„Fühlt sich nach Freiheit an“
Ahrensböker Max Dettmann ist drei Monate nach seinem Genickbruch endlich sein Metallgestell am Kopf los.

Das sperrige Metallgestell am Kopf ist Max Dettmann endlich los. Die Halskrause soll ihn die kommenden sechs Wochen schützen.Foto: Lutz Roeßler
Ahrensbök. 95 Tage lang bestimmte ein Gestell den Alltag von Max Dettmann. Seit dem Horrorunfall auf Mallorca am 16. Juni, bei dem sich der 19-Jährige beim Sprung in einen zu flachen Pool zwei Halswirbel gebrochen hatte, hielt der sogenannte Halo-Fixateur seinen Kopf starr in Position. Vor Kurzem war es endlich so weit: Das Gestell kam ab. „Das fühlt sich schon ein bisschen nach Freiheit an. Ich freue mich einfach, dass das Ding endlich ab ist“, sagt Dettmann.

Eigentlich hätte das Gestell schon ein paar Tage zuvor abkommen sollen. Nach einer CT-Untersuchung verschob sich der Termin im UKSH aber noch einmal. Dann kam aber der Moment der Erlösung. „Ich war schon wirklich sehr angespannt, weil ich gar nicht wusste, was auf mich zukommt“, sagt Dettmann. Zunächst wurde das Gestell gelöst, anschließend wurden die vier am Schädel verankerten Schrauben herausgedreht, danach der restliche Fixateur abgenommen. „Es hat gar nicht wehgetan und war am Ende halb so schlimm.“ Übrig geblieben sind zwei kleine Löcher an den Schläfen.

Die ersten Schritte ohne das sperrige Metallgestell waren trotzdem ungewohnt. „Es fühlte sich ganz merkwürdig an. Erst war mir ein bisschen schummrig, aber das ging dann auch schnell wieder“, erzählt Dettmann. Ganz „frei“ ist Dettmann aber noch nicht. Die Halswirbel sind noch nicht vollständig zusammengewachsen. Mindestens sechs Wochen muss er deshalb eine Halskrause tragen. Die Ärzte seien mit dem Heilungsverlauf insgesamt zufrieden, Komplikationen gebe es keine. Doch der Körper brauche weiter Zeit.

Auch der Kopf muss sich erst an die neue Situation gewöhnen. „Es ist ein ganz komisches Gefühl. Ich kann meinen Kopf noch nicht voll bewegen und soll das auch gar nicht“, erzählt Dettmann. In dieser Woche soll die Physiotherapie beginnen. Die Krause soll ihn vor ruckartigen Bewegungen schützen. „Ohne Krause habe ich wirklich Angst, auch wenn ich weiß, dass eigentlich nichts passieren kann“, sagt er. Nach mehr als drei Monaten mit dem Fixateur merkt Dettmann schon jetzt: „Ich habe total Nackenverspannungen, weil ich jetzt auf einmal wieder den Kopf selbst halten muss.“

Gleichzeitig kehren kleine Freiheiten zurück. Endlich passt Dettmann wieder durch Türen, ohne mit dem Gestell, das etwa 15 Zentimeter über seinen Kopf ragte, irgendwo anzustoßen. „Endlich kann ich mir auch wieder ein T-Shirt über den Kopf ziehen“, sagt er, nachdem er monatelang nur übergroße Jacken tragen musste. Und auch duschen geht nach drei Monaten wieder. Die Krause nimmt er dafür ausnahmsweise ab: „Da bin ich dann schon ziemlich angespannt. Wenn ich mir die Haare wasche, passe ich schon sehr auf, nicht den Kopf zu bewegen.“

Doch die Erleichterung überwiegt. Die vergangenen Wochen mit dem Gestell waren für ihn zunehmend belastend. „Ich hatte richtig Schmerzen am Kopf und ein Ziehen“, sagt er. Besonders die letzten drei Wochen seien hart gewesen. Er habe das Haus kaum noch verlassen, außer für Arzttermine.

Jetzt holt er sich nach und nach ein Stück Alltag zurück. Die ersten Tage ohne Gestell verbrachte er mit Freunden und beim Fußball. Besonders die Teamkollegen vom MTV Ahrensbök haben ihm gefehlt.

„Die Jungs haben mich die ganze Zeit als den Max behandelt, den sie kennen, und nicht als etwas Besonderes. Das fand ich sehr schön“, sagt Dettmann. Der Abwehrspieler war trotz seiner schweren Verletzung Teil der Mannschaft geblieben – nur eben abseits des Platzes.

Auch beruflich soll es langsam vorangehen. Seine Ausbildung zum Automobilkaufmann kann Dettmann zwar noch nicht wieder aufnehmen, in die Berufsschule möchte er aber bald zurückkehren, sofern es sein Gesundheitszustand zulässt. Zu Dettmanns Leidenszeit gehört auch die ungewohnte Aufmerksamkeit. Direkt nach seinem Unfall fing er an, in den sozialen Medien von seinem Heilungsprozess zu berichten. Seine Videos wurden millionenfach angesehen. „Plötzlich war ich bekannt. Die Leute beim Einkaufen oder in der Stadt wussten von meiner Geschichte“, sagt Dettmann.

Die Reaktionen seien überwiegend positiv gewesen. „Die Leute haben gefühlt mehr darauf gewartet, dass das Gestell abkommt, als ich“, schmunzelt er. Aufhören will Dettmann mit den Videos deshalb nicht. Auch in den kommenden Wochen möchte er seinen Weg in den sozialen Medien dokumentieren. „Ich bin das Ding ja noch nicht ganz los. Ich möchte die Videos mindestens noch so lange machen, bis ich wieder Fußball spielen kann.“

Der Weg zurück ist noch nicht abgeschlossen, aber ein großer Schritt geschafft. Auf den Unfall vom 16. Juni blickt Dettmann deshalb auch nicht mehr zurück. „Ich weiß, dass das wirklich dumm war, und dass es hätte anders ausgehen können“, sagt er. Jetzt schaut er nur noch in die Zukunft.

Einen Termin hat er dabei auch schon fest eingeplant: Den 16. Juni will Dettmann künftig als seinen zweiten Geburtstag feiern. „Da gibt es dann eine dicke Party“, sagt er. Dos
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