Immer mehr Windpocken-Fälle in Lübeck
Erkrankung ist hoch ansteckend und langwierig – Erreger kann auch Gürtelrose verursachen.

Windpocken verursachen einen stark juckenden Ausschlag am ganzen Körper.Foto: AOK
Lübeck. Die Zahl der Windpocken-Fälle ist nach Angaben des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Lübeck in den vergangenen Jahren stark angestiegen. Im Jahr 2023 wurden in der Hansestadt 17 Windpocken-Erkrankungen gemeldet, 2024 waren es 45 und im vergangenen Jahr 59.

Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt für alle Kinder eine Impfung gegen Windpocken (Varizellen). Die erste Impfung sollte demnach im Alter von 11 bis 14 Monaten und die zweite mit 15 bis 23 Monaten erfolgen. Zwischen den beiden Impfdosen muss ein Mindestabstand von vier Wochen eingehalten werden. Fehlende Impfungen können bis zum 18. Geburtstag nachgeholt werden. Der Impfstoff schützt vor schweren Verläufen.

Erreger gehört
zu den Herpes-Viren

Auslöser für Windpocken ist das sogenannte Varizellen-Zoster-Virus, das durch Tröpfcheninfektion über die Luft übertragen wird – daher auch der Name Windpocken. Der Erreger kann also eine gewisse Distanz überwinden und ist daher besonders ansteckend.

Die Kosten für die Windpocken-Impfung „werden von den gesetzlichen Krankenkassen selbstverständlich übernommen“, sagt AOK-Serviceregionsleiter Reinhard Wunsch. Er betont: „Die Entscheidung, ob Eltern ihr Kind impfen lassen, kann ihnen niemand abnehmen. Es ist jedoch wichtig, dass sich Mütter und Väter mit diesem Thema auseinandersetzen, um gut informiert im Sinne ihres Kindes zu handeln.“

Krankheit Schon vor dem Ausschlag ansteckend

Das Tückische an der Erkrankung: Ansteckend sind Windpocken bereits einen Tag, bevor der typische Ausschlag auftritt. Die Ansteckungsgefahr endet, wenn die Bläschen austrocknen. Symptome treten erst zehn Tage bis drei Wochen nach der Ansteckung auf.

Zu den ersten Anzeichen gehören Kopf-, Rücken- oder Gliederschmerzen und Fieber. Ein bis zwei Tage später treten linsengroße rote Flecken auf der Haut auf, die sich zunächst in stark juckende Knötchen, anschließend in Bläschen verwandeln. Die Bläschen sind mit einer wässrigen Flüssigkeit gefüllt, die hoch ansteckend ist. Innerhalb von ein bis zwei Wochen verkrusten die Bläschen und fallen schließlich ab.

Die größte Herausforderung für die jungen Patienten besteht darin, die Bläschen trotz des extremen Juckreizes nicht aufzukratzen. Denn dann können laut AOK nicht nur Narben entstehen, sondern auch Entzündungen und schwere Hautinfektionen.

Behandelt werden können bei der Virusinfektion Windpocken nur die Symptome. Kinderärzte verordnen in der Regel zinkhaltige Salben oder Lotionen, die den Juckreiz lindern. Eltern sollten erkrankten Kindern die Fingernägel kurz schneiden, um das Risiko des Aufkratzens zu minimieren.

Damit Familien den Überblick behalten, wann welche Impfungen und wann welche Vorsorgeuntersuchungen anstehen, bieten Kinder- und Jugendärzte ein Online-Erinnerungssystem an. Unter www.kinderaerzte-im-netz.de/impfen/vorsorge-und-impferinnerung/können sich Eltern registrieren und werden dann rechtzeitig per Mail erinnert. Einen Hinweis gibt es für alle Impfungen, die von der Stiko empfohlen werden.

Das HerpesVirus bleibt

ein Leben lang im Körper

Die Windpocken-Erreger verbleiben, wie alle Herpesviren, nach einer durchgemachten Windpockeninfektion im Körper. Sie können unter besonderen Umständen auch Jahrzehnte nach der Windpocken-Infektion reaktiviert werden – und dann eine Gürtelrose (Herpes Zoster) verursachen. Deshalb empfiehlt die Stiko unter anderem allen Menschen ab 60 Jahre eine Impfung gegen Gürtelrose. Diese kann nach neuesten Erkenntnissen auch das Risiko der Entwicklung einer Demenz senken. und GRI
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