Wie bei einer Freundin im Kleiderschrank shoppen
Miriam Vlot eröffnet in Stockelsdorf einen Secondhand-Laden – Herzstück bei Mima sind die Regale zum Mieten – Für die Inhaberin geht damit ein Traum in Erfüllung.

Die Regale vor dem Schaufenster sollen Pop-up-Stores die Möglichkeit bieten, ihre Waren in einer festen Ladenfläche zu verkaufen.
Stockelsdorf. Es riecht nach frischem Holz, wenn man Stockelsdorfs neuen Secondhand-Laden betritt. Kein Wunder, denn in den Tagen vor der großen Eröffnung von Mima am 9. Oktober hatte Inhaberin Miriam Vlot 127 Holzregale aufgebaut. „Ich bin jetzt schneller als jeder Ikea-Mitarbeiter“, erzählt die 41-Jährige lachend.

Die Regale, in Reihe aufgestellt, sind das Besondere an Vlots Secondhand-Konzept. Bei Mima Second Hand in der Segeberger Straße 8 mieten Menschen ein Regal für zwei Wochen, vier Wochen oder drei Monate, bestücken es mit ihren Sachen, und der Laden übernimmt Verkauf und Kasse. Dazu gibt es ein Online-Konto, über das die Mieterinnen und Mieter ihre Verkäufe sehen können.

Zwei Wochen kosten 39 Euro, vier Wochen 75 Euro. Wer gleich für drei Monate ein Regal mieten möchte, zahlt 210 Euro. Die Preise der Artikel können die Vermieter selbst bestimmen, es gebe aber einen KI-Assistenten, der bei der Preisfindung helfen könne, erzählt Vlot, die fünf Mitarbeitende beschäftigt. Der Laden erhält an den Verkäufen 17 Prozent Provision.

Mima ist in vier Abteilungen aufgeteilt: Damen, Herren, Kinder und große Größen. „Bei den Damen und Herren bin ich komplett ausgebucht“, sagt Vlot. Während sie durch den Laden führt, räumen einige Frauen ihre Regale mit Kleidung, Schuhen und Büchern ein.

Auch ein paar Kinderregale warten schon mit Spielzeugen, kleinen Jacken, Kleidern oder Hosen auf neue Besitzer. Bei den Kindern sowie bei den großen Größen gebe es noch einzelne, freie Regale. Vor den 17 Meter langen Schaufenstern stehen weitere Regale, die für Pop-up-Stores vorgesehen sind. „Sie haben ja keine feste Ladenfläche, sondern oft nur das Internet.“

Große Größen sind bei Vlot bewusst als eigener Bereich vorgesehen. Dieser Kundengruppe fehle es oft an Auswahl und Möglichkeit, Kleidung – und dann auch noch Secondhand – direkt anzuprobieren. „Ich wollte das ganze Portfolio aufnehmen und biete jedem eine Fläche, gut und günstig zu shoppen.“

Die Mieter können selbst entscheiden, was sie anbieten: Kleidung, Accessoires, Spielzeug, Deko, Bücher oder Elektronik. Vlots Anspruch ist aber gut erhaltene Ware – „und nicht das zwölfteilige Porzellan-Service von Tante Erna“, sagt die 41-Jährige mit einem Augenzwinkern. Das Besondere: Käuferinnen und Käufer können die Ware auch digital durchsuchen, denn die Mieter legen ihre Ware ebenfalls in einem Online-Portal an. Ein paar Tage vor der Eröffnung waren bereits 4000 Artikel im Portal hinterlegt.

Auf 250 Quadratmetern hat sich Vlot ihren Traum erfüllt. Die Idee entstand, als sie nach der Geburt ihrer mittlerweile dreijährigen Tochter vergeblich nach einer unkomplizierten Alternative zu überlaufenen Nummernflohmärkten suchte.

Der Laden versteht sich als familienfreundlicher Ort: mit einer liebevoll dekorierten Spielecke, einem Wickelplatz, einer Sitzecke und zwei Umkleidekabinen. Für eine Erfrischung oder einen Wachmacher können sich Kunden einen Kaffee oder ein Kaltgetränk kaufen. Vlot, die in Teilzeit bei der Stadt arbeitet, hatte ursprünglich über einen Indoor-Spielplatz oder ein Elterncafé nachgedacht. Die Idee scheiterte jedoch an einem geeigneten Standort.

Das Konzept eines Treffpunkts verfolgt Vlot bei Mima aber weiter: „Ich möchte, dass es so wird, als wenn ich bei einer Freundin im Kleiderschrank shoppen gehe. Also wirklich entspannt mit Smalltalk, ohne Stress. So, dass man sich wohlfühlt.“ Schnacken, Stöbern, Schätze anderer für wenig Geld finden – so stellt sich Vlot einen Besuch bei Mima vor. Für die Zukunft kann sie sich auch DIY-Veranstaltungen vorstellen, zum Beispiel gemeinsames Taschenhäkeln.

Mit Mima schließt Vlot in Stockelsdorf eine Lücke. Ähnliche Mietregal-Konzepte gibt es bislang in Neustadt mit Flohby (Rosengarten 50) und in Lübeck mit dem Secondhand-Marktplatz Deernskram & Zwergenkram. Flohkids an der Kronsforder Allee konzentriert sich dagegen auf Kinderartikel. had

Druckansicht