Was tun bei Stromausfall?
Mehr als 100 Anlaufstellen im Kreisgebiet bieten Hilfe – Häufig in Gerätehäusern der Feuerwehr.

Im Gerätehaus in Eckhorst steht ein Notstromaggregat für Notfälle bereit. Gemeindewehrführer Lars Schöppich (li.) und Ortswehrführer Christian Paul schließen es an. Wegen der Abgase muss das Gerät draußen stehen.
Ostholstein. Kein Strom, und das über Tage. Spätestens seit dem großen Blackout in Berlin im Januar dürfte klar sein, dass eine solche Situation jederzeit eintreten kann. Doch was tun, wenn Elektrizität und Handynetz ausgefallen sind und Hilfe benötigt wird? Ein Netz von weit mehr als 100 Notfall-Infopunkten in Ostholstein steht für diesen Fall bereit.

Fast überall gibt es solche Anlaufstellen. Die meisten sind bereits eingerichtet, seit das Land Ende 2024 angekündigt hat, mehr als 1000 dieser Notfallinformationspunkte in Schleswig-Holstein zu fördern. Dort können sich Menschen informieren und in Notfällen Hilfe anfordern.

Flyer machen auf die

Punkte aufmerksam

Etwa im Rathaus in Ahrensbök. Dort fehlt zwar noch das Schild, das auf alle Notfallpunkte hinweisen soll, doch Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos) hat keine Zweifel, dass das Rathaus trotzdem als Anlaufpunkt genutzt wird. „Das wissen die Leute“, sagt er. Zudem hat die Gemeinde die Infopunkte vor geraumer Zeit veröffentlicht und mit Flyern darauf aufmerksam gemacht.

Auf den Dorfschaften sind oft die Feuerwehrgerätehäuser die Anlaufpunkte. Laut Zimmermann kommen viele Einwohnerinnen und Einwohner bei Krisen dorthin. Das habe sich 2023 in Cashagen gezeigt, als eine Windhose durch das Dorf fegte. Und die Mitarbeiter der Gemeinde wüssten, dass sie sich im Notfall auf Eigeninitiative ins Rathaus begeben sollten, erläutert der Bürgermeister.

Auch in der Gemeinde Stockelsdorf sind die Gerätehäuser auf den Dorfschaften Notfall-Infopunkte. Doch das wird vermutlich nicht so bleiben. „Die Infopunkte werden zum Teil verschoben, weg von den Gerätehäusern“, sagt Kreissprecherin Annika Sommerfeld. Deshalb werde die Liste der Anlaufpunkte auf der Kreisseite im Laufe des Jahres aktualisiert.

Dass die Seite nicht aktuell ist, zeigt der Blick nach Scharbeutz. Dort gibt es laut Liste keinen einzigen Anlaufpunkt. Doch das stimmt nicht, teilt die Gemeinde mit und schickt eine Liste mit zehn Anlaufstellen vom Bürgerhaus bis zur Sporthalle in Pönitz. Wegen einer Überarbeitung des Internetauftritts beim Kreis seien die noch nicht in die Liste eingefügt worden, lässt Bürgermeisterin Bettina Schäfer (parteilos) mitteilen.

Die Stadt Oldenburg, die ebenfalls nicht in der Liste auftaucht, hat bereits Notfall-Infopunkte festgelegt. Einer davon ist die Sporthalle der Wagrienschule. „Darüber hinaus ist geplant, im Zuge einer Arbeitsgruppe weitere Maßnahmen zur Stärkung der Krisenvorsorge umzusetzen sowie zusätzliche Notfall-Infopunkte zu definieren“, teilt Jan Stender, Fachbereichsleiter Gesellschaftliche Angelegenheiten, mit.

Doch wie können die, die beim Blackout an den Notfallpunkten bereitstehen, den Bürgerinnen und Bürgern helfen? Über den Funk der Feuerwehr, der auch bei Ausfall aller Netze funktioniert. „Oder schlimmstenfalls auch mit Boten“, sagt Zimmermann. Die Feuerwehrfahrzeuge könnten die Einwohner mit Lautsprecherdurchsagen informieren.

In Stockelsdorf haben sich die Verantwortlichen früh Gedanken gemacht, wie mit Notlagen umgegangen werden kann. Das Thema stehe bereits seit 2017/18 auf der Agenda, sagt Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD). „Wir haben große Umspannwerke. Dass hier etwas passiert, ist schon wahrscheinlich“, sagt die Bürgermeisterin. Deshalb seien Satellitentelefone angeschafft worden. Der Sitzungssaal im Rathaus sei für den Krisenstab eingerichtet worden. Und die Gemeinde sei mit Beginn des Ukrainekrieges voll in das Thema eingestiegen: Anschaffung von Notstromaggregaten, Sammelstellen und Notunterkünfte einrichten.

Sollte ein Stromausfall länger dauern, müsse man prüfen, ob Wärme-Inseln gebraucht werden, führt Andreas Zimmermann für Ahrensbök weiter aus. „Bei uns würden wir die Arnesbokenhalle dafür nehmen.“ Einen solchen Wärmepunkt hat die Stadt Neustadt beim Stromausfall im Februar in der Gogenkroghalle eingerichtet. „Ich sage mit einer gewissen Zuversicht: Wir werden kritische Situationen gemeinsam bewältigen“, lautet Zimmermanns Fazit.

Mit dem Vorhaben, die Notfall-Infopunkte weg von den Gerätehäusern zu verlagern, kommen neue Fragen auf die Kommunen zu. Wohin damit? Gerade auf den Dörfern, gibt Bürgermeisterin Julia Samtleben zu bedenken, gibt es oft keine weiteren kommunalen Gebäude. Stockelsdorfs Gemeindewehrführer Lars Schöppich verweist darauf, dass im Notfall keine Einsatzmittel gebunden werden sollten. Und er sagt: „Wenn jemand 24 Stunden da sein soll, geht das nicht auf einem Schemel im Knick.“ Sas

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