Kunst am Bau: Rätsel um„Das Kraftpaket“ ist gelöst
Bad Schwartaus Stadtarchivar hat Informationen über Werke zusammengetragen – Förderverein kauft historische Bücher an.

Die Post in Bad Schwartau an der Ecke Rensefelder Straße/Eutiner Ring wurde unlängst abgebrochen. Das Kunstobjekt „Postgeheimnis“ ist geblieben.
Bad Schwartau. Über Jahrzehnte sind Millionenbeträge in „Kunst am Bau“ geflossen. Vieles davon blieb im Alltag unsichtbar, manches wurde übersehen, anderes geriet in Vergessenheit. Dabei war Kunst im öffentlichen Raum von Anfang an mehr als bloße Zierde: Sie sollte Städte und Gebäude aufwerten, zugleich aber auch als indirekte Kultursubvention wirken. Heute gehen viele Menschen achtlos daran vorbei. Umso wichtiger ist es, die Werke wieder stärker ins Bewusstsein zu rücken.

Genau das hat sich der Förderverein des Museums in Bad Schwartau vorgenommen. In Zusammenarbeit mit der Museums- und Kulturmanagerin Judith Ohrtmann wurde eine Gesamtaufstellung aller Kunstwerke im Stadtgebiet erarbeitet. 34 Objekte sind inzwischen erfasst, viele von ihnen bereits mit QR-Codes versehen, die Hintergrundinformationen liefern. Doch bei mehreren Werken fehlten bislang entscheidende Angaben. Diese Lücken konnte nun der Stadtarchivar Sven Reiß schließen.

Der 46-Jährige sichtete dafür alte Magistratsprotokolle, durchforstete Akten des Gemeinnützigen Bürgervereins und wertete historische Ausgaben der Lübecker Nachrichten aus. Dabei stieß er nicht nur auf vergessene Informationen zu Kunstwerken, sondern auch auf Details, die über Jahre oder sogar Jahrzehnte falsch überliefert worden waren.

Ein Beispiel ist das wuchtige Objekt vor der Willi-Bull-Halle. Zwei miteinander verschlungene Steinblöcke, vom Wetter gezeichnet und von Rissen durchzogen, wirken auf den ersten Blick wie ein massiver Betonklotz. Tatsächlich besteht das Werk aus Kalksandstein. Geschaffen wurde „Das Kraftpaket“ im Jahr 1983 von der aus Wien stammenden Bildhauerin Ingeborg Bukors, die seit 1972 in Lübeck tätig war. Auch der Name der Halle selbst sorgte bei der Recherche für eine Korrektur. In einer Schulchronik der Schule Rensefeld, entdeckt in den Kellerräumen der Elisabeth-Selbert-Gemeinschaftsschule, fand Sven Reiß den Hinweis, dass der frühere Schuldirektor Willy Bull seinen Vornamen stets mit Y schrieb – also Willy, nicht Willi. Nachrufe und Todesanzeigen bestätigen diese Schreibweise.

Aufschlussreich waren zudem die Erkenntnisse zu Werken im Rathaus und an der Ecke Eutiner Ring/Rensefelder Straße. Das dortige Triptychon, ein „Erinnerungsfenster“ zum Schicksal der Vertreibung aus den früheren deutschen Ostgebieten und zur neu entstandenen Verbundenheit, wurde vom Kunstmaler Otto Wulk entworfen. Die Hamburger Firma Gebrüder Kuball hat das „Erinnerungsfenster“ zum Neubau des Rathauses 1964 gefertigt. Auch das Objekt „Postgeheimnis“ erhielt durch die Recherchen ein genaueres historisches Profil. Es stammt von Franz Reckert und wurde 1979 geschaffen. Im Vorfeld, so berichtet Reiß, habe es erheblichen Ärger gegeben. „Das geht aus einigen Korrespondenzen hervor“, sagt der Stadtarchivar.

Der Förderverein will die gesammelten Erkenntnisse nicht in Archiven verschwinden lassen. „Nun werden wir eine entsprechende Broschüre auf den Weg bringen“, kündigt Dietrich Klindwort an. Zudem sind die öffentlich zugänglichen Kunstwerke samt Hintergrundinformationen bereits auf der Homepage des Vereins dokumentiert. Schließlich gehören „Die Lesende“ vor der Stadtbücherei, der „Pythagoraeder“, die Büste von Thomas Mann im und am Kurpark oder die Skulptur „Verknüpfungen“ am Europaplatz längst zum Gesicht der Stadt.

Unterdessen tätigte der Förderverein eine besondere Anschaffung mit ebenfalls historischem Hintergrund – so wurden 45 Handbücher aus einem Antiquariat in Leipzig angekauft. Bei den Büchern handelt es sich um Hof- und Staats-Handbücher des Großherzogtums Oldenburg von 1859 bis 1934. „Da sind ganz wichtige Informationen für unsere Stadt und Region dokumentiert. In den Büchern sind viele Zahlen und Fakten zu den Menschen, Wohn- und Lebensumständen oder Krankheiten festgehalten. So etwas muss dauerhaft aufbewahrt werden“, berichtet Reiß, der die Handbücher selbst bei einer Recherche im Internet gefunden hat. Der Förderverein hat dann den Ankauf für 1200 Euro übernommen. sep



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