Schienentrasse durch Bad Schwartau:So komplex ist das Megaprojekt
Belttunnel-Anschluss durchschneidet die Stadt – Bahn plant Brücken, Straßen und Lärmschutz – Lange Sperrungen in Kaltenhof.

Alles barrierefrei: So soll die neue Fußgänger- und Radfahrerbrücke am Bahnhof Bad Schwartau aussehen.Visualisierung: DB
Bad Schwartau. Es sind lediglich 2,6 der 88 Kilometer langen Belttunnel-Schienentrasse, die zwischen Lübeck und Fehmarn geplant ist. Aber die Strecke durch Bad Schwartaus Stadtgebiet hat es in sich. Die Deutsche Bahn baut hier in den kommenden Jahren Brücken, Tröge, Dämme, Straßen und Lärmschutzwände. Die aktuell geschätzten Kosten belaufen sich auf 307 Millionen Euro.

Für mindestens 18 Monate fährt kein Zug durch Bad Schwartau. Schienenersatzverkehr und Baustellenverkehr treffen aufeinander. Mit vier Jahren Bauzeit plant das Verkehrsunternehmen. Dann folgt ein zwölfmonatiger Inbetriebnahmeprozess. Erst danach werden die Baustraßen und -flächen zurückgebaut.

Das erwartet Anwohner

während der Bauzeit

Baubeginn soll 2027 sein. „Arbeiten am Wochenende und in der Nacht können wir nicht ausschließen“, sagte die technische Projektleiterin der Schienenanbindung Jutta Heine-Seela bei der Bahn-Infoveranstaltung im Mai. Aber: Laut Planungsunterlagen sind lärmintensive Arbeiten in der Nacht ausgeschlossen. Dennoch ist laut Planung davon auszugehen, dass es tagsüber zu erheblichen Überschreitungen der Immissionsgrenzwerte kommen wird. Das liegt etwa an Rammarbeiten zur Gründung von Oberleitungsmasten, Lärmschutzwänden und Brückenfundamenten.

Gebaut werden soll nicht überall gleichzeitig. Das soll entlastend wirken. Aber: Baustellenverkehr durch Wohnstraßen im Stadtteil Kaltenhof ist nicht ausgeschlossen. Zur Anzahl der Lkw-Fahrten während der Bauzeit macht die Bahn keine Angaben. Die Bürgerinitiative Kaltenhof geht von mindestens 30.000 Lkw-Fahrten durch ihr Wohngebiet aus. Ein Rettungskonzept muss noch erarbeitet werden.

Wie die Bahn die

Menschen entlang der Schienen schützt

Bad Schwartau ist auf der neuen Eisenbahnstrecke zum Belttunnel der einzige Ort, der nicht umfahren wird. Entsprechend massiv fallen die Schutzmaßnahmen für die Menschen entlang der Trasse aus. Insgesamt 4,2 Kilometer Lärmschutzwände werden gebaut. Sie sind teils acht Meter hoch und eingehaust und mit horizontalem Deckel.

Schutz vor Erschütterungen bieten über 13 Meter breite Trogbauwerke auf einer Gesamtlänge von zwei Kilometern: Die Gleise liegen darin tiefer. Die tiefste Stelle mit 3,20 Metern befindet sich im Bereich der Kaltenhöfer Straße. Zusätzlich durch besohlte Schienenschwellen und optimierten Schotteroberbau – beides hat schwingungsdämpfende Eigenschaften – reduziert die Bahn das Ausmaß der Erschütterungen. Trotzdem geht die Bahn davon aus, dass entlang der Schienenstrecke Bewohner in 317 Häusern nicht ausreichend vor Erschütterungen geschützt sind.

Auch Tiere, Pflanzen, Boden, Wasser, Landschaft und die biologische Vielfalt werden durch den Trassenneubau belastet. Beispiel: Neun Hektar Biotop gehen dauerhaft verloren, weitere sechs Hektar werden während der Bauzeit in Anspruch genommen. Waldfläche, teils mit 200 Jahre alten Bäumen, hat daran mit 7,7 Hektar den größten Anteil. Die Bahn muss das kompensieren. Über 22 Hektar müssen neu aufgeforstet werden. Dies geschieht allerdings größtenteils ortsfern.

2,7 Hektar Boden werden durch den Trassenausbau zusätzlich versiegelt, rund 0,23 Hektar durch Rückbau alter Anlagen entsiegelt. Für das Grundwasser besteht laut Bahn durch den Bau der Schienentrasse keine Gefahr. Vereinzelte Verunreinigungen können aber nicht zur Gänze ausgeschlossen werden.

Zahlreiche Maßnahmen zum Tierschutz sind verpflichtend. Während der Bauzeit wird es unter anderem beidseitig der Trasse einen Amphibienzaun zum Schutz für Kammmolche und Moorfrösche geben. Für Fledermäuse müssen 13 Ersatzquartiere geschaffen werden. Die Lärmschutzwände haben Kleintierdurchlässe.

Das baut die Bahn entlang

der Schienentrasse

Alle Bahnübergänge werden zurückgebaut. Eine neue Querung an der Elisabethstraße wird es mangels Platz für den motorisierten Verkehr nicht geben. Für den Personen- und Radverkehr ist eine Unterführung geplant. Stadtseitig entsteht am Ende der Elisabethstraße ein 15 Meter breiter Wendehammer. Anvisierte Bauzeit an der Elisabethstraße: 18 Monate.

Vorher wird auf der anderen Seite der Gleise als Verbindung zwischen Elisabeth- und Nikolausstraße eine neue, rund 600 Meter lange Straße gebaut – inklusive kombiniertem Rad- und Fußweg. Die Gesamtbreite durch den Stadtwald beläuft sich auf neun Meter. Sie soll auch für den lokalen Bauverkehr genutzt werden.

Bahnhof wird

umgestaltet

Der Bahnhof wird umgestaltet und bekommt drei neue, 220 Meter lange Bahnsteige mit Wetterschutzhäuschen und Sitzbänken. Die Bauzeit beträgt laut Bahn etwas mehr als zehn Monate. Teil des Bahnhofumbaus ist auch eine überdachte, seitlich verglaste, 4,50 Meter breite Fußgängerbrücke aus Stahl. Sie führt über die drei Gleise und die Verladestraße. Das Bauwerk bekommt drei Aufzüge – unter anderem für den mittleren Bahnsteig – und Treppen. Die Bahn plant mit zwölf Monaten Bauzeit.

Bevor es aber losgeht, muss der vorhandene Bahnsteig-Tunnel zurückgebaut werden. Zu beiden Seiten der Trasse entstehen, angeschlossen an die Fußgängerbrücke, geschwungene, 3,50 Meter breite Rampen. Deren Bau beginnt etwas später als der Brückenbau und dauert etwas länger als 16 Monate.

Brückenbau an der

Kaltenhöfer Straße

Am bisherigen Bahnübergang Kaltenhöfer Straße/Geibelstraße wird eine fast 15 Meter breite Straßenbrücke mit beidseitigem Fuß- und Radweg gebaut. Nikolausstraße und Stettiner Straße sind für den motorisierten Verkehr nicht mehr angebunden – dafür reicht der Platz nicht aus. Geh- und Radverkehr bleiben angebunden und queren die Kaltenhöfer Straße per Unterführung.

Die komplette Infrastruktur soll in 16 Monaten erstellt sein und gehört zu den letzten Hauptbaumaßnahmen im Trassenabschnitt, sagt die Bahn. Während der Bauphase ist die Verbindung für den Verkehr gesperrt. Die Bahn plant, dass zum Start der Sperrung die neue Querung Sereetzer Straße – sie wird als Erstes auf dem Trassenabschnitt gebaut – als Ausweichstrecke fertig ist. Der Fuß- und Radverkehr bekommt während der Bauzeit eine Behelfsbrücke in Höhe der Breslauer Straße.

Nördlich davon, durch das Schwartau-Tal, benötigt die Bahn mehr Standsicherheit für die Schienentrasse. Es entsteht eine 400 Meter lange Stützkonstruktion (genannt Fangedamm) mit in den Boden gerammten Spundwänden. Der Fangedamm reicht dann bis an den Neubau der Eisenbahnbrücke über die Sereetzer Straße/Schwartauer Straße heran.

Die Bahn muss für die Querung sogenannten wasserundurchlässigen Stahlbeton verwenden, weil es durch das Bauwerk zum Einschnitt ins Grundwasser kommt. Die Straßenunterführung, abgesenkt um rund 3,70 Meter, wird östlich und westlich als Trog weitergeführt, bis das Grundwasser keine Probleme mehr bereitet. Gebaut wird dreigleisig. Zusätzlich zur Belttunnelstrecke braucht es den Abzweig nach Kiel.

Laut Bahn soll die Querung in 24 Monaten fertig sein. Während dieser Zeit wird die Straße voll gesperrt. Als Umleitung soll nördlich die Eutiner Straße (L181) im Ratekau-Abschnitt dienen, weshalb beide Querungen laut Planvorgabe möglichst nicht zeitgleich gebaut werden sollten. bue





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