2021 haben Auszubildende der Deutschen Bahn das Projekt ins Leben gerufen. Wenig später übernahm die Bahnhofsmission die Betreuung. Jede Woche landen 500 bis 600 Flaschen in der Box. Das sind fünf bis sechs 120-Liter-Säcke. Doch: „Unser Partner, das Getränkeland Schönberg, nimmt nur alle zehn Tage fünf bis sechs Säcke an“, erzählt Uwe Albus, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Bahnhofsmission.
Was er nicht abgeben kann, muss Albus in dem Abstellraum der Bahnhofsmission lagern, wo es den Platz für Sachen wie Schlafsäcke, Thermoskannen oder Hygieneartikel wegnimmt. „Wir brauchen einen weiteren Partner, der uns Pfandflaschen abnimmt“, sagt Albus. Denn die Säcke sind nicht nur im Weg, sondern es ist auch Geld, das die Bahnhofsmission gut gebrauchen kann. Erste Anfragen bei Getränkemärkten laufen, aber bislang hat die Bahnhofsmission noch keine Rückmeldung bekommen. „Eine Idee wäre auch, einen modernen Pfandautomaten zu nutzen, der bis zu 100 Flaschen auf einmal annehmen kann“, sagt Albus.
450 Euro erzielt die Bahnhofsmission durchschnittlich pro Monat mit dem „Pfandhelden“-Projekt. Mit dem Geld kaufen sie Hygieneartikel oder Geschenke zu Weihnachten für die Gäste der Bahnhofsmission. Die Passanten reagieren sehr positiv auf das Projekt. Reisende und Lübecker spenden nicht nur Flaschen, sondern auch Geld.
Doch es gibt auch Kritik. Einige Menschen, die am Bahnhof Flaschen sammeln, sehen in der „Pfandhelden“-Box eine Konkurrenz. Uwe Albus berichtet, dass sich manche beschwerten, dass sie dort keine Flaschen mehr fänden. Er ist aber überzeugt, dass viele mit der Zeit erkennen würden, dass auch sie von dem Projekt profitierten – denn auch für sie stünde die Tür der Bahnhofsmission offen.Rabiat gingen Diebe im April dieses Jahres vor. Sie brachen die Box auf und stahlen den Inhalt. Doch der Behälter konnte repariert werden und steht jetzt gut gesichert wieder in der Wandelhalle. „Wir haben die Gitterbox zu zweit an vier Tagen jeweils drei bis vier Stunden repariert“, erzählt Uwe Albus. „Außerdem haben wir neue Ketten und ein neues Schloss angebracht.“ Die Kosten beliefen sich laut Albus auf 200 Euro.
Der Zuspruch in dieser Zeit war groß. Die Bahnhofsmission erhielt zahlreiche aufmunternde E-Mails und Zuspruch von der Bahnhofsgemeinschaft. Unbekannte, die aus den Medien von dem Aufbruch erfahren hatten, halfen spontan und spendeten – im Einzelfall bis zu 400 Euro.
Inzwischen gibt von der Bundespolizei gute Nachrichten – sie hat zwei Tatverdächtige ermittelt. „Zum Glück waren Reisende die Täter und nicht unsere Stammklientel“, sagt Albus, der selbst pensionierter Kriminalbeamter ist. Er hofft auf einen Täter-Opfer-Ausgleich. „Die Täter könnten am liebsten bei uns in der Bahnhofsmission Sozialstunden ableisten. Dann würde ihnen vielleicht klar werden, worum es bei dem Pfandprojekt eigentlich geht“, sagt Uwe Albus.
Damit sich die Bahnhofsmission auch in Zukunft bestmöglich um ihre Gäste kümmern kann, hofft Uwe Albus nun zeitnah einen weiteren Partner für die Pfandflaschen zu finden. „Ich freue mich über jede Idee, jeden Hinweis und helfende Hand.“
Interessierte Getränkehändler können sich bei der Bahnhofsmission unter Telefon 0451/82121 oder per E-Mail an luebeck@bahnhofsmission.de wenden.