Auf einem Nierentisch in der Ecke stehen bunte Likörgläser, dahinter eine leere Flasche Beaujolais, Jahrgang 1939, mit der Aufschrift „nur für die Deutsche Wehrmacht“. Es ist ein weiteres Puzzleteil eines riesigen Sammelsuriums, das in den beengten Räumen des Heimatmuseums Ahrensbök im Bürgerhaus am Mösberg gezeigt wird.
Die Masse an dicht gedrängten Exponaten und die wenigen Personen, die dazwischen Platz gefunden haben, zeigen das mehrfache Dilemma, in dem der Förderverein im 30. Jahr seines Bestehens steckt. „Der letzte Stand eines Wunschmuseums ist es nicht“, fasst der stellvertretende Vorsitzende Dirk Matthews die Situation zusammen.
Denn im eigentlichen Museum ist nur ein Teil der Exponate zu sehen. Dort stehen gerade mal 140 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung. Vieles liegt in diversen Depots, vorwiegend große Geräte wie Waschautomaten oder eine Videorekorder-Sammlung. Im Bürgerhaus sei nur zu sehen, „was klein ist und hier ausgestellt werden kann“, sagt der Vorsitzende Rainer Wagner.
Was nicht in allen Fällen zutrifft. Denn im Museum steht ein riesiges, mehr als mannshohes Puppenhaus mit sechs Räumen und Dachgeschoss. Und ein ganzer Herren-Friseurladen samt Stuhl. Und mehrere große Modelle, unter anderem vom Ahrensböker Schloss. Das Modell vom Ahrensböker Bahnhof ist allerdings so groß, dass es in der benachbarten Gemeindebibliothek steht, sicher hinter Glas.
Das Museum selbst ist vollgestellt mit Vitrinen und Regalen. Alles ist eng, und die Fülle an Exponaten erschlägt den Besucher beinahe. „Wir haben auch noch 15.000 Negative der Ahrensböker Nachrichten“, beschreibt Schriftwart Jens-Uwe Jungclaussen das, was noch alles vorhanden ist. Die AN existierten von 1879 bis 1984.
Jungclaussen gehört zu dem Vorstand, der sich regelmäßig um das Museum kümmert. Es sind nur eine Handvoll engagierte Leute, die sich regelmäßig treffen. „Wir wünschen uns Nachwuchs und viele aktivere Mitglieder. Es sind 108 Mitglieder, aber es beteiligten sich nur zwölf“, klagt Matthews. Und Jungclaussen ergänzt: „Jüngere Leute dafür zu begeistern, geht nicht: keine Zeit, kein Interesse. Wir sitzen hier alleine, und es kommen keine Leute.“ Aber auch die Alten sind wichtig. Matthews weiter: „Langsam sterben uns die Leute aus, die noch wissen, wie die Leute auf den Fotos heißen.“
Es wäre viel zu tun im Museum. So träumen die aktiven Mitglieder davon, so manches digitalisieren zu lassen. Aber das sei kostspielig. Überhaupt fehlt es an vielem. So wäre es schön, sagen sie, einen großen Arbeitstisch zu haben, um Exponate bearbeiten zu können. Mit guten Lichtverhältnissen. So bleibt dem einen oder anderen nichts anderes übrig, als die Arbeit mit nach Hause zu nehmen.
Das Ahrensböker Heimatmuseum ist nur einmal die Woche geöffnet, von März bis November immer donnerstags von 16 bis 18 Uhr. Der Eintritt ist frei.Weitere Informationen unter www.heimatmuseum-
ahrensboek.de