„Unser ,Winfried’ hat es wieder toll gemeistert. Er war wie gewohnt super zuverlässig. Allerdings braucht er jetzt eine Wellnesskur“, erzählt Tanja Tralau nach der Rückkehr von ihrer sechsten Rallye. Diesmal ging es durch den Südwesten des Kontinents. „Wir sind sehr viele coole Strecken gefahren“, sagt Lutz Peters. „Es war landschaftlich beeindruckend, aber auch fahrerisch herausfordernd.“
Vor allem mechanische Teile des Fahrzeugs wurden stark belastet. Nach dem Start in Bayern ging es durch Österreich. „Bergab vom Großglockner stand ich zu viel auf der Bremse. Und die wurde etwas zu heiß“, berichtet Rallye-Pilotin Tralau. „Es waren am Ende über 30 Berge“, erzählt Navigator Peters. „Für ein so kleines Auto ist es enorm, das alles tapfer durchzustehen.“
Über den Plöckenpass ging es nach Italien. Anschließend hangelte sich das Team an der schweizerisch-italienischen Grenze entlang. Zum Beispiel musste der Gaviapass überquert werden. „Die Südrampe war wirklich eng. Man kommt nicht aneinander vorbei. Das war ein bisschen kribbelig“, so Peters. Da es bei der Rallye nicht um die schnellste Zeit ging, mussten ganz viele unterschiedliche Aufgaben unterwegs gelöst und Punkte eingesammelt werden.
Eine Challenge war es, ein seltenes Auto zu finden, das man nicht an jedem Straßenrand sieht und das einen dann abschleppt. Tralau und Peters trafen einen Italiener mit einem alten Citroën DS. „Es war ein wunderschönes, dunkelblaues Modell mit einer Polsterung aus schwarzem Leder. Der Typ war wirklich cool drauf“, erzählt Peters. Die Tour ging für Winfried dann weiter nach Frankreich über den höchsten Anstieg.
Das Rallyeteam aus Gnissau fuhr in 2800 Meter Höhe über den Cime de la Bonette, eine Panoramastraße in den südfranzösischen Alpen. „Da habe ich mal nicht so gelitten wie auf den staubigen Schotterstraßen anderer Berge“, sagt die Ostholsteinerin. Es folgte ein Abstecher an die Küste nach Monaco. Und Richtung Pyrenäen erklommen sie in der südfranzösischen Provence auch den Mont Ventoux, für Radfahrer als Teil der Tour de France ein ikonischer Berg.
Mit „Winfried“ erlebten Tanja Tralau und Lutz Peters auf ihrer Fahrt Beeindruckendes. Sie sahen zum Beispiel Flamingos in der Schwemmlandebene der Camargue. Über Andorra erreichten sie in Spanien dann das Ebrodelta, das größte geschützte Feuchtgebiet Kataloniens. Dort wurde der Kurs Richtung Norden geändert. Es begann quasi der Heimweg. Doch dieser war noch weit.
Auf der Reise zur Atlantikküste entdeckten sie ein mittelalterliches Bergdorf. „Zorita liegt zwischen Saragossa und Pamplona. Wir sind mit quietschenden Reifen den steilen Weg hochgefahren“, berichtet Lutz Peters. „Dort war der Hund begraben, doch es war herrlich. Wir fanden eine Herberge am Dorfkrug und haben unter einer Platane am Dorfplatz gegessen.“
Anschließend ging es mit einer Aufgabe weiter. Im Baskenland ist Tauziehen Volkssport. Deshalb galt es, gemeinsam mit zwei anderen Teams gegen sechs lokale Gegner anzutreten. „Das war ein großer Spaß mit Abschleppseil“, erzählt Tralau. Wieder in Frankreich ging es vorbei an der Düne von Pilat, der höchsten europäischen Sanddüne vor Bordeaux. In Cognac gab es einen Cognac, ehe der Weg nach La Rochelle und in die Bretagne nach Saint-Malo führte. Tralau und Peters trafen unterwegs auf viele hilfsbereite Menschen, wenn es Aufgaben zu erledigen galt. „Wenn sie das bunt beklebte Auto sehen, schauen immer alle“, erzählt Tanja Tralau. Aber mit dem Roadbook in der Hand, in dem alles vermerkt war, konnten sie die Herausforderungen gut erklären. So schafften sie es, sowohl einen Gendarmen als auch ein Huhn hinter das Steuer zu setzen.
„Eines Morgens sahen wir eine Französin mit pinkfarbenem Bademantel, die ihre Hühner fütterte. Das war total süß, und im Auto war das Tier auch ganz artig“, sagt Tanja Tralau, die noch so viel mehr von ihrer Tour erzählen könnte.
Durch Frankreich, Belgien und Luxemburg ging es schließlich zum Ziel bei Bernkastel-Kues an der Mosel. Tralau und Peters hofften auf eine gute Platzierung, doch zu einer Medaille reichte es nicht. „Dann müssen wir uns neue Ziele setzen und halt noch eine Rallye fahren“, sagen Tanja Tralau und Lutz Peters.
Mit der Teilnahme an der European5000 erfüllte das Duo auch einen guten Zweck: Das Team Polo Power sammelte für die Seenotretter der DGzRS. Aufgerundet kamen 1500 Euro zusammen.