Ein Lebensabend im Sonnenhaus
Rohkost-Pension soll Senioren-WG werden – Elke Neu wünscht sich aktive Mitbewohner.

Sonnenhaus-Betreiberin Elke Neu sucht Mitbewohner, mit denen sie ihr kleines Paradies in Obernwohlde teilen kann. Fotos: Hannah Detlefsen
Obernwohlde. Auf dem Tisch im Wintergarten servieren Elke Neu und Regina Duvenbeck eine bunte Vielfalt: Spitzkohl mit Meerrettich, Rote Bete und Kohlrabi-Carpaccio. Dazu gibt es roten Reis und gedämpfte Bohnen. So essen die beiden Frauen am liebsten: frisch und überwiegend roh.

Fast drei Jahrzehnte lang war das Sonnenhaus in der Stockelsdorfer Dorfschaft Obernwohlde eine feste Adresse für Menschen, die Heilung in der Ernährungsumstellung auf Rohkost suchten. Doch nun steht das Lebenswerk von Elke Neu vor einer großen Veränderung: Die 85-jährige Betreiberin, die ihre Rohkost-Pension 1995 in einem ehemaligen Schweinestall auf dem Hof ihres Mannes eröffnete, geht in den Ruhestand. Allerdings auf ihre ganz eigene Weise. Da sich die Pläne für eine externe Nachfolge zerschlagen haben, plant Neu die Umwandlung der Pension in eine Senioren-WG.

Kein neuer

Pächter in Sicht

Eigentlich war die Hoffnung groß, dass ein jüngerer Nachfolger das Konzept der Rohkost-Pension weiterführt. Doch Gespräche scheiterten laut Neu schließlich an unterschiedlichen Vorstellungen. Also lässt sie die Pension nun ausschleichen. Ohnehin sagt sie nach vielen Jahren mit einer Sieben-Tage-Woche: „Ich bin müde und matt.“Nun möchte Neu in ihrem Haus mit Blick auf Wiesen und Felder also eine Senioren-Wohngemeinschaft gründen. „Ich suche Gleichgesinnte, die Lust haben, aktiv etwas für ihre geistige und körperliche Beweglichkeit zu tun“, erklärt sie. Platz sei für zwei weitere Mitbewohner, die in den ehemaligen Gäste-Wohnungen ein neues Zuhause finden könnten.Das gemeinsame Leben im 300-Seelen-Dorf Obernwohlde stellt sie sich aktiv vor: „Laufen, Singen, Geschichten erzählen, sich einander vorlesen, Spiele spielen“, zählt Neu auf. Auch ihre Leidenschaft fürs Tanzen würde sie gerne mit Mitbewohnern teilen. Bedingung für den Einzug ist Neus Ernährungsphilosophie: Eine Küche, in der klassisch gebraten oder gebacken wird, möchte Neu in ihrem „Sonnenhaus“ auch in Zukunft nicht habe n.

Überzeugung

als Lebenselixier

Hinter diesem konsequenten Weg steht eine tiefe persönliche Überzeugung. Elke Neu, die früher selbst als Hauswirtschaftslehrerin tätig war, fand in den 1980er-Jahren durch eine radikale Ernährungsumstellung nach ganzheitlichen Ansätzen einen Ausweg aus ihren schweren Leiden: chronische Lungenentzündung, Arthrose, Depression, Kopfschmerzen.

Auch die 61-jährige Regina Duvenbeck, gelernte Köchin und seit 2021 im Sonnenhaus dabei, teilt die tiefe Überzeugung. „Man muss es nicht glauben, sondern einfach mal probieren“, sagt sie. Wer seine Ernährung zumindest zum Großteil auf Rohkost umstelle, könne viele Beschwerden lindern. Das Prinzip: kein Essen auf mehr als 42 Grad erhitzen, damit die Enzyme nicht kaputtgehen. „Darin liegt die Heilkraft der Rohkost“, erklärt Neu. „Wenn wir Menschen 42 Grad Fieber haben, sind wir auch hin.“ Viele Gäste seien mit Leiden wie Arthritis, Neurodermitis oder Rheuma für ein paar Wochen ins Sonnenhaus gekommen und laut Elke Neu beschwerdefrei abgereist. Man müsse jedoch auch nach der Abreise dabei bleiben, betont Duvenbeck. „Man fühlt sich durch die Ernährung einfach gelassener und wohler“, sagt Elke Neu. Ihr Wissen und ihre Erfahrung möchte die 85-Jährige nun im kleinen, privaten Rahmen einer WG teilen.

Wo früher Schweine gemästet wurden und Elke Neu 1995 mit einer Totalsanierung startete, soll ein Ort für das gemeinsame Altern entstehen. Wer sich für das Projekt der Senioren-WG interessiert, sollte vor allem eines mitbringen: die Neugier auf ein Leben ohne Herd und Backofen, stattdessen mit viel frischem Grün aus dem eigenen Garten. had

Interessierte können sich über die Webseite das-sonnenhaus.de informieren und Elke Neu kontaktieren.



Druckansicht