Nicht nur Menschen mit Gehhilfen, Rollatoren oder Rollstühlen bereitet das Schwierigkeiten. Auch für junge Familien mit Kinderwagen ist der Gang über den Markt alles andere als attraktiv. Und so wird bereits seit der großen Umgestaltung 2002 immer wieder über dieses Thema diskutiert. Nicht nur das: Es wurde schon mehrfach nachgebessert.
Umgestaltung des Marktes kostet 600.000 Euro
So wurde ein 3,5 Meter breiter Streifen geschaffen, auf dem etwa Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen sowie Gehbehinderte besser unterwegs sein können. Ferner wurden 54 Bodenleuchten entlang des Weges eingebaut. Rund 200.000 Euro hat das alles 2012 gekostet.
Die Diskussion um Barrierefreiheit, Begehbarkeit und Komfort auf dem Marktplatz Bad Schwartau ist aber geblieben. Nun gibt es erneut einen Vorstoß, um den kompletten Platz für alle zugänglicher zu machen. Hintergrund ist die Möglichkeit, durch die Städtebauförderung Zuschüsse für die Umgestaltung zu erhalten. Die geschätzten Kosten für den gesamten Marktplatz sind allerdings happig – rund 600.000 Euro schätzt die Bauverwaltung. Dank Zuschüssen könnte die Umsetzung die Stadt lediglich um die 200.000 Euro kosten.
Auf dem Marktplatz wurde nun eine rund zehn Quadratmeter große Probefläche direkt vor dem Rathaus eingerichtet. Dort wurde das Pflaster geschliffen, um Unebenheiten zu reduzieren und die Begehbarkeit zu verbessern. Im Vorfeld des jüngsten Ausschusses für Stadtplanung und Bauwesen wurde die Fläche von den Mitgliedern inspiziert. Die Resonanz war durchweg positiv.
„Was ich hier sehe, überzeugt mich. Das macht die Stadt attraktiver und steigert die Aufenthaltsqualität“, sagte Günter Alpert (CDU) und brachte damit die Haltung aller Anwesenden auf den Punkt. Karen Schwerdtfeger (SPD) ergänzte: „Wenn es auch aus ökologischer Sicht gut ist und man die Folgekosten im Blick hat, sehen wir die Umgestaltung positiv.“
„Die Bürger werden sichVon der Idee, den Marktplatz von Unebenheiten zu befreien, ist Kathrin Erbe, Beauftragte für Menschen mit Behinderungen in der Stadt Bad Schwartau, durchaus angetan. Schließlich gibt es ob der vielen Stolperfallen immer wieder Kritik. Und die Zahl der Menschen mit einer anerkannten Behinderung liegt in Bad Schwartau mittlerweile bei etwas über 5000.
Die 59-Jährige lobt die Probefläche auf dem Markt. „Es gibt nichts, was gegen eine solche Umgestaltung spricht – abgesehen von den Kosten“, sagt Erbe. Ebenfalls voll des Lobes ist Seniorenbeirätin Elisabeth Kremer: „Ich finde es ganz toll, was nun geplant ist. Die Bürger der Stadt werden sich darüber sehr freuen. Darauf haben wir lange gewartet, aber lieber spät als nie.“
Nun muss die Verwaltung eine entsprechende Beschlussvorlage und eine förderfähige Planung erarbeiten. Bürgermeisterin Katrin Engeln (Grüne) gab dabei zu bedenken, dass die Herstellung der Barrierefreiheit nicht ausreichen könnte, um einen Zuschuss über die Städtebauförderung zu bekommen. „Vielleicht ist es auch erforderlich, bei den Planungen den barrierefreien Zugang zum Amtsgericht einzubeziehen“, sagte die Verwaltungschefin.
Frank Schumacher (CDU), der den Antrag auf Umgestaltung stellte, warnte davor, das Vorhaben zu zerreden. „Wir sollten hier zügig aus dem Quark kommen und die barrierefreie Umgestaltung bei der Städtebauförderung für 2027 anmelden.“