Arbeitsplätze gerettet: Handwerksbetriebe nun vereint
Hanse Haushaltstechnik GmbH in Stockelsdorf übernimmt zwei Traditionsbetriebe.

Übernahme geglückt: Die Belegschaften sind vereint unter dem Dach der Hanse Haustechnik GmbH am Standort an der Albert-Einstein-Straße in Stockelsdorf. In der ersten Reihe Christian Höft (v.li.), Axel Langneff und Werner Greitschus. Foto: Sebastian Prey
Stockelsdorf/Bad Schwartau. Die Suche nach einem Nachfolger ist für viele Handwerksbetriebe zur Herkulesaufgabe geworden. Christian Höft weiß davon ein Lied zu singen. Der 62-jährige Unternehmer suchte jahrelang nach jemandem, der seinen Betrieb für Heizungs- und Sanitärtechnik in Bad Schwartau übernehmen könnte. Vergeblich. „Ich habe vier Jahre gesucht, aber es gab kein passendes Angebot“, berichtet Höft, der den Betrieb 1992 selbst gegründet hat.

Weder in der Familie noch unter seinen Mitarbeitern gab es einen Interessenten. Schlimmer noch: Die Angebote, die kamen, zielten weniger auf eine echte Betriebsübergabe ab. „Es gab schon einige Angebote insbesondere von größeren Firmen, aber den meisten ging es nur darum, die Mitarbeiter zu übernehmen“, sagt Höft. Der Betrieb selbst, seine Geschichte, sein Name – das spielte für diese Interessenten offenbar keine Rolle.

Ähnlich erging es Werner Greitschus aus Stockelsdorf. Auch der 61-Jährige musste zwei Jahre lang nach einem Nachfolger suchen, bevor es überhaupt eine Perspektive gab. Für beide Betriebe – etablierte Namen in der Region, mit jahrzehntelanger Tradition und einem Kundenstamm – kam dann die Wendung. Axel Langneff, der frühere Geschäftsführer der Gemeindewerke Stockelsdorf, gründete die Hanse Haustechnik GmbH gezielt, um solche Einzelunternehmen unter einem gemeinsamen Dach zu bewahren.

Die beiden Traditionsunternehmen werden gemeinsam fortgeführt – und das Beste daran: „Die Belegschaft-Teams und Firmennamen bleiben erhalten“, erklärt Langneff das Konzept. Es ist eine elegante Lösung, bei der alle gewinnen. Seit dem zweiten Halbjahr 2025 ist die Übernahme des Betriebs von Werner Greitschus bereits Realität. Die Christian Höft GmbH wird derzeit vorbereitet und soll ab Oktober am Standort Stockelsdorf – im Gewerbegebiet am Funkturm – mit den anderen Mitarbeitern zusammengeführt werden.

Die Vorteile: Die Kunden behalten ihre vertrauten Monteure und die Mitarbeiter haben ihre Arbeitsplätze gesichert. Und die Firmen können nun zusammen größere Projekte bewältigen, die einzeln vielleicht zu ambitioniert gewesen wären. „Mit unseren zehn Monteuren und vier Auszubildenden können wir Projekte für unsere Kunden nun schneller und flexibler durchführen“, sagt Florian Stein, Betriebsleiter der Hanse Haustechnik GmbH.

Die schwierige Suche nach einem Nachfolger für Betriebe ist kein Einzelfall. Im Gegenteil: Das Phänomen des Nachfolgermangels ist längst zum flächendeckenden Problem im Handwerk geworden. Anja Schomakers, Pressesprecherin der Handwerkskammer Lübeck: „Das Thema Betriebsnachfolge hat für das Handwerk in Schleswig-Holstein eine sehr hohe Relevanz. 45 Prozent der Betriebsinhaberinnen und -inhaber sind derzeit 55 Jahre und älter. Für einen Großteil der Betriebe steht also das Thema der Nachfolgeplanung entweder unmittelbar bevor oder wird in den nächsten Jahren akut.“ Das sei nicht nur ein unternehmerisches Problem, es ist ein wirtschaftliches und gesellschaftliches. Wenn Handwerksbetriebe nicht weitergegeben werden können, verschwinden nicht nur etablierte Firmen. Kunden verlieren ihre bewährten Fachbetriebe vor Ort, Mitarbeiter müssen sich umorientieren, und spezialisiertes Wissen geht verloren.

„Die Suche nach einem geeigneten Nachfolger ist ein Prozess, der oft mehrere Jahre in Anspruch nimmt und sorgfältiger Planung bedarf“, rät die Handwerkskammer. „Wir empfehlen dringend, das Thema frühzeitig anzugehen und unsere Beratung in Anspruch zu nehmen.“

Auch die Unternehmensnachfolgebörse des Bundes unter www.nexxt-change.orghilft bei der Vermittlung.

Höft und Greitschus sind indes erleichtert. „Wir freuen uns, dass unsere Betriebe, die wir in den letzten dreißig Jahren aufgebaut und erfolgreich betrieben haben, nun eine gemeinsame Zukunft unter einem Dach haben werden“, sagen die beiden Gründer. Sie können guten Gewissens in den Ruhestand gehen, ohne sich schuldig zu fühlen, ihre Mitarbeiter und das Lebenswerk aufgegeben zu haben. und SEP
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