Schleswig-Holsteins erstes Baby-Spa
Wellness für die Kleinsten: In Bad Schwartau schweben Babys im warmen Wasser – Hebammen reagieren skeptisch.

Lio treibt im warmen Wasser – der Schwimmring sorgt dafür, dass der Kopf des viereinhalb Monate alten Babys über Wasser bleibt. Mutter Laura Schünke schaut begeistert zu.Fotos: Sebastian Rosenkötter
Bad Schwartau. In der teils gläsernen Baby-Badewanne herrscht Schwerelosigkeit. Lio treibt im 36 Grad warmen Wasser. Ein Schaumstoffring hält sein Köpfchen sicher über der nassen Oberfläche. Wenn er mit seinen Beinchen strampelt, fliegen Wassertropfen in die Luft. Im Hintergrund läuft leise Entspannungsmusik. Am Rand des Beckens steht Laura Schünke – die Mutter des viereinhalb Monate alten Babys. Sie wirkt glücklich, lächelt ihren Sohn an, trinkt einen Schluck von ihrem Latte Macchiato. „Das hier ist für uns beide Quality Time“, sagt sie über den Besuch im Ocean Baby Spa in Bad Schwartau.

Auch Jennifer Stieglitz, die Inhaberin des Spas, beobachtet Lio ganz genau. Schließlich sollen Babys wie Lio den Aufenthalt im Wasser genießen und nicht durch zu viele Reize überfordert werden. Die gelernte Kinderkrankenschwester hat sich vor wenigen Monaten mit ihrem Baby-Spa selbstständig gemacht. „Es wird bislang ganz gut angenommen“, berichtet Stieglitz, die viele Kundinnen und Kunden über Mund-zu-Mund-Propaganda bekommt. Sie sieht ihr Angebot unter anderem als Alternative zu Babyschwimmkursen – wo das Wasser fast immer deutlich kühler ist – und leitet zudem Babymassagen an.

„Viele Eltern berichten, dass ihre Babys

jetzt besser schlafen“

Im Fokus steht jedoch das Floating, also das Schweben im Wasser. Es soll an die Zeit im Mutterleib erinnern. „Viele Eltern berichten, dass ihre Babys danach besser schlafen oder weniger Probleme mit Koliken haben“, sagt Stieglitz und ergänzt: „Mir ist bewusst, dass am Ende mehrere Faktoren hierfür ausschlaggebend sein können.“

Die 26-Jährige weiß um die Skepsis, die einige Menschen gegenüber dem Konzept Baby-Spa empfinden. Wie Anke Bertram. Sie ist Vorsitzende des schleswig-holsteinischen Hebammenverbands und spricht von einem wachsenden Trend zu Baby-Wellness-Angeboten und sagt: „Dieser Trend spiegelt jedoch einen gesellschaftlichen Wandel wider: Schwangerschaft und Geburt werden durch die Umstrukturierung in der geburtshilflichen Versorgung zunehmend organisiert und sind zunehmend medizinisch-technisch geprägt.“

Das Baby solle nach der Geburt ein besonderes Erlebnis bekommen. „Doch Babys brauchen keine Events. Sie brauchen Zeit, Ruhe, Nähe und Ansprache“, sagt Bertram. Zugleich seien Nähe, Berührung und gemeinsame Zeit für die Entwicklung eines Kindes essenziell.

Was hält Anke Bertram von Babymassagen? „Die Berührungen fördern die Wahrnehmung der eigenen Körpergrenzen und unterstützen so das frühe Selbst-Bewusstwerden des Babys“, sagt sie. „Zudem können sie bei Blähungen und Unruhe lindernd wirken und stärken darüber hinaus die Bindung zwischen Eltern und Kind.“ Doch nicht jedes Baby wolle zu jeder Zeit berührt werden.

Jennifer Stieglitz ist sich all dessen bewusst. Sie betont: „Es geht um die Kompetenz dahinter.“ Auch deshalb habe sie unter anderem einen Online-Kursus zum Floating mit drei Prüfungen in den USA absolviert. Hinzu komme ein achtwöchiger Babymassage-
Kursus bei der Deutschen Gesellschaft für Babymassagen.

Das Konzept kommt an und ist in Nachbarländern wie den Niederlanden bereits weitverbreitet. Doch nach und nach eröffnen auch in Deutschland Baby-S­pas – wobei es in Schleswig-Holstein bislang nur das in Bad Schwartau gibt.

Franziska Tollgreen aus Ratekau hat das Floating vor gut zwei Monaten zum ersten Mal mit Baby Thore ausprobiert. „Es gibt keine Warmbade-Tage mehr für Babys. Deshalb habe ich gezielt danach gegoogelt“, sagt sie. Zudem habe Thore häufig mit Bauchkrämpfen zu tun gehabt. „In Kombination mit Massagen ist das eine gute Sache für ihn“, sagt Franziska Tollgreen. „Ihm geht es besser, und er schreit nicht mehr so viel.“ ser

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