Bereits jetzt sind wesentliche Teile der Anlage sichtbar: 23 Schaltfelder mit rund 500 Isolatoren, vier große Transformatoren sowie ein etwa ein Einfamilienhaus großes Gebäude für die Steuerungstechnik. Doch damit nicht genug: Als nächster großer Schritt steht der Bau einer rund 15 Meter hohen Halle an. In ihr soll künftig ein sogenannter rotierender Phasenschieber untergebracht werden.
Technik für mehr
Netzstabilität
„In Schleswig-Holstein kommt diese Technik erstmals in Stockelsdorf zum Einsatz. Sie wird benötigt, um die Netzstabilität sicherzustellen und Leitungen vor Überlastungen zu schützen“, erklärt der Tennet-Projektsprecher Sebastian Bechstedt.
Der rotierende Phasenschieber soll eine Fläche von etwa einem halben Hektar einnehmen – also etwas kleiner sein als ein Fußballfeld. Gerade in Zeiten, in denen immer mehr Energie aus erneuerbaren Quellen eingespeist werde, gewinne diese Technologie an Bedeutung, um Schwankungen im Netz bei Wind- und Solarstrom auszugleichen, teilt Tennet mit.
Inbetriebnahme ist
für 2028 geplant
„Vereinfacht gesagt funktioniert der Phasenschieber wie eine große rotierende Schwungmasse: Sie speichert Bewegungsenergie und gibt sie bei Bedarf sofort wieder ab“, erklärt Bechstedt. „So gleicht die Anlage kurzfristige Schwankungen im Stromnetz aus und sorgt für mehr Stabilität.“ Damit trage die Anlage maßgeblich zur Versorgungssicherheit in der Region bei.
Zunächst beginnen bauvorbereitende Maßnahmen, darunter die Einrichtung der Baustelle und die Nivellierung des Geländes. In den kommenden Monaten werden die einzelnen technischen Komponenten geliefert und montiert. Die Inbetriebnahme ist derzeit für Mitte 2028 geplant, anschließend folgt eine Phase des Probebetriebs.
Herzstück in der neuen Anlage wird die Generatorhalle mit dem darin untergebrachten Schwungrad sein. Ergänzt wird sie durch einen Transformator sowie umfangreiche Kühlsysteme. Um die Geräuschentwicklung möglichst gering zu halten, werden zentrale Komponenten eingehaust. Für die Anlieferung der wichtigsten Bauteile sind zwei Schwertransporte vorgesehen – einer für das Schwungrad (180 Tonnen) und einer für den Maschinentransformator (380 Tonnen).
„Knotenpunkt im
Übertragungsnetz“
Laut Tennet werden mit dem fortschreitenden Ausbau erneuerbarer Energien solche Anlagen immer wichtiger. Während früher große konventionelle Kraftwerke mit ihren Generatoren zur Netzstabilisierung beitrugen, übernehmen heute zunehmend technische Lösungen wie der rotierende Phasenschieber diese Aufgabe. Der Netzentwicklungsplan sieht vor, bis 2037 bundesweit mehrere solcher Anlagen an strategisch wichtigen Standorten zu errichten.
Parallel schreiten auch die Arbeiten am Umspannwerk selbst weiter voran. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf der Montage elektronischer Komponenten und der Vorprüfung der Anlagenteile. Zudem laufen erste Vorbereitungen für den Anschluss der Elbe-Lübeck-Leitung.
„Das Umspannwerk Lübeck-West entwickelt sich damit zu einem Knotenpunkt im deutschen Übertragungsnetz“, betont Bechstedt.