Sollte Deutschland weniger als 16 Bundesländer haben? Zu diesem Thema sprach Egtved beim Bundesfinale in Berlin mit drei weiteren Debattiererinnen. Die Zwölftklässlerin argumentierte für die Reduzierung. Sie ragte dabei durch hohe Sachkenntnis und Präzision heraus. Die Jury hob „ihre treibende Kraft für die Debattenstruktur und ihre geschickten Zuspitzungen“ hervor.
Eine Debatte ist
kein Wettstreit
Die Debatten bei „Jugend debattiert“ liefen nicht darauf hinaus, ein Gegenüber in einer Diskussion „zu besiegen“, sagt Egtved. Zwar nehme man im Gespräch direkt aufeinander Bezug. Doch gehe es vielmehr darum, etwas zu einer Debatte beizutragen, Argumente auf den Punkt zu bringen und Themen ausgewogen zu betrachten. „Das hat mir immer schon Spaß gemacht“, sagt die Schülerin.
Am liebsten sind Smilla Egtved politische Themen. Denn wer zu diesen eine Debatte führen wolle, müsse die Gegenstände von allen Seiten beleuchten. „Ich möchte verstehen, warum in der Politik diese oder jene Entscheidung getroffen wird, und nicht einfach nur gegen etwas sein. Es ist zu leicht zu sagen: ‚Die Politik macht sowieso alles falsch‘.“
Die Schülerin nimmt bereits seit der 8. Klasse an „Jugend debattiert“ teil. Und schon als Zehntklässlerin hatte sie den Landesentscheid für Schleswig-Holstein gewonnen.
Robert Habeck und
Gregor Gysi als Vorbild
Das überrascht, denn im Alltag gehe sie Diskussionen oder streitbaren Themen eher aus dem Weg. „Ich bin eigentlich ziemlich konfliktscheu“, gesteht Egtved. Auch bei Debatten trete sie nicht als „aggressive Rednerin“ auf. „Mir gefallen Redner, die Ruhe bewahren können. Ein Beispiel wäre da für mich Robert Habeck.“
Ein anderer Politiker stehe als Rhetoriker nicht nur bei ihr, sondern auch bei anderen Mitgliedern der „Jugend debattiert“-Gemeinschaft hoch im Kurs: Gregor Gysi. „Von seiner Parteizugehörigkeit kann man halten, was man will. Aber er ist einfach ein richtig guter Redner“, sagt Egtved.
Und was würde sie Menschen raten, die auch einmal gute Redner werden wollen? Egtved nennt einige Tipps zur besseren Diskussionsführung. Auf den ersten und wichtigsten Punkt weist sie mehrfach hin: „Gesprächsfähigkeit ist immer das wichtigste Kriterium.“ Das heißt konkret: „Es ist wichtig, dem Gegenüber richtig zuzuhören.“
Ihre zweite Empfehlung hängt mit diesem Grundsatz zusammen. „Man sollte bei seiner eigenen Meinung nicht so starr sein, sondern immer auch in der Lage sein, Eingeständnisse zu machen.“ Zuletzt sei es unerlässlich, seine Argumente zu belegen, damit sie diesen Namen auch wirklich verdienen. Die Bundessiegerin betont: „Es dürfen nicht nur Thesen sein.“
Als Bundessiegerin darf Egtved 2027 nicht noch einmal bei „Jugend debattiert“ teilnehmen. Sie wird aber in den Alumni-Verein des Wettbewerbs aufgenommen und könnte demnächst bei Regional- und Landesentscheiden als Jurorin tätig sein. Im Rückblick schwärmt sie von den Menschen, die sie durch ihre Reise in die Debattenkultur kennengelernt hat. So verbindet sie etwa mit Leonor Carvajal – der diesjährigen Drittplatzierten von der Stormarnschule in Ahrensburg – eine Freundschaft.
Im kommenden Sommer macht Smilla Egtved am Leibniz-Gymnasium in Bad Schwartau ihr Abitur. Derzeit lebt sie mit ihren Eltern und ihrer jüngeren Schwester in der Stadt, spielt in ihrer Freizeit unter anderem Geige, schwimmt und engagiert sich bei den Rettungsschwimmern. Was sie nach der Schule tun möchte, weiß Deutschlands beste Debattiererin schon ziemlich sicher: Jura studieren.