Die Geschichte beginnt im Februar: Schon da kamen die Störche aus dem Süden zurück, um das Eckhorster Nest zu besetzen. In den vergangenen Wochen haben sie dann gebrütet, nach und nach sind bis zum 1. Mai fünf Küken geschlüpft. „Das sind enorm viele, das hat mich direkt überrascht“, sagt Stefanie Brügmann.
Immer wieder ließen sie und ihr Mann die Drohne steigen, um die Storchenfamilie zu beobachten. Doch dann der Schreck: Ausgerechnet, als die Kamera in der Luft filmte, musste Stefanie Brügmann mit ansehen, wie einer der Störche sein Jungtier auffraß.
Eltern finden keine
Nahrung – das Küken
wurde gefressen
„Es war sicherlich eine Totgeburt“, sagt Stefanie Brügmann und schüttelt sich angesichts der Bilder. „Aber trotzdem würde er das Jungtier normalerweise nicht fressen, sondern es aus dem Nest werfen. Das hat er nur aus der Not heraus gemacht.“ Weil es zu warm und trocken ist, finden die Storchen-Eltern nicht genügend Nahrung. „Deswegen war klar, dass ich helfen muss“, sagt Brügmann. „Ich kann nicht wegschauen.“
Kurzerhand hat sie einen Hundepool besorgt und ihn mit Heringen und Sprotten gefüllt. „Die Störche haben von oben schon beobachtet, was ich mache“, sagt sie lachend. „Dann sind sie auch direkt heruntergekommen und haben sich bedient.“
Störche brauchen
kiloweise Fleisch
Aktuell füttert Stefanie Brügmann rund zwei Kilo zu. „Mir ist wichtig, nicht den ganzen Bedarf zu decken, damit die Störche ihren Jagdinstinkt nicht verlieren“, sagt sie. Deshalb freut sich die Eckhorsterin, wenn die Tiere abwechselnd auf Streifzug sind und selbst nach Nahrung suchen.
Doch je älter die Jungtiere werden, desto höher ist der Bedarf. Zudem muss Stefanie Brügmann auf Fleisch umstellen, um die optimale Versorgung der Tiere zu gewährleisten. 120 tiefgekühlte Mäuse braucht sie dafür pro Tag, die sie in einer Lübecker Zoohandlung besorgt.
Spendenaufruf
für die Störche
Das Problem: Die Versorgung geht auf lange Sicht ins Geld. Dazu müssen die Futtertiere tiefgekühlt werden. Deswegen hat Stefanie Brügmanns Sohn mittlerweile einen Spendenaufruf gestartet. Knapp 2000 Euro wurden über GoFundMe bereits für die Eckhorster Störche in Not gesammelt. Dafür kann Stefanie Brügmann einen Kühlwürfel anschaffen und einiges an Futter besorgen.„Ich freue mich sehr, wie groß die Hilfe ist“, sagt sie. Überhaupt ist das Interesse an den Störchen riesig. „Schon im Winter fragen mich die ersten, ob sie wieder da sind“, sagt sie lachend. Das Nest in neun Metern Höhe hat Stefanie Brügmanns Vater 1998 gebaut. 2006 gab es erstmals Nachwuchs im Nest, an dem sich damals der ganze Ort erfreute. Nachdem ihr Vater 2017 verstarb, ist es eine Art Andenken an ihn, das Stefanie Brügmann hegt und pflegt.
Jahr für Jahr kommt ein Paar nach Eckhorst. Ob es immer derselbe Storch ist, der sich dort niederlässt? „Das kann ich nicht sagen, Störche sind kaum auseinanderzuhalten“, sagt Stefanie Brügmann. Klar ist aber, dass zumindest das Weibchen jährlich wechselt. „Denn Störche haben Saison-Ehen.“ Ihrem Nest sind die Störche also treu, ihrer Partnerin dagegen nicht.