„Der Concord Birth Trolley ermöglicht es uns, das Frühgeborene zu versorgen, ohne die Nabelschnur zu durchtrennen“, erklärt Dr. Kathrin Hanke, Neonatologin am UKSH in Lübeck. Denn die übliche rasche Abnabelung nach der Geburt führt zu Blutdruck- und Kreislaufschwankungen, die das Neugeborene zusätzlich belasten.
Dank der mobilen Erstversorgungseinheit, die direkt bei der Mutter platziert wird, können die Kinder zunächst an der Nabelschnur bleiben. Sie werden durch die Mutter weiterhin kontinuierlich mit Blut versorgt. Das ermöglicht ihnen laut Hanke eine „ganz sanfte Anpassung nach der Geburt“. Sie haben keinen zusätzlichen Stress durch die Abnabelung und können in Ruhe anfangen, zu atmen und ihren Kreislauf umzustellen, erläutert die Kinderärztin.
Bisher geschah das Abnabeln etwa eine Minute nach der Geburt. Für Frühgeborene ist diese Zeitspanne meist zu kurz, da die Lunge noch unreif und besonders empfindlich ist. Trotzdem mussten Frühchen bisher schnell abgenabelt werden, um unmittelbar umfassend medizinisch versorgt und stabilisiert werden zu können.
Durch den Concord Birth Trolley ist eine frühe Abnabelung nicht mehr notwendig. Das Neugeborene kann deutlich länger – bis zu zehn Minuten – an der Nabelschnur bleiben und in dieser Zeit bereits durch Spezialisten versorgt werden. Die Abnabelung erfolgt laut Hanke erst dann, wenn die Werte des Kindes stabil sind. Sobald sich der Kreislauf des Babys umgestellt hat, kollabiert die Nabelschnur laut Ärztin von alleine.
Der Birth Trolley verfügt neben einer Wärmeversorgung von oben und unten über ein umfassendes Monitoring wie EKG und Sauerstoffsättigung sowie alle notwendigen Geräte, um die Atemwege freihalten und bei Bedarf auch beatmen zu können.
Ein weiterer Vorteil der mobilen Erstversorgungseinheit: Sie ermöglicht die Nähe zu den Eltern. Diese ist sowohl für Neugeborene als auch für Mutter und Vater emotional enorm wichtig. Der Concord Birth Trolley bietet auch Eltern von extrem Frühgeborenen die Möglichkeit für eine erste Kontaktaufnahme und Berührungen – bevor weitere notwendige Untersuchungen und möglicherweise der Weg in den Inkubator erfolgen müssen. „Es ist nicht zu unterschätzen, was es mit den Eltern macht, wenn ihnen das Kind sofort weggenommen wird“, betont Dr. Kathrin Hanke.
Das inklusive Zubehör rund 50.000 Euro teure UKSH-Gerät wurde zum Teil durch Spenden finanziert. Anfang dieser Woche kam es zum ersten Mal zum Einsatz. Zuvor wurde das gesamte Team vier Tage lang vom Hersteller Concord umfassend geschult. „Das hat uns noch mehr zusammengeschweißt“, sagt Hanke.
Studien belegen, dass der Einsatz des Birth Trolleys bei Frühchen die Sterblichkeitsrate senkt und das Risiko von Hirnblutungen verringert. Der Geburtstisch kann sowohl bei einer Spontangeburt als auch bei einem Kaiserschnitt eingesetzt werden. Entwickelt wurde er in den Niederlanden von Prof. Arjan te Pas und Prof. Stuart Hooper am medizinischen Zentrum der Universität Leiden. Die Bezeichnung Concord leitet sich ab aus con cord, was „mit Nabelschnur“ bedeutet.
Die erste deutsche Geburtsklinik, die den Concord Birth Trolley nutzte, war 2021 das Universitätsklinikum Dresden. „Diese neue Methode ist ein Meilenstein in der perinatalen Medizin“, sagt der damalige medizinische Vorstand Prof. Michael Albrecht. In Norddeutschland ist sie laut Hanke jedoch bisher nur in wenigen Kliniken verfügbar.