An der Plöner Straße liegen sich zwei Geisterhäuser gegenüber: die ehemalige Schuhwarenfabrik Graage und die auf der anderen Straßenseite liegende ehemalige Maschinenfabrik Schwartz. Beides einst blühende Betriebe.
▶ Von Schuhen
▶ und Maschinen
Johann Wilhelm Graage (1874-1917) gründete die Schuhwarenfabrik. Der Schriftzug auf der Fassade ist zwar verblichen, aber noch einigermaßen lesbar.
Kenner der Ahrensböker Heimatgeschichte sprechen von einem etwas hochtrabenden Namen, es habe sich schlicht um einen Schuhmacher gehandelt. Der 1881 geborene Sohn Johann Joachim Adolf übernahm den Betrieb, verkaufte das Gebäude aber später an Otto Hermann Schwartz.
▶ Schlosserei-Besitzer
▶ meldete Patente an
Der Betrieb gegenüber war eine Schlosserei. Und zwar eine sehr erfolgreiche. Beide Immobilien fielen nach dem Tod von Schwartz an eine Erbengemeinschaft, angeblich aus Sohn und Tante des ehemaligen Chefs. Der hatte für mehrere Erfindungen Patente angemeldet, die immer wieder verlängert wurden und mit denen unter anderem die große amerikanische Landmaschinenfirma John Deere bis heute arbeitet.So heißt es auf einer amerikanischen Webseite: „In addition, the single main drive gear of the Schwartz Patent (No. 3,070,939) is closer to the 110 Patent than the Jones Patent’s single sprocket input.“ Übersetzt: Darüber hinaus ist das einzelne Hauptantriebsrad des Schwartz-Patents (Nr. 3.070.939) dem Patent 110 ähnlicher als der einzelne Kettenradantrieb des Jones-Patents.
▶ Villa an der Ziegelei
▶ war einst Pastorat
Ein paar Hundert Meter weiter, hinter der Einfahrt zum ehemaligen Globus-Gelände – heute Nelson Park – ist ein Grundstück völlig von Bäumen und Sträuchern überwuchert. Darin liegt die einstige Villa Kaetelhöhns verborgen. Sie hat eine bewegte Geschichte.
Bis 1922/23 stand dort das Pastorat, danach die Villa des Besitzers der daneben liegenden Ziegelei, die dann in den Besitz der damaligen Spar- und Leihkasse überging. 1933 schrieben die Lübecker Nachrichten: „Die Ahrensböker Amtsleih- und Sparkasse kaufte in der Luchtschen Konkursmasse die hiesige Dampfziegelei sowie sämtliche zur Konkursmasse gehörigen Hausgrundstücke und die in Holstendorf gelegene Koppel.“
Später übernahm ein Herr Kaetelhöhns, Sohn eines Lübecker Ziegeleimeisters, die Ziegelei. Sein Sohn August Kaetelhöhns führte die Geschäfte weiter, später dann der Enkel Herbert. Das Ende des Baubooms und der Preisdruck großer Konzerne führten 2003 schließlich zur Insolvenz. Seitdem verfallen Ziegelei und Villa. Ältere Ahrensböker erinnern sich noch, dass sich neben dem Wohngebäude eine Käserei befand, die später zu einem Schwimmbecken umgebaut wurde.
▶ Vom Viehhändler
▶ zum Busunternehmer
Nur ein paar Hundert Meter weiter, an der Pferdemarktstraße, steht ein weiteres Ahrensböker Geisterhaus. Es gehörte einst einem Viehhändler Tamm, dann einem Busunternehmer Burmester. Ein weiterer Eigentümer verkaufte es vor einigen Jahren weiter.
„Seit bestimmt zwölf Jahren passiert da gar nichts mehr“, haben Ahrensböker Einwohnerinnen und Einwohner festgestellt. Irgendwann sei das Gebäude eingezäunt worden, das sei alles, was dort an Veränderung zu beobachten gewesen sei. Noch heute zeugt ein hölzerner Pferdekopf an der zur Straße fallenden Hausseite von dem ehemaligen Besitzer.
▶ Das sagt der
▶ Bürgermeister
Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos) sieht die verlassenen Häuser entlang der viel befahrenen Bundesstraße im Ort ambivalent. Er sieht in den Häusern zum einen Bauten, die auf die „weitgehende Historie Ahrensböks“ hinwiesen. „Ahrensbök hat vor 100, 200 Jahren als Stadt eine gewisse Wirkung gehabt“, sagt Zimmermann. „Es ist immer gut, wenn man sich an die Historie der Heimat und der Kommune, in der man lebt, erinnert und jede Gelegenheit dazu nutzt.“
Auf der anderen Seite sagt der Bürgermeister: „Kein Leerstand ist gut. Das ist ein negatives Phänomen in unserer Gesellschaft mit vielen Facetten.“ Im Idealfall würden zahlungskräftige Grundeigentümer die Gebäude „auf Vordermann bringen und eine gewisse Grundhistorie beibehalten“. Doch entsprechende Anfragen lägen der Gemeinde nicht vor. Zimmermann gibt aber auch zu, dass eine umfangreiche Sanierung der verlassenen Häuser ähnlich aufwendig wäre wie ein Abriss und Neubau. Die Gemeinde Ahrensbök unterhalte zu den Eigentümern keinen laufenden Kontakt.