Doch kein Kinderhospiz
Die Planung wurde gestoppt – Der Bedarf ist zu gering.

Stephan Perner ist Vorsitzender des Vereins „Kinder auf Schmetterlingsflügeln“.Foto: Sebastian Rosenkötter
Pansdorf. Der Entwurf des Gebäudes mit 15 Zimmern lag schon in der Schublade. Die Gründung eines Fördervereins stand kurz bevor. Ziel war es, einen Ort zu schaffen, an dem sich schwer kranke Kinder mit Gleichaltrigen austauschen können. Doch daraus wird nichts.

Stephan Perner ist Vorsitzender des Pansdorfer Vereins „Kinder auf Schmetterlingsflügeln“. Jahrelang hat er für den Bau eines Kinderhospizes geworben. Vergebens. Hauptgrund für den Planungsstopp ist die Erkenntnis, dass es schlichtweg nicht ausreichend Kinder gebe, die einen Hospizplatz benötigen würden.

So viele Betten

müssen belegt sein

Laut Perner müssten nach den Vorgaben des Bundesrahmenvertrags für stationäre Kinderhospize mindestens acht Betten vorgehalten werden. Für eine wirtschaftliche und nachhaltige Finanzierung wäre demnach eine dauerhafte Belegung von mindestens sechs Betten nötig. Eine solche Auslastung sei angesichts der Zahl betroffener Kinder in Schleswig-Holstein und besonders im Kreis Ostholstein langfristig nicht zu erwarten.

Hinzu komme der bestehende Fachkräftemangel. Schon jetzt sei es schwierig, ausreichend qualifiziertes Personal für die Versorgung zu gewinnen. Ein zusätzliches spezialisiertes stationäres Angebot würde diese Situation weiter verschärfen.

All dies habe sich bei einem intensiven Fachaustausch Mitte März in Kiel herausgestellt. An der Runde beteiligten sich Vertreterinnen und Vertreter des Kreises Ostholstein, des Sozialministeriums Schleswig-Holstein, des Verbands der Ersatzkassen, der Landeskoordinierungsstelle Hospiz- und Palliativarbeit, des Vereins Kinder auf Schmetterlingsflügeln sowie des Hospiz- und Palliativverbands Schleswig-Holstein.

Nun soll ergebnisoffen untersucht werden, ob eine Stärkung der ambulanten Angebote machbar und langfristig tragfähig ist. Eine Arbeitsgruppe will prüfen, ob und wie die ambulanten Versorgungsstrukturen für Familien mit lebensbedrohlich oder lebensverkürzend erkrankten Kindern und Jugendlichen in Schleswig-Holstein und im Kreis Ostholstein ausgebaut werden können.

Die Alternative

zum Kinderhospiz

Nach Angaben von Stephan Perner bestand in Kiel Einigkeit darüber, dass die Versorgung betroffener Kinder und Jugendlicher sowie die Unterstützung ihrer Familien insgesamt gestärkt und im Alltag sichtbarer werden müsse. In einem nächsten Schritt will die Arbeitsgruppe dazu gezielt mit Fachkräften im Kreis Ostholstein sprechen. Gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus der Praxis soll bewertet werden, ob eine stärkere ambulante Versorgung unter den derzeitigen Bedingungen umsetzbar und zukunftsfähig ist.

Fest steht, dass es in Schleswig-Holstein im Gegensatz zu Hamburg bislang kein reines Kinderhospiz gibt und es so bald auch keins geben wird. Somit bleibt es bei den zwei Plätzen, die es aktuell im Hospiz im Wohld (Gettorf) gibt.

Ursprünglicher Plan war es, einen Ort zu schaffen, an dem Kinder unter sich sind und wo Eltern und andere Angehörige ebenfalls – wenn gewollt – übernachten können. Stephan Perner hat dies im November 2025 so begründet: „Wir merken in unseren Hospizgruppen, dass die unterschiedlichen Altersklassen gerne unter sich bleiben“, sagt Perner. Hinzu komme, dass die Wege zum nächsten Kinderhospiz für viele Betroffene mit mehreren Stunden Fahrt verbunden seien. Damals zeigte er sich zuversichtlich, das Kinderhospiz innerhalb von fünf bis sechs Jahren Realität werden zu lassen. ser
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