Ziel der Wärmeplanung ist es, den Anteil erneuerbarer Energien am Wärmeverbrauch und die Menge energieeffizienter Gebäude zu steigern. Die Stadt Bad Schwartau ist per Gesetz verpflichtet, bis Juni 2028 einen kommunalen Wärme- und Kälteplan zu erstellen. Bis 2045 sollen dann möglichst alle Gebäude treibhausgasneutral beheizt werden, lautet die Zielvorgabe. Das funktioniert grundsätzlich nur über den Ausstieg aus fossilen Brennstoffen und einen deutlich höheren Anteil erneuerbarer Energien.
Wie der Weg dorthin aussehen könnte, haben Ingenieurbüros in den vergangenen knapp zwei Jahren ermittelt und nun in einem entsprechenden Entwurf zusammengefasst. Die Ergebnisse liegen als Diskussionsgrundlage aus. Fest steht: Eine einfache Lösung wird es nicht geben. „Der Fernwärme-Netzausbau ist generell in den meisten kleineren Städten für die Energieunternehmen nicht attraktiv“, sagt Nassery.
Die Möglichkeiten für weitere Fernwärmenetze im Stadtgebiet sind eher begrenzt. Das liegt insbesondere an der Struktur der Wohngebiete – vorherrschend sind Einfamilien- und Doppelhäuser. So sind von den rund 5000 Wohngebäuden nur rund 17 Prozent Mehrfamilienhäuser. Klimaschutzmanager Thies Fellenberg: „Dezentrale Lösungen mit Wärmepumpen haben also die größte Bedeutung.“
Derzeit gibt es im Neubaugebiet Bollbrüch, im Wohngebiet Albert-Schweitzer-Straße sowie an der Ludwig-Jahn-Straße bestehende Fernwärmenetze. Potenzial für weitere Fernwärmenetze gibt es laut Wärmeplanung im Bereich Am Mühlenteich, Kaltenhof und Riesebusch. Das größte Umsetzungspotenzial sehen die Planer allerdings in Vorwerk und vor allen Dingen in der Innenstadt (Lübecker Straße) durch die Erweiterung des bestehenden Netzes an der Ludwig-Jahn-Straße.
Es gibt in Bad Schwartau auch einige Gebiete mit besonderem Beratungsbedarf. „In diesen Bereichen ist eine dezentrale klimaneutrale Wärmeversorgung, etwa durch den Einsatz von Luft-Wärmepumpen, aufgrund der begrenzten Flächenverfügbarkeit nur eingeschränkt realisierbar“, sagt Klimaschutzmanager Fellenberg. Typischerweise handelt es sich dabei um schmale Reihenhäuser („Reihenhausriegel“), die in Bad Schwartau in großer Zahl vorkommen. Aufgrund der heterogenen Eigentumsstruktur gestaltet sich aber eine gemeinsame Versorgung, beispielsweise durch eine zen-trale Wärmepumpe am Ende der Häuserreihe, als schwer umsetzbar.
Derzeit ist Erdgas der vorherrschende Energieträger. Ungefähr 75 Prozent der Haushalte in Bad Schwartau heizen mit Gas, 20 Prozent mit Heizöl und fünf Prozent mit Holz und anderen Feststoffen. „Die meisten kommunalen Liegenschaften werden aber schon über Fernwärme versorgt. Die Möglichkeiten der Stadt, weitere Beiträge zu leisten, sind eher begrenzt,“ sagt Bürgermeisterin Katrin Engeln.
Die kommunale Kälte- und Wärmeplanung enthält keinerlei Verpflichtung für Privatleute und Kommunen. Bauamtsleiter Nassery: „Der Plan ist nur eine Richtschnur und dient der Orientierung. Es gibt keine rechtliche Verpflichtung.“ Unabhängig davon sieht der CDU-Politiker, Ingenieur und Energieberater Carsten Dyck in dem Entwurf durchaus auch einen Auftrag. „Wir bedauern, dass die Nutzung der Sole als Wärmequelle nicht nutzbar ist. Kurzfristig fordern wir aber eine Machbarkeitsstudie für ein Fernwärmenetz im Zentrum, eine unabhängige Kosten- und Tarifanalyse, ein Beratungsangebot für dezentrale Wärmepumpen sowie die Suche eines möglichen Partners für ein Wärmenetz“, sagt Dyck.
Die Stadt Bad Schwartau bereitet unterdessen zwei Informationsveranstaltungen vor. Am Dienstag, 16. Juni, geht es im Sitzungssaal des Rathauses um das Thema „Energetische Sanierung Schritt für Schritt“ und am 23. Juni um „Wärmeversorgung gemeinsam denken – Informationsabend für Gebiete mit Nahwärme-Potenzial“. Beide Veranstaltungen sind kostenlos und beginnen um 18 Uhr.