Herrenlose Einkaufswagen:
Wer ist dafür eigentlich zuständig?
Supermarktketten sehen keinen großen Handlungsbedarf – Erste Kommunen nehmen Unternehmen in die Pflicht.

Ein vertrautes Bild im Lübecker Hudekamp: Unzählige Einkaufswagen wurden dort einfach stehengelassen.
Lübeck. Sie stehen an Straßenecken, in Parks, auf Garagenhöfen: Herrenlose Einkaufswagen sind längst ein fester Bestandteil des Stadtbildes in Lübeck. Die Stadtverwaltung verweist auf die Zuständigkeit der Supermärkte. Doch die sehen kein großes Problem – und appellieren stattdessen an die Gutmütigkeit der Kunden.

Autos stehen in der Tiefgarage der Hudekamp-Hochhäuser schon lange keine mehr. Dafür aber umso mehr Einkaufswagen. Es mögen an die hundert Stück sein. Eine gute Seele hat sie nach ihrer Herkunft geordnet. Viele von ihnen stammen vom benachbarten Rewe-Markt, andere vom etwas weiter entfernten Citti-Park. In den vergangenen Tagen seien es noch viel mehr gewesen, berichten Anwohner.

Auf der oberirdischen Parkfläche reihen sich noch einmal rund vierzig Rewe-Trolleys aneinander. „Einkaufswagen sollten grundsätzlich nicht dauerhaft im öffentlichen Raum abgestellt werden. Sie bleiben Eigentum des jeweiligen Marktes und sind nach Gebrauch dorthin zurückzubringen“, erklärt Christiane Bohnsack, Sachgebietsleiterin Öffentlichkeitsarbeit der Entsorgungsbetriebe Lübeck (EBL).

Als „illegale Müllentsorgung“ aber wollen die Entsorgungsbetriebe herrenlose Wagen nicht einstufen. „Vielmehr handelt es sich in der Regel um eine zurückgelassene bewegliche Sache, deren Beseitigung grundsätzlich dem Eigentümer obliegt“, erklärt Bohnsack. Gingen entsprechende Meldungen bei den EBL ein, würden diese an die Supermärkte weitergeleitet.

Klappt das in Lübeck gut? Die Lübecker Nachrichten fragen beim Rewe-Markt, von dem die Einkaufswagen im Hudekamp offenbar stammen, nach. Eine Antwort gibt es aber nur unter der Hand. Ein Mitarbeiter verrät: Stehen irgendwo zwei oder drei Einkaufswagen herum, würden diese meistens gar nicht mehr abgeholt. Dafür sei der Personalaufwand zu groß. Größere Mengen würden allerdings auch nur „ab und zu“ abgeholt. Seinen Namen möchte der Mitarbeiter nicht nennen.

Eine Nachfrage bei der Rewe-Group ergibt: „Der Verlust von Einkaufswagen spielt bei uns keine nennenswerte Rolle“, sagt Thomas Bonrath, Pressesprecher des Konzerns. Würden Bürger irgendwo „wilde“ Trolleys entdecken, sollten sie in den Märkten Bescheid geben. Mitarbeitende der Märkte würden die Wagen dann wieder abholen. Dieses Vorgehen habe sich über die Jahre bewährt.

Mittlerweile haben viele Supermärkte ihre Einkaufswagen „von der Kette“ gelassen – die Trolleys sind nicht mehr über die 1-Euro-Pfandkette miteinander verbunden. Befördert das nicht das Entwenden der Einkaufswagen? Eine Anfrage der Lübecker Nachrichten an die Aldi-Konzernzentrale in Essen bleibt weitestgehend unbeantwortet. „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zu einzelnen Standorten nicht äußern“, teilt das Presseteam mit.

Auch die für die Lübecker Aldi-Märkte zuständige Regionaldirektion von Aldi Nord in Bargteheide möchte zu dem Thema nicht viel sagen. Standortgenaue Statistiken führe man dort nicht, heißt es. „In unseren rund 2200 Filialen im gesamten Aldi-Nord-Gebiet verzeichnen wir in den letzten Jahren vereinzelt immer wieder Verluste bei unseren Einkaufswagen, allerdings nicht im großen Umfang.“ Unter der E-Mail-Adresse kundendialog@aldi-nord.de können Bürger herrenlose Einkaufswagen melden. Nach entsprechenden Hinweisen würden herrenlose Trolleys „selbstverständlich umgehend“ abgeholt werden.

Mittlerweile nehmen erste Kommunen in Deutschland die Supermarktbetreiber in die Pflicht. Im nordrhein-westfälischen Marl stellt die Gemeinde den Konzernen die Kosten für das Einsammeln der Trolleys in Rechnung. Bürger werden aufgefordert, dem Ordnungsamt herrenlose Einkaufswagen zu melden. und OP

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