„Meine Mitspieler haben nur noch Salat gegessen und wurden immer kraftloser“, erinnert sich Friedrich „Fritz“ Burschberg. Er selbst, als Schlachterssohn aufgewachsen, hatte keine Berührungsängste. Obwohl er mit Anfang 30 der älteste Spieler war, wurde er von Spiel zu Spiel häufiger eingesetzt. „Weil die Jungs einfach kaputt waren.“
56 Jahre später sitzt Burschberg in seinem Haus an der Mühlenstraße und lacht. Am Donnerstag wird der 89-Jährige vom VfL Lübeck-Schwartau, wie der Verein mittlerweile heißt, für 80 Jahre Vereinsmitgliedschaft geehrt. „Das ist einzigartig“, sagt Beiratsmitglied Enrico Latendorf.
Burschberg ist gebürtiger Schwartauer, lebt bis heute in dem Haus, in dem seine Mutter ihn geboren hatte. Den Weg in den Verein fand er über Otto Krummland, ein Verwandter und der spätere Namensgeber der Krummland-Halle. Der baute nach dem Krieg die Sportabteilung des VfL neu auf und brachte den damals neunjährigen Burschberg dazu, im Verein mit Fußball anzufangen.
Nach einer Operation an der Nase im Alter von 15 Jahren riet ihm der Arzt, einen Sport mit weniger Körperkontakt zu suchen. Gleichzeitig suchte die Handball-Schulmannschaft einen Linkshänder. Zwei Jahre später stand er bereits in der ersten Herrenmannschaft, als Jüngster einer Truppe, die größtenteils aus Kriegsheimkehrern bestand.
Gespielt wurde draußen auf dem Feld am Riesebusch bei Wind und Wetter: „Auch bei Schnee, und vor bis zu 4000 Zuschauern“.
Als die Handball-Bundesliga 1966 gegründet wurde, gehörte der VfL Bad Schwartau zu den Gründungsmitgliedern. Im Kader dabei: Fritz Burschberg. Für den VfL Gummersbach, gegen den die Schwartauer im Halbfinale standen, spielte Handball-Ikone Hansi Schmidt: „Der haute Jochen Krummland während des Spiels mit der Faust auf den Kopf“, erinnert sich Burschberg. Dass es keine Rote Karte gab, regt Burschberg noch heute auf. „Das war eine Riesensauerei. Wir hätten Deutscher Meister sein können.“
1968 flog der VfL aus der Bundesliga, ein Jahr später gelang der Wiederaufstieg. Aus beruflichen Gründen ohne Burschberg. Der gelernte Formgießer war inzwischen als Handelsvertreter unterwegs in ganz Schleswig-Holstein. Das Training litt darunter. Zur Arbeit aber trug er stets die Ehrennadel seines geliebten Vereins. Bei Kunden öffnete das so manche Tür. Ob berufliche oder persönliche Erfolge, Burschberg sagt: „Ich habe dem Sport alles zu verdanken.“
Nach seiner aktiven Zeit als Spieler blieb Burschberg dem VfL als Schiedsrichter bei Kinder- und Jugendspielen und in der Altherren-Mannschaft verbunden. Finanziell stand er dem Verein ebenfalls immer zur Seite. Nicht nur hat er 80 Jahre seinen Mitgliedsbeitrag gezahlt – was grob überschlagen sicher einige Tausend Euro sind. Wurde es ernst, langte er auch tiefer in die Tasche. Mit 25 anderen Mitgliedern rettete er den Verein aus so mancher Insolvenz. „Einmal haben wir eine Million zusammengekriegt.“Heute spielt Fritz Burschberg keinen Handball mehr, aber Skat. In seiner Runde spielt Schiedsrichter-Legende Horst Schneider. Der Mann, der Burschberg 1959 in einem entscheidenden Meisterschaftsspiel vom Feld stellte. Daran erinnert ihn Burschberg bis heute: „Ich sag, Horst, weißt du noch, als du mich rausgeschmissen hast?“