Ostküstenleitung von Göhlnach Lübeck wird später fertig
Neue 380-kV-Stromtrasse wird erst Ende 2028 stehen – Schuld sind die komplizierten Umspannwerke.

Die Masten der insgesamt 120 Kilometer langen Ostküstenleitung werden nach und nach aufgestockt. Mit riesigen Schrauben und Muttern werden die Traversen befestigt.Foto: Agentur 54°
Göhl. Wer durch Ostholstein fährt, sieht sie überall: die Baustellen für die Ostküstenleitung. Auf zahlreichen Feldern und in Wäldern wachsen riesige Strommasten in die Höhe. Allein zwischen Ratekau und Göhl werden 134 Masten errichtet. Vor rund einem Jahr wurde der erste Mast feierlich fertig montiert.

Eigentlich sollte die neue 380-kV-Stromtrasse bereits 2027 fertiggestellt und in Betrieb genommen werden. Jetzt ist klar: Daraus wird nichts. „Die Gesamtinbetriebnahme verschiebt sich auf voraussichtlich Ende 2028“, erklärt Sören Wendt, Regionalkoordinator des Netzbetreibers Tennet, der die Stromleitung baut.

Schuld sind aber nicht die Stromleitungen, sondern die Umspannwerke (UW) Siems und Göhl/West. Bisher waren die Inbetriebnahmen im Jahr 2026 in Siems und 2027 in Göhl vorgesehen. Nach dem neuen Zeitplan werden aber beide erst 2028 fertig werden. „Die Gründe dafür sind die hohe Komplexität der Einbindung in die Netzinfrastruktur – insbesondere des Baltic
Cable – sowie umfangreiche technische und eigentumsrechtliche Abstimmungen“, berichtet Wendt.

Neue Umspannwerke

benötigen bis zu 16

Hektar Fläche

Das bisherige Umspannwerk in Göhl ist etwa so groß wie ein halbes Fußballfeld. Das Neue spielt dagegen in einer ganz anderen Liga – es ist mehr als 30-mal so groß wie das alte Werk: Statt 0,5 Hektar braucht es rund 16 Hektar Fläche. Die Arbeiten sollen bereits Mitte März mit dem Bau der Baustraße starten.

Der Freileitungsbau in Ostholstein liegt hingegen im Plan. Wendt erläutert: „Schlecht-Wetter-Perioden sind in den Zeitplänen berücksichtigt, das kalte Wetter im Winter hat keine Auswirkungen auf den Gesamtzeitplan.“ 18 von 134 Masten stehen bereits komplett.

Autobahn für Strom

aus Windenergie

Die 380-kV-Trasse ist ein Kernprojekt der Energiewende in Deutschland. Die Leitung soll den Strom aus der Windenergie im Norden in den Süden transportieren. Die Anzahl der Fälle, bei denen Windräder abgestellt werden müssen, weil Leitungen überlastet sind, soll damit deutlich reduziert werden.

Das soll am Ende auch die Belastungen für die Stromkunden senken, auf die die Kosten ansonsten umgelegt werden. „Allein in Ostholstein und allein aus Windstrom wird deutlich mehr als ein Gigawatt Grünstrom produziert und von der Ostküstenleitung abtransportiert werden, was der Leistung eines mittleren Kernkraftwerks entspricht“, erklärt der Tennet-Regionalkoordinator.

Die Ostküstenleitung ist insgesamt 120 Kilometer lang und verläuft von Henstedt-Ulzburg über den Raum Lübeck bis nach Göhl in Ostholstein. Der Wind- und auch der Solarstrom aus der Region werden über die jeweiligen Umspannwerke entlang der Leitung eingespeist.

Auf dem ersten Leitungsabschnitt zwischen Henstedt-
Ulzburg und Lübeck sind bereits alle 115 Masten der Freileitung fertiggestellt. Zwischen Lübeck/West und Siems sind derzeit insgesamt 22 von 35 Masten errichtet.

Alte Masten werden

Ende 2028 abgebaut

Ende 2028 beginnt dann der Rückbau der alten Bestandsmasten: 307 der aktuell bestehenden 110-kV- und 220-kV-Masten können insgesamt abgebaut werden. Insbesondere die Wohngebiete in Bad Schwartau, Ratekau und Scharbeutz – über die aktuell 110-kV-Leitungen führen – sowie die Vogelschutzgebiete „Neustädter Binnenwasser“ und „Oldenburger Bruch“ sollen hierdurch entlastet werden. swe
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