Neuverpachtung ist gescheitert
Krumbecker Hof: Suche nach einem neuen Interessenten startet, bisheriger Pächter macht weiter.

Jan Klonk arbeitet schon lange auf dem Krumbecker Hof in Stockelsdorf. Die Zukunft der Gemeinschaft war lange unklar. Jetzt bleibt erst einmal alles beim Alten.Foto: Agentur 54°
Stockelsdorf. Der Krumbecker Hof in Stockelsdorf, der der Lübecker Heiligen-Geist-Stiftung gehört, wird für ein weiteres Jahr vom bisherigen Pächter Gerhard Moser betrieben. Der Stiftung und der Stadtverwaltung ist es nicht gelungen, das Stiftsgut für einen längeren Zeitraum neu zu verpachten. Stiftung und Stadtverwaltung wollen die gewonnene Zeit nutzen, um einen neuen Pächter zu finden. Die Politik hat das Verfahren abgesegnet.

„Die Stiftung Heiligen-Geist-Hospital ist sich mit dem bisherigen Pächter einig, dass dieser den Hof ein weiteres Jahr bewirtschaftet“, teilt die Stadt auf Anfrage mit. „Bewohner, Pferde-einsteller sowie die Betreiberin der Natur-Kita sind von der Stiftungsverwaltung darüber informiert worden und sind erfreut, ihre Untermietverhältnisse mit Herrn Moser fortsetzen zu können.“ Der bisherige Betreiber hatte das sozial-ökologische Projekt in 35 Jahren aufgebaut. Wegen seines Alters kam er für einen neuen Pachtvertrag, der auf 30 Jahre geschlossen werden soll, nicht infrage.

„Ich befürworte diesen überfälligen Prozess“

Gerhard Moser ist mit dem Verfahren einverstanden: „Ich befürworte diesen überfälligen Prozess und unterstütze die Vorgehensweise durch meine Bereitschaft zur Bewirtschaftung für ein weiteres Pachtjahr“, sagte er.

Eigentlich sollte den politischen Gremien der Hansestadt bis spätestens Ende Februar der neue Pächter präsentiert werden. Doch die Verhandlungen mit dem einzigen Bewerber gestalteten sich schwierig. Der Zeitpunkt Ende Februar konnte nicht gehalten werden. Der Zeitdruck auf Stiftung und Verwaltung nahm zu, weil der Hauptausschuss am 10. März entscheiden sollte.

Auch die unmittelbar Betroffenen des Stiftsguts machten Druck. „Für uns, die Familien der 22 Hofbewohner, die Familien der 30 Einsteller im Pferdepensionsbetrieb, die sechs Mitarbeiter und Azubis und den Naturkindergarten mit 16 Kindern, ist das eine höchst schwierige Situation“, hieß es Mitte Februar in einem offenen Brief an Verwaltung und Politik.

Die Lage spitze sich zu, erklärten 157 Unterzeichner des offenen Briefes: „Es stellen sich existenzielle Fragen: Wo sollen wir in Kürze hin in Zeiten von Wohnungsnot? Wohin mit den 35 Pferden und der Mutterkuhherde? Wohin nach 27 Jahren als Hofmitarbeiter? Wie kann ein zuverlässiger Betrieb der Natur-Kita in der Übergangszeit sichergestellt werden?“

Nach LN-Informationen konnten sich Stiftung und Stadtverwaltung sowie der einzige Bewerber nicht über die Höhe der Pacht einigen. Damit war der einzige Bewerber weg. Der bisherige Pächter Gerhard Moser, der das Stiftsgut in den vergangenen Jahrzehnten zu einem Demeter-Hof entwickelt hatte, hat angeboten, den Betrieb erst einmal weiterzuführen. Das hatten Stiftung und Stadtverwaltung zuvor immer abgelehnt. Nun bleibt ihnen nichts anderes übrig.

Mehr als 2800 Bürger haben Petition unterzeichnet

Die Stiftung Heiligen-Geist-
Hospital werde jetzt die Grundlagen erarbeiten, um weitere Pachtangebote einzuholen, sagt die Stadt: „Dafür müssen Bodenbeschaffenheiten, Zustände der Gebäude und weiterer Anlagen beschrieben werden.“

Alle Informationen würden mit gutachterlicher Unterstützung zusammengestellt. „Daraus wird sich eine marktübliche Pacht ergeben, die die Stiftung erzielen will“, erklärt die Stadt. „Das Verfahren zur Neuverpachtung ist ergebnisoffen.“

Der jetzige Betreiber des Demeter-Hofes legt aber Wert darauf, dass etwaige Nachfolger die Sozialstruktur auf dem Hof bewahren – mit Mietern, Kita, Mitarbeitenden und Pferdeeinstellern. „Dafür setzen wir uns ein und freuen uns über geeignete Bewerbungen“, schreibt Gerhard Moser in einer Information an mehr als 2800 Bürger, die eine Online-Petition für den Krumbecker Hof unterzeichnet haben.

Interessenten könnten sich an den Pächter oder die Stiftungsverwaltung wenden. Ab 1. Juli 2027 soll der Hof neu verpachtet werden. DOR
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