Investor Thomas Bauer plant Mehrfamilienhäuser, Reihen- und Doppelhäuser, Einfamilienhäuser, eine Kindertagesstätte, einen Nahversorger sowie einen Co-Working-Space. Das Investitionsvolumen wird auf rund 250 Millionen Euro geschätzt.
Diplom-Jurist ist einer
der schärfsten Kritiker
Einer der schärfsten Kritiker ist Martin Ernst. Der 54-jährige Di-plom-Jurist, der seit sechs Jahren mit seiner Frau und der zwölfjährigen Tochter in Bad Schwartau lebt, hat im Rahmen der öffentlichen Auslegung des Bebauungsplans Nr. 86 eine zwölfseitige Einwendung gegen das Vorhaben eingereicht.
„Was hier geplant ist, ist einfach unausgegoren“, sagt Ernst. Seine Kritik richtet sich vor allem gegen die aus seiner Sicht viel zu unzureichende Verkehrsplanung. Besonders der Verkehrsknoten Alt Rensefeld/Mühlenstraße/Lindenstraße sei bereits heute regelmäßig zu bestimmten Uhrzeiten überlastet. „Wenn dann hier ein Rettungswagen im Einsatz unterwegs ist, gibt es kein Durchkommen. Es gibt keine mögliche Umfahrung“, erklärt er.
Lange Bauzeit alsDarüber hinaus bemängelt Ernst aus seiner Sicht unzureichend berücksichtigte Klima- und Umweltbelange. Auch die geplante Bauzeit von rund zehn Jahren bereitet ihm Sorgen. Er befürchtet eine dauerhafte Belastung der Anwohner durch Schwerlastverkehr, Lärm, Staub und Erschütterungen.
„Es geht mir nicht um ein ‚Dagegen‘, sondern um einen Dialog mit der Stadt, um vor allem ein Verkehrs- und Umweltdesaster abzuwenden. Dies auch gerade aktuell unter den zunehmenden Hitzewellen und der geplanten Versiegelung der zu bebauenden Flächen“, betont Ernst. Sein Ziel sei es, das Projekt in seiner jetzigen Form zu verhindern beziehungsweise grundlegend zu verändern.
grundstücke für
Einfamilienhäuser beliebt
Das Neubaugebiet soll sich in drei Bereiche gliedern. Im vorderen Abschnitt an der Pohnsdorfer Straße sind Mehrfamilienhäuser, eine Kita, ein Nahversorger und ein Co-Working-Space vorgesehen. Dahinter sollen Reihen- und Doppelhäuser entstehen. Im hinteren Bereich in Richtung Pohnsdorf sind rund 60 Baugrundstücke für Einfamilienhäuser geplant.
Die Nachfrage nach diesen Grundstücken ist enorm. Schon kurz nach dem Beginn der Vermarktung durch die Sparkasse zu Lübeck sind sämtliche Grundstücke bereits reserviert. Für jedes Grundstück gibt es zudem zahlreiche Interessenten auf einer Warteliste.
Im Rathaus sieht man den Einwendungen gelassen entgegen. Bauamtsleiter Akbar Nassery verweist darauf, dass die Zahl der eingegangenen Stellungnahmen überschaubar sei. Er zeigt sich zuversichtlich, dass der Bollbrüch-Park wie geplant umgesetzt werden kann.
„Umfangreiche
Fachgutachten“
„Für das Bebauungsplanverfahren wurden umfangreiche Fachgutachten erstellt“, betont Nassery. „Hierzu gehören unter anderem eine Verkehrsuntersuchung, mehrere lärmtechnische Untersuchungen, ein Umweltbericht einschließlich Umweltprüfung, eine artenschutzrechtliche Prüfung, ein Entwässerungskonzept sowie weitere Fachgutachten zu Boden, Einzelhandel und Infrastruktur. Diese Unterlagen waren Bestandteil der öffentlichen Auslegung. Die Auswirkungen dieses Projekts seien von unabhängigen Fachbüros untersucht worden. „Die Ergebnisse dieser Gutachten bilden die Grundlage der planerischen Abwägung. Auch die Belange der bestehenden Wohnbevölkerung sind Bestandteil der Planung.“
Wohnbebauung ist seit
Jahrzehnten vorgesehen
Andreas Marks (CDU), Vorsitzender des Bauausschusses, ist von der Transparenz in dem laufenden Verfahren überzeugt. Zudem sehe der Flächennutzungsplan auf dem Areal bereits seit mehr als 20 Jahren eine Wohnbebauung vor.
„Die öffentliche Auslegung der äußerst umfangreichen Planunterlagen war sogar aufgrund der Ferien zwei Wochen länger als üblich. Alle eingegangenen Stellungnahmen werden vom Planungsbüro und unserer Verwaltung bearbeitet, abgewogen, beantwortet und zur nächsten Beratung und weiteren Beschlussfassung den städtischen Gremien vorgelegt“, sagt Andreas Marks.
Für Martin Ernst dagegen ist das letzte Wort noch lange nicht gesprochen. Sollte der Bebauungsplan beschlossen werden, erwägt er eine sogenannte Normenkontrollklage vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig. Dabei will er nach eigenen Angaben auch nicht allein vorgehen. „Es gibt viele Menschen, die hier wohnen und meine Bedenken teilen. Gemeinsam werden wir eine Bürgerinitiative gründen. Ich bin auch dafür, dass dringend benötigter Wohnraum entsteht. Das Projekt ist aber schlichtweg eine Nummer zu groß.“