Besonders betroffen ist Schleswig-Holstein. Der Lübecker Bundestagswahlkreis 11 und der Wahlkreis 9 Ostholstein und Stormarn-Nord sind deutlich zu klein. Sie sollen durch Gebiete aus benachbarten Wahlkreisen vergrößert werden.
Der Lübecker CDU-Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Hermann Junghans spricht sich gegen eine geplante teilweise Verschmelzung des Lübecker Wahlkreises mit Gebieten in Richtung Herzogtum Lauenburg und Stormarn-Süd (Wahlkreis 10) aus. Stattdessen wirbt er für einen neuen Wahlkreis, der Lübeck, Stockelsdorf und Bad Schwartau umfassen soll.
Unterstützung bekommt er vom Lauenburgischen CDUKreisvorsitzenden Rasmus Vöge: „Ein Wahlkreis von Travemünde bis an den Schaalsee steht der gesetzlichen Forderung entgegen, Kreisgrenzen einzuhalten. Der Bundeswahlleiter hätte zum Beispiel Bad Schwartau, Stockelsdorf und die Orte an der Lübecker Bucht zusammenfassen sollen.“
Klares Bekenntnis
zu Ostholstein
In den Rathäusern von Bad Schwartau und Stockelsdorf stößt dieser Vorschlag allerdings auf wenig Zustimmung. Dort wird eine Zugehörigkeit zum bisherigen Wahlkreis Ostholstein bevorzugt. Bad Schwartaus Bürgermeisterin Katrin Engeln (Grüne) betont zwar die enge Verbindung zur Nachbarstadt, sieht Bad Schwartau aber fest in Ostholstein verwurzelt. „Ich arbeite sehr gerne mit der Hansestadt Lübeck zusammen und bin auch gerne dort. Dennoch bin ich überzeugte Ostholsteinerin. Bad Schwartau ist eine eigenständige Stadt mit einer starken Identität und gehört für mich ganz selbstverständlich zu Ostholstein.“
Zwar seien die Grenzen zwischen Lübeck, Stockelsdorf und Bad Schwartau im Alltag kaum wahrnehmbar, räumt die Bürgermeisterin ein. Dennoch ändere das nichts daran, dass sich viele Bürgerinnen und Bürger stark mit Ostholstein identifizierten. Welche konkreten Veränderungen für den Wahlkreis 9 letztlich vorgesehen seien, wisse sie derzeit noch nicht. Ihre Haltung sei jedoch eindeutig: „Ich halte es für richtig, dass Bad Schwartau auch künftig dem Wahlkreis Ostholstein zugeordnet bleibt.“
Landeswahlleiter machte
anderen Vorschlag
Eine ähnliche Position vertritt Stockelsdorfs amtierender Bürgermeister Torsten Petersson (CDU), der derzeit die urlaubende Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD) vertritt. Er verweist darauf, dass der Landeswahlleiter bereits einen anderen Lösungsvorschlag vorgelegt habe. Demnach soll der Wahlkreis 9 um die Stadt Bad Oldesloe und das Amt Bad Oldesloe-Land erweitert werden, um die Größenverhältnisse an das neue Wahlrecht anzupassen.
„Es wäre kontraproduktiv, aus dem Wahlkreis 9 Stockelsdorf und Bad Schwartau herauszuschneiden“, sagt Petersson. Nach seinen Angaben habe sich auch der Bundeswahlleiter diesem Vorschlag angeschlossen. Die endgültige Entscheidung liege jedoch beim Bundestag.
Für Torsten Petersson sprechen auch inhaltliche Gründe gegen einen gemeinsamen Wahlkreis mit Lübeck. „Stockelsdorf mit seinen zehn Dorfschaften ist eher dem ländlichen Raum zuzuordnen, wie der gesamte Wahlkreis 9, mit all seinen Bedürfnissen und Problemen, die der ländliche Raum mit sich bringt. Lübeck hat die Probleme und Bedürfnisse einer Großstadt.“
Abgeordnete für
Erweiterung in Stormarn
Gerade deshalb sieht er die Interessen der Gemeinde im bisherigen Wahlkreis besser aufgehoben. „Ganz persönlich sehe ich Stockelsdorf besser vertreten, wenn die Bundestagsabgeordneten aus unserem Wahlkreis hauptsächlich die Bedürfnisse des ländlichen Raumes vertreten und nicht zusätzlich noch die einer Großstadt.“ Zudem sei die Gemeinde mit der bisherigen Vertretung zufrieden: „Wir fühlen uns in Stockelsdorf aktuell und in den letzten Jahren von unseren Bundestagsabgeordneten sehr gut vertreten.“
Die Bundestagsabgeordneten, das sind Bettina Hagedorn (SPD) und Sebastian Schmidt (CDU). Sie teilen die Meinung der Politiker aus Bad Schwartau und Stockelsdorf. Hagedorn ist seit 2002 im Bundestag. Sie pflege sowieso seit 24 Jahren Kontakte in Stormarn: „Eine Erweiterung des Wahlkreises 9 in diese Richtung wäre daher sinnvoll.“ Den Gegenentwurf halte sie „weder für logisch noch für respektvoll gegenüber den Menschen hier“. Er gehe über ihre Köpfe hinweg.
Schmidt, seit 2025 Mitglied des Bundestags, findet die Erweiterung in Richtung Bad Oldesloe allein vom Namen des Wahlkreises her schon „folgerichtig“. Zum Vertrauen und der Glaubwürdigkeit der Politik gehöre es, so wenig Veränderungen wie möglich vorzunehmen. Er sehe der Neuordnung „optimistisch und hoffnungsfroh“ entgegen.