglied Swantje Gebauer kündigt an: „Wir werden immer größer und lauter.“ SEP
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