Eine gesunde Portion Skepsis und Vorbehalt ist für die Langwiesers fast obligatorisch, Personen zu durchleuchten gehört zum Berufsalltag. Schließlich sind sie Privatdetektive. Seit 50 Jahren gibt es die Detektei mit Sitz in Bad Schwartau.
180 Aufträge pro Jahr
Wie viele Fälle im Laufe dieses halben Jahrhunderts gelöst wurden? Schwer zu sagen. Aber bei rund 180 Aufträgen pro Jahr dürften es eine Menge sein. „Wir nehmen in der Regel nur Aufträge an, bei denen wir eine Möglichkeit sehen, das Auftragsziel zu erreichen“, erzählt Gabriele Langwieser-Kohlhoff.
Ihr Mann gründete die Detektei 1976. Sie selbst, gelernte Industriefachwirtin, stieß vor 34 Jahren hinzu. Mike Langwieser lernte eigentlich Hotelfachmann. Er habe aber viel beim Vater ausgeholfen und sei dann einfach hängengeblieben. „Es ist ein spannender Beruf und eine sinnstiftende Arbeit“, sagt der 45-Jährige. „Man hilft Menschen, die Hilfe brauchen.“
Ermittlungen aller Art – sogar auf Mallorca
Die Hilfe der Detektei ist so vielfältig wie die Auftraggeber: Rechtsanwälte, Steuerberater, Kaufhäuser, Handwerksbetriebe und Privatpersonen aus allen gesellschaftlichen Schichten engagieren Langwiesers Ermittler für Mitarbeiterüberprüfung, Unterhalts- oder Sorgerechtsangelegenheiten, Personensuche, Schuldnerermittlung und fremdgehende Partner. Des Öfteren sind die Langwiesers oder ihre Ermittler auch Zeugen vor Gericht, zum Beispiel, wenn die Verteidigung sie engagiert, um neue Beweise zu beschaffen, die ihren Mandanten entlasten.
Die Arbeit führt die Detektive der Langwiesers längst nicht nur durch Bad Schwartau und Umgebung. Die Detektei ermittelt auch in Kiel oder Hamburg und sogar international auf Mallorca. Dort hat sie ein Büro und arbeitet mit lizenzierten Detektiven vor Ort zusammen.
Ein Hauch Agentenflair
Mitunter seien Auftraggeber etwas illusorisch, erzählt Mike Langwieser. „Manche Kunden erwarten, dass wir per Knopfdruck Fälle lösen können, indem wir etwa Wanzen oder Kameras installieren.“ Mit Wanzen oder anderen Klischees, die man aus Agentenfilmen kennt, hat die Arbeit der Langwiesers jedoch wenig zu tun. Aber ein wenig Agentenflair hat das Ganze dann schon: Verfolgungsfahrten passierten zwar nicht Stoßstange an Stoßstange, aber brächten die Ermittler so manches Mal an die Grenze des Führerscheinverlusts, gibt Langwieser zu.
Sein Vater flog früher auch mal mit einem Flugzeug über Observationsobjekte. Das und der Observationstransporter mit Videotechnik und Monitoren sind heute zwar Geschichte. Doch die Detektei hat heute immer noch besondere Ausrüstung im Repertoire: „Wir haben ein Nachtsichtgerät und arbeiten auch mit Drohnen“, sagt Gabriele Langwieser-Kohlhoff. „Natürlich haben wir für die auch eine Genehmigung und richten uns nach den gesetzlichen Vorschriften des LBV – also des Landesbetriebs Verkehr.“
Die gesetzlichen Einschränkungen, etwa die Datenschutzgrundverordnung, sind den beiden Detektiven wichtig zu betonen: „Das ist wichtig, weil uns sonst auch Strafanzeigen drohen.“ Denn Privatdetektive haben keine Sonderrechte, sondern müssen sich an dieselben Gesetze halten, an die sich auch Privatpersonen halten müssen.
Zielpersonen auf
frischer Tat ertappen
Die Nachtsichtgeräte können die Detektive für ihre stunden- oder teilweise tage- und wochenlangen Observationen gut gebrauchen. Dann beobachten die Ermittler bei Tag oder bei Nacht Zielpersonen aus Autos oder geeigneten Standorten heraus. Ausdauer, Diskretion und Zuverlässigkeit benötige man als Detektiv, sagen die Langwiesers. „Detektivarbeit ist Puzzlearbeit.“
Bei einem Fall vor ein paar Jahren wurde eine Observation richtig abenteuerlich: „Wir haben durch umfangreiche Fahrzeugverfolgungen ein Bewegungsprofil erstellt und den Täter, der bereits über 100 Reifen an Auslieferungsfahrzeugen zerstochen und damit die Gefährdung von Menschenleben billigend in Kauf genommen hat, auf frischer Tat ertappt.“ Da sei dann schon viel Adrenalin dabei, erzählt Mike Langwieser. Den Täter übergaben sie der Polizei.
„Es gibt Aufträge, die an die Substanz gehen“, sagt Langwieser-Kohlhoff. Zum Beispiel wenn es um Ermittlungen zu Kindeswohlgefährdung geht. Manchmal müssen sich Ermittler auch in das Umfeld einer Zielperson einschleusen und Vertrauen aufbauen. „Dann wird man manchmal eingeladen, es entsteht eine Bindung.“ Sogar manchmal mit einem überraschenden Ende: Ein Mann, der über Jahre von seinem Arbeitgeber stahl und letztlich durch die Detektei überführt werden konnte, habe später abends bei Gabriele Langweiser-Kohlhoff vor der Tür gestanden und sich bedankt. „Er war froh, dass er endlich aufgeflogen und aus dem Strudel rausgekommen ist.“