Nun muss der Pavillon weichen
Stadt reißt Gebäude am Mühlentorplatz ab – Auch an der Brücke starten jetzt Arbeiten.

Das Ende des Pavillons: Mit einem Bagger reißen Arbeiter das Gebäude am Lübecker Mühlentorplatz ab.Foto: Holger Kröger
Lübeck. Seit den 1950er-Jahren steht er am Mühlentorteller und ist für viele Lübecker ein altvertrauter Anblick: Doch nun muss der Pavillon weichen. Seit einigen Tagen arbeitet ein Abrissunternehmen im Inneren und entfernte Jalousien, Verkleidungen, Sanitäranlagen und andere Dinge. Am Montagmittag waren bereits die Fenster ausgebaut. Anschließend riss ein Bagger nach und nach das Äußere des Gebäudes ein.

Jahrzehntelang war dort ein Papiergeschäft beheimatet, später ein Antiquitätenladen. Öffentliche Toiletten waren ebenfalls in dem flachen Gebäude untergebracht. Seit 2024 steht es leer. Die Stadt lässt den Pavillon abreißen, weil sie Platz für die Sanierung der Mühlentorbrücke braucht. Die Brücke soll im kommenden Jahr ausgehängt und auf dem Mühlentorplatz aufbereitet werden. Dafür will die Stadt ein großes Zelt als Werkhalle errichten. Der Pavillon ist für die Arbeiten im Wege.

Die Initiative „Ja zum Mühlentorteller“ hatte versucht, den Abriss gerichtlich stoppen zu lassen. Sie will den Kreisverkehr erhalten und hatte befürchtet, dass der Pavillon-Abriss schon Fakten für eine Ampelkreuzung schaffen könnte. Dem folgte das Verwaltungsgericht nicht. Er sah den Pavillon nicht als Teil des laufenden Bürgerbegehrens an.

Auch der Bauausschuss sah keine Notwendigkeit, den Abriss noch per Beschluss zu stoppen. Die Unabhängigen hatten dort einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag eingebracht. Die übrigen Fraktionen signalisierten allerdings kein Entgegenkommen. „Das Gebäude ist abgängig“, sagte Dan Teschner (FDP). „Wir wollen nicht, dass etwas verzögert wird.“ Der Abriss habe nichts mit dem Mühlentorteller zu tun, sagte Bauausschussvorsitzender Ulrich Brock (CDU).

Doch den Unabhängigen geht es auch um den Erhalt von Bäumen am Mühlentorplatz. Michael Matthies bat die Bauverwaltung, die Planung für die Baustelle vorzulegen. Vorher dürften keine Bäume gefällt werden. „Es geht aktuell nur um den Pavillon. Wir haben derzeit nicht vor, Bäume zu fällen“, sagte Bausenatorin Joanna Hagen (parteilos).

Zu einem späteren Zeitpunkt wird das für den Transport der Brücke aber nötig sein, hatte die Stadtverwaltung schon vor Wochen klar gemacht. „Es sollen so wenige wie möglich, aber so viele wie nötig sein“, sagte ein Mitarbeiter der Stadtverwaltung im Bauausschuss. Aktuell werde an der detaillierten Planung gearbeitet. Sie solle bis Ende des Monats fertig sein und dann dem Bauausschuss vorgelegt werden.

Detlev Stolzenberg von der Initiative „Ja zum Mühlentorteller“ hat indes eine positive Bilanz des Disputes gezogen. Anlass für den Antrag auf Rechtsschutz sei die Abriss-Ankündigung der Stadt gewesen. Darin hatte es geheißen, dass der Abbruch wegen der Mühlentorbrücke erfolge, aber auch wegen der „Umgestaltung des Verkehrsknotenpunktes Mühlentorteller“.

Die Stadt habe eingeräumt, dass diese Formulierung missverständlich gewesen sei, heißt es von der Initiative. Die Verwaltung habe zugesichert, sich an die Sperrwirkung des Bürgerbegehrens zu halten. „Dieses Ergebnis unseres Antrages beim Verwaltungsgericht ist positiv und schafft Klarheit für alle Beteiligten“, sagte der Politiker der Unabhängigen.

Die Initiative fordert mehr Sachlichkeit in der Debatte. Sie wies eine Äußerung von Bürgermeister Jan Lindenau (SPD) zurück. Der Verwaltungschef hatte nach der Gerichtsentscheidung Detlev Stolzenberg vorgeworfen, dass er versuche, „mit gezinkten Karten Politik zu machen und die Öffentlichkeit zu verwirren“. Diese Behauptung sei nicht belegt und mit dem Sachlichkeitsgebot eines Bürgermeisters nicht vereinbar, teilte die Initiative mit. Allerdings hatte Detlev Stolzenberg zuvor selbst gegen den Bürgermeister ausgeteilt. Er hatte unter anderem gesagt, dass der Verwaltungschef sich offensichtlich durch das erfolgreiche Bürgerbegehren persönlich verletzt fühle.

Auch auf der gegenüberliegenden Seite der Mühlentorbrücke haben sich inzwischen Arbeiter positioniert. Sie werden Straßen- und Tiefbauarbeiten ausführen, sagte Nina Rehberg von der Pressestelle der Stadt – im Wesentlichen gehe es um den Rückbau der Asphaltschichten der Straße auf sowie vor und hinter der Brücke. Zusätzlich sollen erste Maßnahmen für die Freimachung des Baufeldes umgesetzt werden. Dafür wurden am Montag Büsche zurückgeschnitten.

Doch das sind nicht die einzigen Aufgaben. Baufirmen würden sich laut Nina Rehberg auch um die Sicherung der Natursteinbrüstungen und den Rückbau der zugehörigen Fundamente kümmern. „Auch weitere Arbeiten für die Sicherung des Leitungsbestandes werden vorgenommen.“ Insgesamt sollen die Aufgaben bis März oder April kommenden Jahres erledigt sein. und HVS
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