Finanznot: Kirchengemeinde Curau setzt auf Spenden
Mit einem freiwilligen Kirchgeld soll das Gemeindeleben gesichert werden.

Die Kirchengemeinde Curau wirbt offensiv um Spenden: Rolf Petersen (li.), Christa Lüthje und Pastor Florian Gottschalk haben das große Ziel, alle Angebote trotz sinkender Einnahmen durch die Kirchensteuer in der Gemeinde zu erhalten. Foto: Sebastian Prey
Stockelsdorf. In der Kirchengemeinde Curau ist immer etwas los: Kinder-Krabbelgruppe, Jugendtreff, Senioren-Café, Sommerfest, Glaubenskurse, der Kirchenchor und viele andere Angebote gehören zum Gemeindeleben. Diese Lebendigkeit steht jedoch vor einer großen Herausforderung. Sinkende Mitgliederzahlen führen zu rückläufigen Kirchensteuereinnahmen. Die Prognosen des Kirchenkreises sind deutlich: Im kommenden Jahr müssen die Gemeinden mit 15 bis 20 Prozent weniger Einnahmen rechnen. Für Curau bedeutet das ein Minus von rund 15.000 Euro jährlich – Geld, das bislang die vielfältige Arbeit ermöglicht hat.

Der Kirchenkreis Ostholstein mahnt daher zur Sparsamkeit. Marco Heinen, Sprecher des Kirchenkreises, erklärt: „Kostenreduktionen durch die Trennung von Immobilien und die Streichung von Angeboten sind aus Kirchenkreissicht ebenso unumgänglich wie ein weiteres Zusammenrücken etwa durch die Fusion mehrerer Gemeinden.“ Beispiele dafür gebe es bereits.

In Curau möchte man diesen Weg jedoch nicht gehen. Kürzungen oder das Streichen von Angeboten kommen für die Verantwortlichen derzeit nicht infrage. „Vielleicht bin ich ja zu optimistisch oder auch naiv“, sagt Pastor Florian Gottschalk, „aber wir setzen lieber auf ein freiwilliges Kirchgeld.“ Für ihn stellt sich die Frage ganz konkret: „Wo sollten wir da sparen: die Kirche nicht mehr für Gottesdienste beheizen? Die Jugendarbeit streichen? Unserer Gemeinde­sekretärin die Stelle kürzen?“

Der Kirchengemeinderat hat sich klar positioniert: Seelsorge, Verkündigung, Alten- und Jugendarbeit sowie die Gottesdienste sollen vollständig erhalten bleiben. Dass dies nicht allein über die Kirchensteuer zu finanzieren ist, weiß auch Rolf Petersen. Der 80-Jährige engagiert sich seit 30 Jahren im Kirchenvorstand und hat die Entwicklung der sinkenden Mitgliederzahll miterlebt.

Spendertafel in der Kirche als Dankeschön

Trotzdem blickt Petersen zuversichtlich nach vorn. Er ist überzeugt, dass in der Gemeinde genug Kraft steckt, um die Angebote zu sichern. Deshalb setzt man in Curau verstärkt auf freiwillige Beiträge und Spenden. Die Rechnung ist dabei vergleichsweise einfach: Wenn jedes Gemeindemitglied 10 Euro im Jahr gibt oder 150 Menschen jeweils 100 Euro spenden oder 15 Personen sogar 1000 Euro, könnte die Finanzierungslücke geschlossen werden.

Ein sichtbares Zeichen der Wertschätzung soll eine Spendentafel sein, die Pastor Gottschalk selbst gebaut hat. Dort werden die Namen der Unterstützer aufgeführt. Dass dieses Vorgehen auch kritisch gesehen wird, ist dem Pastor bewusst. „Es wird keine Kirchenglieder erster oder zweiter Klasse geben“, betont er. „In der Kirche dient alles der Ehre Gottes. Mit der Tafel wollen wir motivieren, aber keinen Druck aufbauen, sondern die Chance nutzen, Danke zu sagen.“

Dass das Prinzip der Freiwilligkeit funktionieren kann, davon ist Gottschalk überzeugt. Erst kürzlich konnten 40.000 Euro für ein Patenschaftsprojekt in Tansania gesammelt werden.

Auch beim Kirchenkreis stößt die Initiative grundsätzlich auf Verständnis: „Aus Sicht des Kirchenkreises ist die Erhöhung von Einnahmen aus freiwilligen Zuwendungen durchaus ein Weg“, so Heinen. Gleichzeitig bleibt er realistisch: „Allerdings sind wir der festen Überzeugung, dass sich strukturelle Defizite mittelfristig nicht allein durch Spenden auffangen lassen.“In Curau jedoch setzt man auf Zusammenhalt und die Bereitschaft, gemeinsam Verantwortung zu übernehmen. sep
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