10.000 Elritzen für die Schwartau
Nach der Meerforelle soll nach der Renaturierung des Gewässers
nun die zweite neue Fischart wieder heimisch werden.

Carsten Dietz ist der Vorsitzende des Angelsportvereins Bad Schwartau. Er hat dabei mitgeholfen, die Elritzen in die Schwartau einzusetzen.
Bad Schwartau. Die Schwartau soll lebendiger werden – nicht nur für Angler, sondern für das gesamte Ökosystem. Nachdem sich in den vergangenen Jahren bereits die Rückkehr der Meerforelle abgezeichnet hat, gibt es nun einen weiteren Schritt in Richtung Artenvielfalt: Rund 10.000 Elritzen wurden jetzt in die Schwartau eingesetzt. Gemeinsam mit einem Team des Landesfischereiverbandes brachte der Angelsportverein Bad Schwartau die stark gefährdete Kleinfischart an drei Stellen des Gewässers aus.

Für den Vorsitzenden des Angelsportvereins Carsten Dietz ist das ein wichtiger, aber keineswegs schneller Erfolg. „Die Ansiedlung einer neuen Fischart ist ein mühsames Geschäft“, sagt er. Schon seit mehreren Jahren bemüht sich der Verein darum, die Elritze wieder heimisch werden zu lassen – bislang ohne Erfolg. Erst jetzt hat sich kurzfristig die Gelegenheit ergeben, 10.000 Tiere aus der Fischzucht Oeversee bei Flensburg zu übernehmen.

Finanzierung über

die Fischereiabgabe

Dort werden die Fische beim Förderprogramm „Fisch Horizonte“ gezüchtet. Finanziert wird dieses Programm aus Mitteln der Fischereiabgabe – einer Pflichtabgabe von 18 Euro pro Jahr, die jeder Angler und jede Anglerin in Schleswig-Holstein entrichten muss. Nach Genehmigung des zuständigen Landesamtes und mit Unterstützung des Landesanglerverbandes konnten die Tiere nun in die Schwartau umgesetzt werden.

Auch in den kommenden zwei Jahren soll ein Besatz in einer ähnlichen Größenordnung erfolgen. Die Hoffnung ist, dass sich langfristig ein selbst erhaltender Bestand entwickelt. Dafür haben sich die Bedingungen in der Schwartau deutlich verbessert – vorrangig durch das große Renaturierungsprojekt, das in den vergangenen Jahren umgesetzt wurde.

„Durch die gut durchströmten Kieseinbringungen des Auenprojektes sind jetzt wieder Bereiche vorhanden, in denen die Elritze zur Laichzeit ihre Eier an die Steine kleben kann“, erklärt Dietz. Die Elritze benötigt genau solche kiesigen, sauerstoffreichen Flachwasserzonen für ihre Fortpflanzung. Durch die Renaturierung wurden diese Lebensräume neu geschaffen.

Meerforelle kehrt

zum Laichen zurück

Auch die Meerforelle profitiert bereits sichtbar davon. Seit 2023 werden jährlich rund 35.000 Brütlinge in die Schwartau eingebracht. Mit Erfolg. „Von 80 bis 100 Rückkehrern konnten wir nun Laichplätze nachvollziehen“, berichtet Dietz. Für die Angler ist das ein ermutigendes Zeichen, dass die jahrelange Arbeit Früchte trägt.

Die Elritze ist für den Angelsport zwar kaum von Bedeutung. Sie bleibt mit durchschnittlich sechs bis zehn Zentimetern sehr klein und ist wegen ihrer Gefährdung ganzjährig geschützt. Ihr Wert liegt vielmehr im ökologischen Gleichgewicht des Gewässers. Sie dient Raub-fischen, Eisvögeln, Fischreihern und auch dem Otter als wichtige Nahrungsquelle.

Gewässer ist jetzt

700 Meter länger

„Aus Sicht der Angler sind Elritzen nicht interessant, aber durch die Wiedereinbürgerung leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Artenschutz“, sagt Dietz. Genau darum gehe es: nicht um Fang, sondern um Vielfalt. Das ist auch etwas, was das Landesamt bei der regelmäßigen Kontrolle feststellen möchte. Neben dem aufgewerteten Gewässer mit einer natürlichen Überflutungsdynamik sollen sich durch die Renaturierung auch die Land- und Wasserlebensräume verbessern.

Das Schwartau-Auenprojekt zählt zu den größten Renaturierungsmaßnahmen in Schleswig-Holstein. Zwischen Hobbersdorf und Groß Parin wurde ein rund 4,7 Kilometer langer Abschnitt in einem Zeitraum von gut drei Jahren umgestaltet. Dabei wurden etwa 50.000 Kubikmeter Erde und 8500 Kubikmeter Kies bewegt. Acht neue Mäander entstanden, Altarme wurden wieder angeschlossen. Das Gewässer hat sich um rund 700 Meter auf etwa fünf Kilometer verlängert. Zusätzlich wurden Überflutungsflächen geschaffen.

Der Einbau von Kies, Geröll und Totholz sowie die gesamte Strukturverbesserung haben insgesamt rund 4,5 Millionen Euro gekostet. Die Hälfte davon stammt aus EU-Fördermitteln, die andere Hälfte tragen Bund und Land. sep

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