„Für uns Eltern ist der aktuelle Zustand nicht haltbar. Da geht auch viel Esskultur verloren. Wer mag denn auf Dauer sein Mittag auf einer Bierzeltgarnitur zu sich nehmen?“, fragt Maria Pristawik, Mutter und Dorfvorsteherin von Ratekau. Zudem werde noch mehr Platz im kommenden Schuljahr 2027/2028 benötigt, „da die neuen Grundschüler noch mehr Stunden bekommen sollen. Es muss also dringend mit der Erweiterung der Mensa der Grundschule Ratekau begonnen werden.“ Derzeit sind in der Offenen Ganztagsschule in Ratekau 147 Kinder angemeldet.
Die Gemeinde hat das Problem längst erkannt. „Es passen derzeit nur 32 Kinder bei der Mittagsverpflegung in die Räumlichkeiten. Die einen Kinder gehen dann essen und müssen zügig wieder raus, weil die anderen schon in ihrem Klassenraum warten. Das ist eine sehr unglückliche Situation. Wir möchten unseren Kindern ja einen schönen Rahmen geben, um das Mittagessen einzunehmen“, konstatiert der Ratekauer Bürgermeister Dennis Jaacks (parteilos).
Bereits 2024 hatte die Gemeinde deshalb beim Land Fördermittel für den Ausbau der Offenen Ganztagsschule in Ratekau beantragt. An der Grundschule soll es eine neue Mensa geben, kombiniert mit einem neuen Theaterraum und Mehrzweckraum.
Ähnliche Pläne gibt es für die Otfried-Preußler-Schule in Pansdorf und die Achim-Bröger-Schule in Sereetz. In Pansdorf soll die Mensa vergrößert werden. Hinzu kommen zwei Anbauten, ein Raum für Kinder mit besonderem Förderbedarf sowie ein Raum für das Personal der Offenen Ganztagsschule. Außerdem sollen die Außenanlagen und der Schulhof neu gestaltet werden. Sereetz soll eine größere Mensa erhalten, und die Schulküche soll erneuert werden. Auch dort sind zudem Außenanlagen und Schulhof Teil des Vorhabens.
„Es wurde zugesagt, dass die Förderbescheide im Oktober 2025 den Kommunen zugehen“, berichtet der Bürgermeister. Doch jetzt, ein Jahr später, seien sie noch immer nicht da. Deshalb können Ratekau und andere Kommunen nicht mit dem Ausbau ihrer Offenen Ganztagsschulen starten.
„Wir erkennen an, dass Schleswig-Holstein mehr macht als andere Bundesländer, das ist ein positives Signal“, räumt Jaacks ein. Nichtsdestotrotz sei die zeitliche Verzögerung ein großes Ärgernis – und eine Gefahr. „Denn die Bauprojekte müssen bis zum Stichtag am 31. Dezember 2029 fertig sein, sonst sind sie nicht mehr förderfähig“, erklärt er.
Das würde bedeuten, dass es kein Geld gibt. Angesichts der Tatsache, dass das Land rund 2,4 Millionen Euro von den Gesamtkosten von 3,8 Millionen Euro an allen drei Schulen übernehmen soll, wäre das eine Katastrophe. Der Zeitdruck wird also immer größer. Jaacks: „Und bisher gewährt das Land keine Verlängerung des Bewilligungszeitraumes.“
Durch die Bauverzögerung bleibt die Raumsituation an der Grundschule Ratekau also erst mal, wie sie ist. Der Bürgermeister war deshalb bereits an der Schule, um sich ein Bild zu machen und Lösungen zu erarbeiten, wie der Engpass vorübergehend entschärft werden kann. „Wir haben einige Ideen entwickelt. Zum einen wollen wir das Bestuhlungskonzept ändern, um mehr Kinder in dem Raum unterbringen zu können“, erklärt Jaacks.
Bisher seien dort runde Tische aufgestellt, die viel Platz einnehmen. „Wir wollen dort Tafeln aufstellen. So können wir statt 32 ungefähr 50 Kinder in dem Raum unterbringen.“ Wegen des dann höheren Lärmpegels werde die Bauverwaltung prüfen, ob man durch Abhängungen an der Decke und den Wänden den Schall reduzieren könne. Jaacks: „So können wir die Kinder und die Menschen, die dort arbeiten, vor Lärm schützen.“ Zudem prüfe man, ob weitere Räume als Ausweichmöglichkeit genutzt werden könnten.
Wenn endlich gebaut werden kann, stehen selbst die zu kleinen Räume nicht mehr zur Verfügung. „Für die Bauphase prüfen wir verschiedene Lösungsansätze. Das könnten Container sein oder eine Nutzung von angrenzender Gastronomie.“
Immerhin macht die Landesregierung den Kommunen Hoffnung, dass die Förderbescheide bald eintreffen. 370 Förderanträge im Land sind derzeit noch offen.
Bildungsministerin Dorit Stenke erklärte auf LN-Anfrage die Verzögerung und gibt eine Perspektive: „Das Land steht zu der Zusage, dass wir 85 Prozent der Investitionskosten für den Ganztag übernehmen. Allerdings nur für Investitionen für den Ganztag. Bei einigen Anträgen scheint es, dass auch Investitionen, die keine Ganztagsinvestitionen sind, beantragt worden sind. Angesichts der Summen, über die wir reden, müssen wir hier Nachfragen stellen. Das kostet Zeit. Ziel ist es, noch in diesem Jahr 2026 alle bewilligungsfähigen Anträge zu bescheiden.“