Kuriose Ampel: Was bedeutet die blaue Leuchte?
Fahrradampel mit viertem Licht – Anwohner rätseln über die Bedeutung.

Kuriose Ampel mit blauem Licht: Anwohner Wolfgang Schramm (80) kann sich die Bedeutung nicht erklären.Foto: Holger Kröger
lübeck. Sowas habe er noch nie gesehen, sagt Wolfgang Schramm (80). Er deutet auf die Ampel am neuen Fußgängerüberweg im St.-Jürgen-Ring. Die verspätet gelieferte Anlage ist jetzt in Betrieb. Zusätzlich zu den üblichen Ampelfarben Rot, Gelb, Grün leuchtet dort ein blaues Symbol. Schramm schaut sich einen ganzen Durchlauf an. Die Farben wechseln von Rot durch über Gelb auf Grün, dann wieder Rot. Das blaue Licht leuchtet ständig. „Ich wüsste nicht, was das bedeuten soll“, sagt Anwohner Schramm.Die Stadt hat darauf eine Antwort: In der oberen Signalkammer befinde sich ein blaues Radsymbol entsprechend dem Verkehrszeichen 237 (Radweg), was darauf hinweisen soll, dass es sich um ein Signal für den Radverkehr handelt, teilt Stadtsprecherin Nicole Dorel auf LN-Anfrage mit. Das Gute für Radfahrer: Sie müssen dort keinen Bettelknopf mehr drücken. Denn sie werden durch spezielle Kameradetektoren erfasst. Solche Technik gebe es bereits auch beispielsweise an der Schönböckener Straße/Beethovenstraße oder an der Hansestraße/Meierstraße. Auch im Zuge des Radschnellweges in der Ratzeburger Allee solle es weitere vergleichbare Ampeln geben. Mit blauem Licht dagegen gibt es in Lübeck bisher keine weitere Ampel.

Kurios: In Niedersachsen wurden vor vier Jahren unter großem Medieninteresse solche Ampeln eingeführt - dann aber auf Weisung des Verkehrsministeriums wieder entfernt. Der Fahrradclub ADFC hat auf auch seiner Homepage darüber Buch geführt. Die Hildesheimer Stadtverwaltung wurde demnach angewiesen, die blauen Ampeln zu entfernen, weil es an der Rechtsgrundlage fehle. Bei Ampeln kämen Rot, Gelb und Grün zum Einsatz, aber eben nicht Blau, so das Ministerium.

In Lübeck sieht man in dem Modell aber kein Problem. Die Ausführung der Signalanlage sei vorab mit allen Beteiligten abgestimmt und durch die Straßenverkehrsbehörde angeordnet worden. Laut StVO könne „das Fahrradsinnbild als weißes Leuchtsinnbild auf dunklem Grund oder ein verkleinertes Zusatzschild“ über der Ampel für Radfahrer gezeigt werden.

Die Ausführung mit kleinem Durchmesser der Streuscheibe sei „absolut gebräuchlich und stellt eine Möglichkeit nach den Richtlinien für Lichtsignalanlagen dar“. Schon die Gestaltung der neuen Kreuzung mit vielen weißen Linien, durchgezogen und gestrichelt, hatte im Vorfeld für Verwunderung gesorgt. Wolfgang Schramm (80) will sich das nun mal alles in Ruhe zu Gemüte führen. „Eigentlich ist es ja schön anzusehen.“ nv
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