Der neue Schiedsmann
tritt in große Fußstapfen
20 Jahre lang hat Helmut Tollning in Stockelsdorf Streitparteien zusammengebracht – Nun übernimmt Jörg-Peter Sobirey.

Staffelübergabe im Rathaus: Bürgermeisterin Julia Samtleben (v.li.), der bisherige Schiedsmann Helmut Tollning, sein Nachfolger Jörg-Peter Sobirey und Fachbereichsleiter Bürgerdienste Stefan Köhler bei der symbolischen Weiterreichung des Dienstsiegels.Fotos: Claas Ochs
Stockelsdorf. Wenn die Hecke des Nachbarn plötzlich ein paar Zentimeter zu weit auf das eigene Grundstück ragt oder ein Grenzstein versetzt worden sein soll, kann aus einem kleinen Ärgernis schnell ein handfester Streit werden. Bevor sich die Beteiligten vor Gericht wiederfinden, gibt es eine andere Möglichkeit: die Schlichtung durch einen Schiedsmann. Der 75-jährige Helmut Tollning hat als Schiedsmann im Schiedsbezirk Stockelsdorf in den vergangenen 20 Jahren viele solcher Fälle erlebt. Nun übergibt er das Amt an den 63-jährigen Jörg-Peter Sobirey.

„Man sollte mit seinen Nachbarn gut umgehen“, sagt Tollning. Dazu gehöre auch, sich selbst einmal zurückzunehmen. Tollning erinnert sich unter anderem an einen Fall, bei dem eine Person die andere angespuckt hatte. Im Gespräch zeigten beide Seiten Einsicht. „Beiden Parteien war klar, dass das unwürdig ist“, erinnert er sich.

Solche Gespräche sind der Kern der Arbeit eines Schiedsmanns. Es geht nicht darum, einen Sieger zu bestimmen, sondern eine gemeinsame Lösung zu finden. Insgesamt 84 Schlichtungsfälle hat Tollning während seiner Amtszeit bearbeitet – durchschnittlich etwa vier pro Jahr. Rund zwei Drittel konnten nach seinen Angaben erfolgreich geschlichtet werden. „Meistens geht es um Nachbarschaftsstreitigkeiten, Grenzsteine, Grundstücksgrenzen oder Zivilrecht“, sagt er.

Konkret ging es etwa um Bäume, die über die Jahre zu groß wurden, oder um Hecken, die Schatten auf das Nachbargrundstück warfen. Auch neu gebaute Zäune und Grenzüberbauungen beschäftigten Tollning. „Manchmal werden auf einem neuen Grundstück Bäume gepflanzt. Nach einigen Jahren sind das riesige Bäume“, erzählt er. Dann gehe es häufig darum, sie zurückzuschneiden.

Nicht jeder Konflikt ließ sich lösen. Besonders schwierig war ein Streitfall zwischen zwei Landwirten, bei dem sich die Fronten über Generationen verhärtet hatten. Eine Verständigung im Schlichtungsverfahren war nicht mehr möglich.

Auch sein Nachfolger Jörg-Peter Sobirey sieht seine Aufgabe vor allem im Vermitteln. „Eine Schiedsperson ist ein Mediator“, sagt Sobirey. Für ihn geht es darum, dass die Beteiligten einander zuhören und einen gemeinsamen Nenner finden.

Aber wann ist eine Schiedsperson gefragt? Wer einen Streit schlichten lassen möchte, kann sich an die Gemeinde wenden. Dort gibt es das entsprechende Antragsformular. In Schleswig-Holstein ist grundsätzlich für jede Gemeinde eine Schiedsperson vorgesehen. Anschließend werden beide Seiten zum Schlichtungstermin eingeladen. Kommt es zu einer Einigung, ist diese verbindlich und kann auch gerichtlich durchgesetzt werden.

Tollning war seit 2006 Schiedsmann in Stockelsdorf. Nun übergab er Siegel und Stempel an seinen Nachfolger. Von jetzt auf gleich ins kalte Wasser geworfen wird Sobirey aber nicht, wie er selbst sagt. Drei laufende Vorgänge gibt Tollning an ihn ab. Nach Absprache mit den Beteiligten möchte Tollning diese aber noch als Privatperson begleiten. Auch künftig will er telefonisch beratend zur Seite stehen.

Gut für Sobirey: Er kann sich direkt mit den ersten Fällen beschäftigen und praktische Erfahrungen sammeln. Der neue Schiedsmann wurde übrigens aus knapp zehn Bewerbern ausgewählt. Bürgermeisterin Julia Samtleben sagte, es habe viele gute Bewerbungen gegeben, die Entscheidung für Sobirey sei am Ende aber eindeutig gewesen. Er übernimmt das Amt zunächst für fünf Jahre.

Zum Abschied würdigten Bürgermeisterin Julia Samtleben und Fachbereichsleiter Bürgerdienste Stefan Köhler noch einmal Tollnings langjähriges Engagement. Köhler dankte ihm für seine Verlässlichkeit, auch Samtleben hob seine zuverlässige Arbeit hervor. cho
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