„Wir stehen dem Wachstum der erneuerbaren Energien grundsätzlich sehr offen gegenüber“, erklärt Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos). Seine Gemeinde sei siedlungsarm und deshalb geeignet für Wind- und auch Solarparks. „Aufgrund ihrer Flächengröße kann die Gemeinde das Potenzial von vielen fachlich geeigneten Arealen vorweisen“, sagt Zimmermann.
Um den Auswirkungen des Klimawandels entgegenzutreten, haben sich die Ahrensböker Kommunalpolitiker bereits im Jahr 2021 verpflichtet, mit geeigneten Maßnahmen und dem Ausweisen von Flächen im Gemeindegebiet kohlenstoffdioxidarme Energie zu produzieren.
Windenergie soll
ausgebaut werden
Nicht nur in der Gemeinde Ahrensbök wachsen die Windparks weiter. In der Gemeinde Ratekau ist mit dem Windpark Rohlsdorf ein weiteres Areal mit Windrädern entstanden. Etwas weiter nördlich zwischen Wulfsdorf und Sarkwitz in der Gemeinde Scharbeutz liegen schon die Rotoren für den Windrad-Bau bereit. In der Gemeinde Bosau, auf einem Gebiet zwischen Hassendorf und Seedorf, steht das Unternehmen Vattenfall in den Startlöchern für einen Park mit sieben Windrädern. Angedacht auf den Flächen ist eine Kombination aus Windkraft und Photovoltaik.
Bis 2040 will Schleswig-Holstein klimaneutral sein. Der Ausbau der Windkraft im Land, und damit auch im Kreis Ostholstein, soll deshalb deutlich vorangetrieben werden. Doch was heißt das alles konkret? Begriffe wie Vorranggebiete, Potenzialflächen, Repowering oder Regionalpläne tauchen immer wieder auf, sind aber für viele schwer greifbar. Dabei bestimmen genau sie, wo künftig Windräder gebaut werden dürfen.
Grundlage für den Ausbau ist der sogenannte Landesentwicklungsplan (LEP). Diesem hat der schleswig-holsteinische Landtag am 18. März zugestimmt. Dahinter steckt primär ein Ziel: Schleswig-Holstein muss nach Vorgaben des Bundes mehr Fläche als zuvor für Windenergie bereitstellen. Statt bisher rund zwei Prozent sollen künftig etwa drei Prozent der Landesfläche genutzt werden. Gleichzeitig soll die Windleistung bis 2030 von aktuell neun auf 15 Gigawatt steigen.
Der LEP legt dafür die Spielregeln fest. Aus dem LEP ergeben sich die sogenannten Potenzialflächen. Wie der Name schon sagt, handelt es sich hierbei um Flächen im Land, in denen die Errichtung von Windkraftanlagen grundsätzlich infrage kommt. In Schleswig-Holstein umfasst dies 7,2 Prozent der Landesfläche.
Sogenannte Regionalpläne übertragen die landesweiten Vorgaben auf einzelne Regionen. Ostholstein gehört dabei zum sogenannten Regionalplan III. Darin wird festgelegt, welche Vorranggebiete innerhalb der Potenzialflächen für den Windkraftausbau ausgewiesen werden können. „Dies sind sozusagen die am besten geeigneten Flächen, die Mensch und Umwelt am wenigsten belasten“, erklärt Innenstaatssekretär Sönke Schulz.
Viele Faktoren
legen Flächen fest
Wie diese Flächen ausgewählt werden, hängt von vielen Faktoren ab. Eine zentrale Rolle spielen Abstände: Mindestens 400 Meter zu einzelnen Wohnhäusern im Außenbereich, 800 bis 1000 Meter zu Ortschaften müssen eingehalten werden. Dazu kommen Aspekte wie Naturschutz, Landschaftsbild oder Infrastruktur. Eine pauschale Gewichtung gebe es dabei nicht, sagt Schulz: „Die Abwägungsentscheidungen sind von Fall zu Fall unterschiedlich.“
Die Regionalpläne mit Vorranggebieten wurden am 7. Juli noch einmal überarbeitet und gehen damit erneut in die sogenannte Öffentlichkeitsbeteiligung. Bürger können noch bis zum 26. August zu den Änderungen der Vorranggebiete Stellung nehmen. In einer ersten Öffentlichkeitsbeteiligung von August bis Oktober 2025 waren rund 3300 Stellungnahmen eingegangen. Es ist das Ziel der Landesregierung, dass die neuen Regionalpläne noch im Jahr 2026 festgesetzt werden. Nach der Überarbeitung sind landesweit aktuell rund 52.000 Hektar Vorranggebiete vorgesehen. Für zusätzliche Dynamik sorgt indes eine Übergangsregelung: die sogenannte Gemeindeöffnungsklausel. Sie erlaubt es Kommunen, vorübergehend selbst Flächen für Windenergie auszuweisen – also auch unabhängig von den künftigen Vorranggebieten. Meist wählen Gemeinden die vom Land zunächst ausgewählten Potenzialflächen aus. Voraussetzung ist allerdings ein reguläres Bauleitverfahren mit Umweltprüfung und Bürgerbeteiligung. Spätestens mit Inkrafttreten der Regionalpläne – oder Ende 2027 – läuft diese Möglichkeit aus.
Konflikte in
den Gemeinden
Wie konfliktträchtig das Thema ist, zeigt sich vor Ort. Einige Gemeinden haben die Klausel genutzt, um selbst Flächen auszuweisen. Dagegen hat sich unter anderem in Kasseedorf eine Bürgerinitiative gegründet, die einen Bürgerentscheid in Erwägung zieht, falls die Gemeinde ihr Vorhaben nicht zurückzieht. Auch die Schutzgemeinschaft Bungsberg setzt sich mit einem Bürgerbegehren gegen den Bau von Windkraftanlagen in der Gemeinde Schönwalde ein. Die Hanse Windkraft GmbH möchte neben Kasseedorf und Schönwalde auch in Malente einen Windpark errichten.
In Stockelsdorf regt sich ebenfalls Widerstand: Dort bereitet der Verein „Horizont“ eine Klage gegen genehmigte Anlagen vor und strebt einen Bürgerentscheid an.
Kritik kommt auch von Naturschützern. Der Naturschutzbund (Nabu) sieht trotz Verbesserungen weiterhin Defizite, insbesondere beim Schutz von Zugvögeln. Gerade in Ostholstein, etwa auf Fehmarn, könnten neue Anlagen aus ihrer Sicht erhebliche Auswirkungen auf sensible Arten haben.
Ostholstein
auf Platz vier
Der Kreis Ostholstein belegt mit seiner Windenergieleistung in Schleswig-Holstein Platz vier, hinter Nordfriesland, Dithmarschen und Schleswig-Flensburg. Laut Landesamt für Umwelt sind im Juli 2026 343 Anlagen mit einer Gesamtleistung von rund 941,4 Megawatt in Betrieb. Weitere 72 Anlagen befinden sich aktuell vor der Inbetriebnahme – mit einer Gesamtleistung von rund 410 Megawatt. Zudem verzeichnet das Landesamt sechs sogenannte Repowering-Projekte im Kreis – also Vorhaben, bei denen ältere Anlagen durch neue ersetzt oder technisch verändert werden.
Am Netz von Schleswig-Holstein Netz sind nach Angaben von Sprecherin Christine Hansen aktuell rund 830 Megawatt Leistung aus etwa 104 Windparks angeschlossen. Nach einer Statistik von SH Netz waren vor zehn Jahren 269 Megawatt, 2021 dann 314 und im vergangenen Jahr 750 Megawatt angeschlossen. „Das Interesse ist weiterhin groß“, erklärt Hansen mit Blick auf die steigenden Zahlen.