Wo alte Strommasten in Ostholstein abgebaut werden
Rückbau in Wohngebieten in Bad Schwartau, Ratekau und Scharbeutz – Auch Naturschutzgebiete profitieren.

In Scharbeutz führt die alte Stromtrasse mitten durch ein Wohngebiet. Diese Masten werden entfernt.Foto: Sven Wehde
Bad Schwartau/Scharbeutz. Quer durch Ostholstein werden derzeit riesige Strommasten für die neue 380-kV-Ostküstenleitung errichtet. Was bisher kaum im Fokus steht: Neben der zusätzlichen Belastung durch die neue Trasse gibt es auch eine Entlastung für Ostholsteiner. Denn zwischen Lübeck und Göhl werden 185 alte 110-kV-Masten abgebaut.

Die Vorteile liegen auf der Hand. „Zum einen ist es eine Entlastung für das Landschaftsbild, aber auch für unmittelbar betroffene Anwohner“, sagt Peter Hilffert, Pressereferent vom verantwortlichen Netzbetreiber Tennet. Wie groß diese Belastung derzeit noch ist, zeigt sich zum Beispiel im Scharbeutzer Wohngebiet zwischen Kiepenberg und Oderstraße. Die Leitungen verlaufen direkt über den Häusern, Masten stehen teilweise in den Gärten der Anwohner.

Strommasten werden aus den Gärten entfernt

Damit ist bald Schluss, die Masten in Scharbeutz werden abgebaut, aber nicht nur dort. Hilffert: „Neben Scharbeutz werden Wohngebiete in Bad Schwartau und Ratekau entlastet.“ Ein Blick in die Rückbaukarten zeigt: In Bad Schwartau verschwinden die Leitungen, die jetzt genau über den Gärten vieler Häuser am Steenkamp sowie über ein Kleingartengelände verlaufen. In Ratekau gibt es eine teilweise Demontage der Masten, die quer über den südlichen Gemeindeteil von der Eutiner Straße bis zum Sereetzer Weg verlaufen.

Doch wird dafür nicht auch genau hier die neue Trasse gebaut? „Nein“, sagt Hilffert. „Zwischen Siems und dem Umspannwerk Lübeck/West in Stockelsdorf hat die neue Leitung einen komplett anderen Verlauf als die alte 110-kV-Leitung und wird in neuer Trasse um die Ortschaften herumgeführt. Die Wohngebiete in Bad Schwartau und Ratekau werden also durch den Rückbau deutlich entlastet.“

Während der Neubau der Ostküstenleitung zu Waldverlusten führt, was für massive Kritik von Naturschützern sorgt, profitiert andernorts die Natur vom Rückbau. Denn demontiert werden die alten Masten zum Beispiel auch im Naturschutzgebiet „Neustädter Binnenwasser“ und im Naturschutzgebiet „Oldenburger Bruch“.

Rückbau verzögert

sich um ein Jahr

Ein bisschen gedulden müssen sich die Ostholsteiner aber noch, denn die Fertigstellung der neuen Ostküstenleitung verzögert sich. Eigentlich sollte die 380-kV-Stromtrasse bereits 2027 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Das klappt nicht. „Die Gesamtinbetriebnahme verschiebt sich auf voraussichtlich Ende 2028“, erklärt Sören Wendt, Regionalkoordinator von Tennet.

Damit verschiebt sich auch der Abriss der alten Leitung. „Der Rückbau der 110-kV-Masten ist von November 2027 bis Ende September 2028 geplant“, erklärt Hilffert. Vorab würden nur vereinzelt dort Masten abgebaut, wo am gleichen Standort auch ein neuer Mast errichtet werde. Das betreffe zum Beispiel zwei Masten bei Lensahn.

Kernprojekt der

Energiewende

Die neue 380-kV-Ostküstenleitung ist ein Kernprojekt der Energiewende in Deutschland. Sie ist 120 Kilometer lang und verläuft von Henstedt-Ulzburg über den Raum Lübeck bis nach Göhl. Auf der gesamten Strecke werden insgesamt 285 Masten errichtet und gleichzeitig 301 alte Masten abgebaut. Die Ostküstenleitung soll den Strom aus der Windenergie in den Süden transportieren. Die Zahl der Fälle, in denen Windräder abgestellt werden müssen, weil Leitungen überlastet sind, soll damit deutlich reduziert werden.

Das soll am Ende auch die Belastungen für die Stromkunden senken, auf die die Kosten ansonsten umgelegt werden. „Allein in Ostholstein und allein aus Windstrom wird deutlich mehr als ein Gigawatt Grünstrom produziert und von der Ostküstenleitung abtransportiert werden, was der Leistung eines mittleren Kernkraftwerks entspricht“, erklärt der Tennet-Regionalkoordinator Wendt.

Dass die Trasse später fertig wird, liegt übrigens nicht an den Stromleitungen, sondern an den Umspannwerken Siems und Göhl/West. Bisher waren die Inbetriebnahmen im Jahr 2026 in Siems und 2027 in Göhl vorgesehen. SWE

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