Welche erfolgreichen oder unbekannten Autorinnen und Autoren aus der Region stammen, was die Arbeit als Buchhändlerin und Schriftstellerin ausmacht und wie der Buchmarkt funktioniert – solche und mehr Fragen beantwortet das Trio mit seinem YouTube-Videoformat.
Inzwischen sind sieben Folgen online – mit vielen verschiedenen Themen und Gästen, die Hagenström und Johannson an besonderen Orten trafen. Mit Bestsellerautorin Eva Almstädt etwa spazierten sie durch Lübeck. Ein Buchbotschafter, der per Lastenrad von der Leipziger zur Frankfurter Buchmesse radelte, besuchte das Trio in Ratekau. Auch eine Schlagzeugschule und die Grenz-Dokumentationsstätte Lübeck-Schlutup wurden zum Drehort.
Die Idee zum
Literaturmagazin
Kennengelernt haben sich Hagenström und Johannson auf einer Lesung der Bestsellerautorin vor rund zehn Jahren. Daraufhin ist Johannson einmal im Monat in die Buchhandlung gekommen, um zu schreiben, später auch, um mit anzupacken. Beide Frauen sind gelernte Buchhändlerinnen, eine Gemeinsamkeit, die sie schließlich auf die Idee des Literaturmagazins brachte. „Wir fanden: Es kann doch nicht angehen, dass so viele Sendungen über Bücher gestrichen werden“, sagt Johannson. Tatsächlich haben NDR, BR, SWR und ZDF in den vergangenen Jahren gleich mehrere Literatursendungen eingestellt.
Johannson holte Mona Luers ins Boot. Die beiden lernten sich in der Corona-Pandemie kennen, als Lesungen gestreamt werden mussten. Luers hat eine Videoproduktionsfirma, filmte und schnitt die Live-Streams. Die studierte Literatur- und Medienwissenschaftlerin gibt dem Literaturmagazin Struktur. „Ich erstelle ein Gerüst, damit wir nach Plan drehen können und am Ende auch eine Sendung rauskommt“, erklärt Luers. Manchmal gehöre auch dazu, wild fuchtelnd hinter der Kamera Hagenström und Johannson zu verstehen zu geben, dass die beiden sich gerade verquatschen, erzählt sie lachend.
So manche Folge erreichte bisher Klicks im vierstelligen Bereich. Ein Wunsch ist es, noch mehr Interessierte zu begeistern. Social Media ist deshalb Pflicht. Luers postet fleißig auf dem Instagram-Kanal des Literaturmagazins. Einen Vorgeschmack auf das Potenzial gab eine Folge, in der eine isländische Autorin vorgestellt wurde. „Auf einmal wurden wir in isländischen Foren geteilt, die Views schnellten hoch, das war irre“, sagt Luers.
Eine Frage treibt das Trio um: Wie erreicht man auch ein jüngeres Publikum? BookTok, das Buchuniversum auf TikTok, hat in den vergangenen Jahren eine ganz neue Generation von Leserinnen und Lesern hervorgebracht. Ob sich das vielleicht irgendwie mit dem Literaturmagazin verbinden lässt – darüber denken Hagenström, Johannson und Luers bereits nach.
Autoren und ihre
Bücher aus der Region
„Stockelsdorf ist ein literarisch fruchtbares Pflaster“, sagt Hagenström. Nicht nur das Literaturmagazin ist ein besonderer Ausdruck dessen, sondern auch die Autorinnen aus der Region. Aus Stockelsdorf stammt etwa Anette L. Dressler. Ihr Roman „Brockestraße Bel Etage“ spielt in einem Lübeck des Jahres 1947 – eine Stadt im Wiederaufbau, bevölkert von Frauen mit unterschiedlichen Schicksalen.
„Es gibt derzeit nicht so viel in dieser Art, es ist sehr intensiv“, findet Hagenström. Auch Pauline Hatscher, deren Debütroman „Über vier Leben“ vor einem Monat herausgekommen ist, liegt Hagenström besonders am Herzen. Nicht zuletzt, weil sie die junge Autorin schon als kleines Mädchen kannte. „Sie ist 20, das ist ihr Erstling, erschienen bei Eichborn – völlig irre“, sagt Hagenström. Der Roman zeichnet verschiedene Frauenschicksale über die vergangenen 100 Jahre nach.
Die Wahl-Lübeckerin Lisa Quentin, die bereits in der zweiten Folge des Magazins zu Gast war, hat mit „Die Bernsteinfischerin“ einen Roman geschrieben, der in Niendorf an der Ostsee spielt und die Geschichte von Bernsteinfischern und der Bernsteinverarbeitung in den Mittelpunkt stellt. „Das habe ich noch nie gehört – das war für mich wirklich neu“, sagt Hagenström.
Das Motiv, unbekannte Geschichten sichtbar zu machen, treibt auch die Ratekauerin Lena Johannson in ihrer eigenen Arbeit an. Ihr Roman „Aufgeben können die anderen“ handelt von der Französin Alice Milliat, die entgegen vieler Widrigkeiten die ersten olympischen Frauenspiele ins Leben gerufen hat. „Ich schreibe gerne über Menschen, die in der Geschichte sonst untergehen würden.“
Eine Motivation, die genauso auch hinter dem Literaturmagazin des Trios steckt: mehr Öffentlichkeit für unbekannte Autoren, Geschichten und Hintergründe.