Hintergrund ist die Entwicklung von Bad Schwartau. Die Stadt wächst: Im Ortsteil Rensefeld sind mittel- und langfristig weitere Wohn- und Gewerbegebiete vorgesehen. Dazu gehören die Bereiche der Bebauungspläne 35A, 84 und 86. Das Wohnquartier Bollbrüchpark (B-Plan 86) etwa soll mit 570 Wohneinheiten eines Tages rund 1200 Menschen ein Zuhause bieten.
Damit wird Bad Schwartau allerdings auch um einige Autofahrer reicher. Die Frage, die die Machbarkeitsstudie beantworten sollte: Kann eine neue Straße den heutigen und zu erwarteten Verkehr zwischen Rensefeld, der Autobahn A1 und Lübeck aus dem innerörtlichen Straßennetz verlagern und so die Stadt entlasten?
Die Untersuchung stützt sich auf Verkehrserhebungen aus dem Jahr 2025, anonymisierte Fahrtwegdaten sowie eine Verkehrsprognose für das Jahr 2040. Demnach könnten einzelne Knotenpunkte des vorhandenen Straßennetzes ohne Veränderungen an ihre Leistungsgrenzen geraten, wenn die geplanten Wohn- und Gewerbegebiete entwickelt sind.
Besonders betroffen ist laut dieser Studie der Knotenpunkt Rantzauallee (L185) und Mühlenstraße. Schon heute schiebt sich dichter Verkehr zu bestimmten Uhrzeiten über die Kreuzung. Autofahrer stehen dort regelmäßig morgens und am Nachmittag im Stau.
Die Experten haben daher drei Trassen untersucht: eine Ost-Variante über Langenfelde und am Tennispark Clever Au vorbei zur Straße Auf der Wasch, eine West-Variante westlich des Gewerbegebiets Langenfelde zur Rudolf-Diesel-Straße sowie eine Variante über den Cleverhof. Alle Varianten münden fix in den Cleverhofer Weg.
Die Führung über den Cleverhof schlossen die Gutachter allerdings früh aus, da es sich um einen verkehrsberuhigten Wohnweg handelt. Die verbliebenen beiden Varianten hätten nach Einschätzung der Gutachter ein nahezu gleich großes Entlastungspotenzial. In der Gesamtabwägung empfehlen sie dennoch die West-Variante. Die Empfehlung bedeutet jedoch noch keinen Beschluss zum Bau einer Straße.
Aufgabe des Umweltausschusses war es nun, die Vorlage der Verwaltung fachlich vorzuberaten und der Stadtverordnetenversammlung eine Empfehlung für das weitere Vorgehen zu geben.
Für Bauchschmerzen sorgte unter den Mitgliedern des Ausschusses der Fakt, dass alle vorgestellten Varianten durch das Landschaftsschutzgebiet Clever Au-Tal und Rocksholz führen. Thomas Podella (Wir in Bad Schwartau) äußerte erhebliche Bedenken. „Die Clever Au ist aus meiner Sicht das wichtigste und sensibelste Naturschutzgebiet im Stadtgebiet. Die in der Studie angedachte Querung mit einem Rohrdurchlass halte ich für abenteuerlich.“
Bei der Au handele es sich um ein gesetzlich geschütztes Biotop; ein solches Vorhaben sei nach der Kreisverordnung verboten. Podella plädierte deshalb dafür, zu prüfen, ob eine solche Entlastungsstraße grundsätzlich überhaupt genehmigungsfähig ist.
Auch Rudolf Meisterjahn vom Umweltbeirat forderte eine detaillierte Umweltverträglichkeitsprüfung. Zudem warnte er davor, dass eine neue Straße zusätzlichen Verkehr anziehen könne. Als Beispiel nannte er das Neubaugebiet in Ahrensbök mit 200 geplanten Wohneinheiten: Wer von dort zur Autobahn wolle, könnte künftig möglicherweise die neue Verbindung nutzen.
Sorge bereitete mehreren Rednern auch eine mögliche Mehrbelastung des Cleverhofer Wegs. Dort liegt die Grundschule Cleverbrück. Die 16-jährige Mia vom Kinder- und Jugendparlament forderte, bei der Planung die Sicherheit von Kindern und Jugendlichen stärker in den Blick zu nehmen. Gerade rund um die Grundschule Cleverbrück müssten Schulwege für Fußgänger und Radfahrer sicher bleiben.
CDU-Politiker Cedric Pietsch erklärte: „Wir können nicht einen Stadtteil entlasten – also Rensefeld – und gleichzeitig einen anderen Stadtteil belasten – also Cleverbrück.“
Hansjörg Thelen (SPD) plädierte dafür, alle Möglichkeiten und Alternativen zu prüfen. Es müsse geklärt werden, ob eine neue Straße tatsächlich erforderlich sei und ob eine Verlagerung des Verkehrs die richtige Lösung darstelle.
Am Ende verständigten sich die Ausschussmitglieder auf einen Änderungsantrag der CDU. Neben Verkehr, Fuß- und Radwegen, Flächenverfügbarkeit, Entwässerung sowie Kosten und Finanzierung sollen auch archäologische Belange, tiefergehend der Umweltschutz, Boden- und Wasserrecht sowie die grundsätzliche Genehmigungsfähigkeit der Trasse untersucht werden.
Zugleich sollen auch alternative Streckenführungen in die Prüfung einbezogen werden. Über diese Empfehlung entscheidet nun die Stadtverordnetenversammlung. Anschließend soll der Ausschuss das Thema erneut beraten.