Reh angefahren: Kitze bleiben hilflos zurück
Ricke wohnt seit Jahren hinter dem Mauererbetrieb Schaube in Ahrensbök – So konnten ihre Kinder gerettet werden.

Die beiden Rehkitze, deren Mutter angefahren wurde, werden jetzt in einer Wildtierauffangstation von Hand aufgezogen.Foto: privat
Ahrensbök. Ein Reh gehörte bei Schaubes zum Inventar, seit sie 2022 ihre neue Halle am Dieksbarg in Ahrensbök bezogen. „Wir haben die Ricke immer gesehen“, sagt Chef Janek Schaube. Ob es dasselbe Reh war, das jetzt so elendig sterben musste, oder eines seiner Nachkommen, ist zwar unklar, Schaube vermutet es aber. Jedenfalls war das Tier nicht da, als er am Dienstag nach Pfingsten zum Betrieb kam. Dafür hörte er eines der Kitze schreien.

„Es hat nach seiner Mama und nach Milch gerufen“, erzählt der Bauunternehmer. Als er auf dem Wall hinterm Betrieb nachsehen ging, fand er das schwerverletzte Reh und seine beiden Kinder. „Es waren etwa drei bis fünf Tage alte Kitze.“ Die Ricke habe sie nicht mehr säugen können. Janek Schaube vermutet, dass die Mutter auf der nahen B432 vor ein Auto gelaufen war.

Kitze kamen in

eine Auffangstation

Das Reh war nicht mehr zu retten, ein Jäger erlöste das Tier. Die Kitze wurden zur Wildtierhilfe Kleine Waldwesen in Hennstedt (Kreis Dithmarschen) gebracht, wo sie von Hand aufgezogen werden. „Es geht ihnen gut“, berichtet Christian Hauschildt von der Wildtierhilfe. Die Kitze werden alle zwei Stunden mit der Flasche gefüttert, später alle drei Stunden, dann bis Ende August alle vier Stunden. „Wenn sie groß sind, versuchen wir, sie an ihren Fundorten wieder auszusetzen“, sagt Hauschildt.

Schaube, der selbst Jäger ist, Tom Rosteck vom Revier Cashagen-Dakendorf und Martin Rollmann, Sprecher der Kreisjägerschaft Eutin, vermuten, dass ein Autofahrer das Ahrensböker Reh angefahren und sich dann nicht darum gekümmert hat. Rosteck und Rollmann raten Autofahrern, bei einer Kollision mit einem Wildtier immer über 110 die Polizei zu informieren. Die hole den zuständigen Jäger hinzu.

Das Vorgehen erläutert Rollmann: „Anhalten und die Unfallstelle sichern, dann gucken, was passiert ist. Oftmals sind Wildtiere hochflüchtig.“ Heißt: Sie rennen weiter. Auch wenn man nichts sehe am Auto, könne doch ein Schaden entstanden sein, und das angefahrene Tier leide unnötig. Möglicherweise habe es innere Verletzungen davongetragen.

Rosteck will Autofahrern die Sorge nehmen, sie könnten bei Wildunfällen auf Kosten sitzenbleiben. Mit einem Wildschadensbericht übernehme die Versicherung alles, was anfalle, auch die Gebühren. Und die Jäger, ergänzt, Rollmann, kämen gerne, um zu helfen. Auch nachts. sas
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