Im Neubaugebiet Franzhörn am Bohnrader Weg sollte eine neue Groß-Kita entstehen – ein Millionenprojekt mit rund zehn Gruppen und etwa 150 Betreuungsplätzen. Knapp zehn Millionen Euro waren für den Bau veranschlagt. Nun wurde das Vorhaben vorerst auf Eis gelegt.
75 Wohneinheiten
entstehen in direkter Nachbarschaft
Die Einrichtung sollte in direkter Nachbarschaft zu den Wohnungsbauprojekten des Lübecker Bauvereins und der Lübecker Bauhütte entstehen. Während der Bauverein am benachbarten Hans-Kohlmorgen-Ring bereits mit dem Bau von 42 Wohnungen begonnen hat, wartet die Bauhütte noch auf verbindliche Förderzusagen für die dort geplanten 33 Wohneinheiten.
Der Kita-Neubau verzögert sich nun auf unbestimmte Zeit oder kommt gar nicht mehr. Der Grund: Die ursprünglich erwartete Bevölkerungsentwicklung in Stockelsdorf ist bislang nicht eingetreten. Die Prognosen, auf denen die Planungen basierten, haben sich nicht bestätigt. Damit ist das Vorhaben aus der jüngsten Kita-Bedarfsplanung des Kreises Ostholstein herausgefallen – mit weitreichenden Folgen.
Vorerst gibt es keine
Zuschüsse vom Kreis
Ohne die Aufnahme in den Bedarfsplan entfällt auch der Anspruch auf Fördermittel sowohl für die Baukosten als auch für die laufende Kinderbetreuung. „Wir müssten die Folgelasten komplett alleine tragen“, sagt Bürgermeisterin Julia Samtleben (SPD). Über einen Zeitraum von 25 Jahren gerechnet könnten der Gemeinde dadurch Zuschüsse von bis zu fünf Millionen Euro verloren gehen.
Angesichts dieser finanziellen Belastung hat der Hauptausschuss der Gemeinde einstimmig beschlossen, den Neubau vorerst auf Eis zu legen. Ganz beendet ist das Projekt jedoch nicht: Die bereits begonnene und beauftragte Planung soll weitergeführt werden. Noch in diesem Jahr soll die Leistungsphase sechs abgeschlossen werden, damit fertige Baupläne in der Schublade liegen.
Sollte der Kreis Ostholstein den Bedarf in den kommenden Jahren neu bewerten und die Kita ab 2027 oder später wieder in den Bedarfsplan aufnehmen, könnte die Gemeinde schnell reagieren. Bauamtsleiter Jan-Christian Ohm erklärt: „Auf dieser Basis könnten wir jederzeit wieder weitermachen.“
Planung hat bislang rund eine Million Euro gekostet
Bislang hat Stockelsdorf bereits rund eine Million Euro in die Planungen investiert. Für Bürgermeisterin Samtleben ist das Projekt keineswegs endgültig gescheitert. Sie bleibt überzeugt, dass die Gemeinde langfristig zusätzlichen Bedarf haben wird. „Wenn wir die neue Kita nicht benötigen, ist es gut. Aus meiner Sicht wird es aber den Bedarf geben. Wir sind eine Zuzugsgemeinde und keine mit vielen Geburten“, sagt sie. Tatsächlich rechnet die Gemeinde weiterhin mit deutlichem Wachstum. Bis 2032 sind derzeit etwa 1200 neue Wohneinheiten geplant. Hinzu komme laut Samtleben ein spürbarer Generationswechsel: Ältere würden ihre Häuser zunehmend an junge Familien verkaufen, was den Bedarf an Betreuungsplätzen mittel- bis langfristig erneut steigen lassen könnte.