Eine Polizistin, Eltern, Lehrer und Oberstufenschüler passen auf und begleiten die Kinder an diesem Morgen. Ein gesicherter Schulweg mit festen Haltestellen – das ist das Prinzip eines solchen „Fahrradbusses“. Ab 16 Mitradelnden genießt ein solcher Verband die gleichen Rechte auf der Straße wie ein Omnibus. Selbst Kinder unter acht Jahren dürfen dann auf der Straße mitfahren.
Mehr als
eine Plakette
Das Gymnasium am Mühlenberg (GaM) trägt das Siegel „Fahrradfreundliche Schule“ des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC). Wer dieses Zertifikat beantragen will, muss ein Dossier einreichen: ausreichend Fahrradstellplätze, eine Reparatursäule und Fahrradmobilität als Thema im Schulalltag. Am GaM bedeutet das etwa das Berechnen von Bremswegen im Physikunterricht. Und es stehe auch mal ein Lkw auf dem Schulparkplatz, damit Fünft- und Sechstklässler etwas über den toten Winkel lernen, sagt Oberstufenleiter Marcel Muth.„Damit das eben nicht nur eine Plakette bleibt, die wir auf die Homepage und auf die Tür kleben können, haben wir gesagt: Wir machen auch mal einen Bike-Bus“, sagt Muth. Der Lehrer für Biologie, Sport und Physik ist selbst begeisterter Fahrradfahrer. Organisiert hat er das Ganze jedoch nicht allein: Ausgeknobelt haben die Routen Schülerinnen und Schüler selbst. Das Geografie-Profil des E-Jahrgangs erstellte gemeinsam mit ihrer Lehrerin den Streckenplan und beteiligte sich mit rund zehn Aufpassern auch an den Fahrten. Auf fünf Routen aus unterschiedlichen Richtungen rollen die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums an diesem Morgen in einer Sternfahrt zur Schule: aus Pohnsdorf, der Beethovenstraße in Bad Schwartau, Eckhorst, Pansdorf und Stockelsdorf. Fußgänger, Autofahrer und andere Verkehrsteilnehmer staunen nicht schlecht, als die Pulks durch die Straßen fahren.
Am Gymnasium angekommen, fällt das Fazit eindeutig aus. „Da kommen die Schüler gleich aktiviert hier an“, sagt Muth zufrieden. „Sie haben sich bewegt und nicht im Auto oder Bus gesessen.“ Besonders freut er sich über den großen Verband vom Startpunkt Eckhorst. Auf den anderen Routen waren es zwischen drei und zehn Schülerinnen und Schüler plus Begleitung – überschaubar, aber ein Anfang.
Eine Idee, die
weltweit Schule macht
Entstanden ist das Konzept des Fahrradbusses 2008 im britischen West Yorkshire. Weltweite Bekanntheit erlangte es durch Barcelonas „Bicibús“, wo aus einer Handvoll Eltern eine tägliche Massenbewegung wurde. Und auch im US-amerikanischen Portland begeistert „Coach Balto“ auf Tiktok und Instagram mit seinem täglichen Bike-Bus.
Der Gedanke dahinter ist laut ADFC einfach: Wer früh regelmäßig radele, komme wacher und konzentrierter in die Schule – und steige auch als Erwachsener selbstverständlich aufs Rad. Das sei klimafreundlich und trage zur Verkehrswende bei.
Der Zeitpunkt für die Bad Schwartauer Sternfahrt war bewusst gewählt: Die Aktion fand pünktlich zum Auftakt des Stadtradelns statt, das noch bis 20. Juni läuft. „Fahrradfreundliche Schule, Bike-Bus, Stadtradeln, das gehört einfach zusammen“, sagt Muth.
Ein täglicher Bike-Bus bleibt vorerst Zukunftsmusik, zu aufwendig ist Muth zufolge die Organisation dafür. Aber: „Spätestens nächstes Jahr zum Stadtradeln nehmen wir es wieder in Angriff. Es ist ein schönes Event, das auch den Zusammenhalt in der Schule stärkt.“