Notarzt kommt immer häufiger online
Mediziner werden in bestimmten Notfällen per App aus Lübeck oder Kiel dazu geschaltet.

Für Wolfgang Dersch, stellvertretender Ärztlicher Leiter beim Rettungsdienst Holstein, werden die Tele-Notärzte künftig eine entscheidende Rolle spielen.Fotos: Sebastian Rosenkötter
Oldenburg. Ostholsteins Gesundheitsversorgung steht vor einem großen Umbruch. Ameos schließt die Krankenhäuser auf Fehmarn und in Middelburg, Notarztstandorte werden reduziert. Viele Ostholsteiner fragen sich, ob sie in Zukunft schlechter versorgt werden. Bezogen auf den Rettungsdienst erklärt Wolfgang Dersch, stellvertretender Ärztlicher Leiter beim Rettungsdienst Holstein, was auf Patientinnen und Patienten zukommt. Aus seiner Sicht spielen dabei zwei Tele-Notärzte eine entscheidende Rolle.

Fest steht: Von 2027 an werden die Notarzteinsatzfahrzeuge rund um die Uhr an drei Standorten verfügbar sein. Fehmarn und Oldenburg werden in Heiligenhafen gebündelt. Neustadt und Eutin in Süsel. Bad Schwartau bleibt erhalten. Wolfang Dersch betont: „Wer einen Notarzt benötigt, bekommt einen.“

Neu ist, dass dieser bereits seit einigen Monaten im Norden des Kreises nicht mehr in jedem Einsatz körperlich präsent ist. Immer wieder werden Notärzte per Handy oder Tablet dazu geschaltet. Damit dies gelingt, hat der Rettungsdienst bereits zahlreiche seiner 50 Rettungswagen mit einem Router sowie einer passenden Antenne ausgestattet. Bis Jahresende soll die Umrüstung komplett abgeschlossen sein.

Hier werden die

Tele-Notärzte eingesetzt

Aktuell gibt es laut Dersch zwei Tele-Notärzte. Diese sitzen in Lübeck und Kiel und werden je nach Bedarf eingesetzt. „Einer ist immer 24 Stunden im Dienst“, erklärt der stellvertretende Ärztliche Leiter. Die beiden Mediziner übernähmen nicht nur Einsätze in Ostholstein, sondern auch in den Kreisen Stormarn und Plön sowie im Herzogtum Lauenburg.

Ob ein Tele-Notarzt die Notfallsanitäterinnen und -sanitäter unterstützt, entscheidet die Rettungsleitstelle. Von dort aus wird jeder Notruf bewertet und die entsprechende Hilfe losgeschickt. „Ein Tele-Notarzt darf bis zu fünf Fälle parallel übernehmen, also etwa einen Intensivtransport begleiten und parallel bei der Versorgung eines Patienten unterstützen“, erklärt Dersch und stellt klar: „Wir brauchen nicht den Menschen vor Ort, sondern die Expertise.“

In der Praxis sieht es dann wie folgt aus: Die Teams auf den Rettungswagen verfügen über ein Handy oder ein Tablet. Per App wird der Tele-Notarzt zugeschaltet. Ton und Video können also direkt vom Einsatzort übertragen werden. Ebenso ist es möglich, in Echtzeit Werte wie die Herzfrequenz eines Patienten zu verfolgen.

Dann kommen Notärzte

und Notärztinnen

Wolfgang Dersch versichert ebenso wie Stephan Görtz, Sprecher des Rettungsdienstes Holstein, dass Notärzte bei bestimmten Szenarien auch in Zukunft vor Ort sein würden. Dazu zählen Reanimationen, Stürze aus einer Höhe von mehr als drei Metern sowie starke Blutungen und Herzinfarkte.

Anders sehe es bei Schlaganfällen aus, wobei das bereits seit zwei Jahrzehnten der Fall sei: „Da kommt der Notarzt nur, wenn es Bewusstseinsprobleme gibt. Wichtig ist bei einem Schlaganfall, dass die betroffene Person schnell in eine Notaufnahme mit Schlaganfallzentrum gefahren wird“, sagt Dersch.

Zahl der Notarzteinsätze

seit Jahren rückläufig

Ähnlich sehe es bei der Verabreichung von Schmerzmitteln ab einer gewissen Dosis aus. Diese muss von einem Notarzt oder einer Notärztin freigegeben werden. „Dafür muss aber niemand direkt am Patienten sein“, sagt Dersch. Görtz ergänzt: „Einsätze wie diese haben in der Vergangenheit viel Zeit gebunden. Nun kann der Notarzt dahin, wo er wirklich gebraucht wird.“

Hinzu kommt laut Görtz, dass Notfallsanitäterinnen und -sanitäter heutzutage fachlich hervorragend ausgebildet seien und viele Dinge eigenhändig durchführen könnten. Auch deshalb sei die Zahl der Notarzteinsätze seit Jahren rückläufig im Kreis Ostholstein. ser

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