„Ich könnte schwören, dass Petra mir schilderte, den Verkehrsunfall verursacht zu haben“, sagt Nehlsen auch heute noch. Er erzählt seine Schreckgeschichte in einem Sitzungssaal im Eutiner Polizeidienstgebäude. Tagelang sei er „durch den Wind gewesen“.
Der Weiße Ring Ostholstein hat sich um ihn nach den Erlebnissen Anfang Juni 2024 gekümmert. Nun stellt die Organisation den Fall in ihrer Opferbilanz des letzten Jahres vor. Dabei sind neben dem pensionierten Polizeidirektor Dabelstein auch die Ehrenamtlichen Elke Ahlering, die sich insbesondere um Präventionsarbeit kümmert, Hartmut Dahlmann, ebenfalls ein ehemaliger Polizist, sowie Carmen Horstmann und Susanne Haag. Auch wenn, wie im letzten Jahr, Gewaltdelikte meist im Fokus stehen, ist der KI-Betrug ein wachsendes Thema. Elke Ahlering berichtet von ähnlichen Erlebnissen. „Es werden gezielt alte vierstellige Festnetznummern angerufen“, sagt sie. Die Stimmen ihrer erwachsenen Kinder seien nahezu perfekt imitiert worden.
In der Folge geht es dann immer um Geld und Wertgegenstände. Die Ziele: Überweisung oder Übergabe an der Haustür. Beides würden echte Behörden nie fordern. Aber Stresssituationen knipsen bei potenziellen Opfern öfter den inneren Sicherheitsschalter aus.
Genau darauf setzen gut organisierte, kriminelle Banden. Genutzt wird KI auch für Sprachnachrichten, die über Messengerdienste an Familienmitglieder gehen.
Im Januar 2024 bekam eine Frau aus Bad Schwartau eine gefälschte Audionachricht von ihrer in Skandinavien lebenden Tochter. Eine vierstellige Summe wurde dringend erbeten. Die Mutter war geschockt − und zahlte. Erst danach fragte sie bei der Tochter nach − und ärgert sich bis heute.
Generell raten Verbraucherzentralen und der Weiße Ring in genannten oder ähnlichen Fällen, die Gespräche zu beenden − und die angeblichen Anrufer unter einer bekannten Nummer zurückzurufen. Helfen kann auch schon, persönliche Fragen zu stellen, die Betrüger nicht beantworten können. Und dann sollte man schnell die Polizei informieren.